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Exoplaneten : Das Licht der Sieben

Sicher ein unvergesslicher Urlaub. Und mit aktueller Raketentechnik wäre man schon in ein paar Millionen Jahren da. Bild: NASA-JPL/Caltech

Um den Zwergstern Trappist-1 kreisen gleich mehrere erdgroße Planeten auf wohltemperierten Bahnen. Ob dort etwas leben kann, ist trotzdem fraglich.

          Solche Selbstironie hätte man der Nasa gar nicht zugetraut. Vergangenen Mittwochabend wurde die Entdeckung eines Systems aus sieben Planeten um den Stern Trappist-1a bekannt gegeben. Nur einen Tag darauf veröffentlichte die amerikanische Raumfahrtagentur ein Plakat, das im Retro-Werbestil zum Planeten-Hopping in 12 Parsec (etwa 40 Lichtjahren) Entfernung einlädt. Tatsächlich dürfte nicht nur Astronomen der spontane Wunsch gepackt haben, sich das aus der Nähe anzusehen.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die sieben, bis auf weiteres tragen sie die Bezeichnungen Trappist-1b bis 1h, kreisen nämlich um einen sogenannten M-Zwerg. Sterne dieses Typs sind kaum halb so heiß wie die Sonne und weniger als ein Tausendstel so hell. Zugleich aber sind die Abstände der neuentdeckten Planeten untereinander viel kleiner als im Sonnensystem, mit spektakulären Folgen für etwaige Besucher ihrer Oberflächen. Nicht nur, dass beispielsweise auf Trappist-1f ein lachsrosa Tagesgestirn dreimal größer über dem Horizont hängt als hienieden unsere gelbe Sonne. „Die anderen Planeten erschienen dort nicht nur als Lichtpunkte wie bei uns Venus oder Mars, sondern eher wie der Mond oder größer“, sagte Michaël Gillon, Erstautor des zugehörigen „Nature“-Artikels am Mittwoch auf der von der Nasa veranstalteten Pressekonferenz.

          Eine Minisonne im Wassermann

          Gillon ist Belgier. Dass in seiner Heimat Zisterzienser von der strengen Observanz – nach einem Heimatkloster ihres Ordens „Trappisten“ genannt – berühmte Biere brauen, hat mit dem Namen des Sterns und seiner Planeten aber allenfalls mittelbar zu tun. Der ist ein Akronym für „Transiting Planets and Planitesimals Small Telescope“, ein mit sechzig Zentimeter Durchmesser recht winziges Spezialfernrohr, das Gillons Gruppe an der Universität Lüttich im chilenischen La Silla am dortigen Observatorium der Europäischen Südsternwarte Eso betreibt.

          „Trappist“ ist eigens dafür ausgelegt, nahe Sterne auf sogenannte Transits zu untersuchen: sich periodisch wiederholende Verdunklungen, wie sie von Planeten verursacht werden, welche in einer Ebene kreisen, in der auch die Sichtlinie zwischen dem Stern und der Erde liegt. Bereits Ende 2015 war Gillons Team bei einer etwa vierzig Lichtjahre entfernten Minisonne im Sternbild Wassermann fündig geworden. Der Stern ist so winzig – sein Durchmesser kaum größer als der des Jupiters –, dass er erst 1999 bei einer Himmelsdurchmusterung gefunden wurde und daraufhin den etwas unhandlichen Namen 2MASS J23062928-0502285 erhalten hatte. Als Gillon und Kollegen nun Transits von zwei Planeten fanden (die mit den Bezeichnungen b und c) sowie Hinweise auf einen dritten (heute h), durften sie ihn nach den astronomischen Nomenklaturregeln in Trappist-1a umbenennen: als Heimat des ersten Planetenfundes ihres Instruments.

          Sieben Erden vor unserer Haustür

          Nach der Veröffentlichung dieser Funde im Mai 2016 verfolgten die Astronomen um Gillon den Stern mit verschiedenen Instrumenten weiter, unter anderem zwanzig Tage lang fast ununterbrochen mit dem Infrarot-Weltraumteleskop „Spitzer“ der Nasa. So kühle Sterne wie Trappist-1a leuchten im Infraroten gut tausendmal heller als im sichtbaren Licht. „Es sind daher ideale Ziele für unser Spitzer-Teleskop“, schwärmte der Nasa-Manager Thomas Zurbuchen auf der Pressekonferenz am Mittwoch. Und tatsächlich zeigten sich zusätzlich zu den bereits bekannten drei nun Transits von gleich vier weiteren Planeten.

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