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Weltraumtourismus : Allträume

Weder Luft noch Strände - weltraumtouristisch ist der Mars ein eher zweifelhaftes Ziel. Hier eine Aufnahme des Exploration Rover Spirit von 2006. Bild: AP

Ein Aufenthalt auf dem Mars ist touristisch betrachtet eher trostlos. Immerhin gibt es nun vertikale Eiswände als neue Attraktion. Wer dagegen Ozeane sucht, muss im Sonnensystem weiter reisen. Eine Glosse.

          „Mars macht keinen Spaß“, beklagte vor einigen Jahren die französische Sängerin Camille in einem gleichnamigen Lied. Man könne nicht zum Strand gehen, denn es gebe nicht genug Wasser. Man könne nicht einmal das Fenster öffnen, da draußen keine Luft zum Atmen sei. All das habe man ihr nicht gesagt, als sie die Mission zum Mars gebucht habe. Ihre Reisewarnung besitzt nach wie vor Gültigkeit: Meeresliebhabern kann man von einem Trip zum roten Planeten nur abraten.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wer sich dagegen zur Gruppe der Wintersportler zählt, der könnte vielleicht zunehmend Interesse an einem Aufenthalt auf unserem Nachbarplaneten entwickeln: Wie Wissenschaftler in „Science“ bekanntgegeben haben, scheint es auf dem Mars große unterirdische Eisvorkommen zu geben. Was schon länger vermutet wurde, bestätigte sich nun bei der Analyse von acht Steilhängen, die mit dem Mars Reconnaissance Orbiter der Nasa beobachtet worden waren und die einen Blick auf vertikale Querschnitte des Marsbodens offenbaren. Nur ein bis zwei Meter unter der Marsoberfläche beginnt dort demnach eine bläuliche Schicht relativ reinen Wassereises. Risse im Eis und die Steilheit der Hänge weisen nach Ansicht der Autoren auf ein überaus stabiles, zusammenhängendes Eismassiv hin, das durch eine fortwährende Schichtung und Verdichtung von Schnee entstanden sein mag – zu einer Zeit, als der Mars noch ein feuchtes Klima besaß.

          Rund hundert Meter hohe Eiswände, auf dieser Grundlage sollten doch touristisch attraktive Freizeitaktivitäten denkbar sein. Bleibt noch das Problem der fehlenden Luft. Auch hier könnten die Gletscher zumindest in Ansätzen Abhilfe schaffen, wie der Journalist Paul Voosen in seinem „Science“-Kommentar zur Publikation hervorhebt. Wenn Wasser chemisch mit dem in der Marsatmosphäre reichlich vorhandenen Kohlendioxid kombiniert wird, resultieren daraus Sauerstoff zum Atmen und Methan als Raketentreibstoff.

          Wer sich trotzdem nach extraterrestrischen Meeren sehnt, der wird vergangene Woche angesichts eines Artikels in den „Science Advances“ hellhörig geworden sein. Eine internationale Forschergruppe analysierte zwei Meteorite, die 1998 auf der Erde eingeschlagen waren und aus den äußersten Randgebieten unseres Sonnensystems stammen. In beiden fanden sich Spuren flüssigen Wassers, zusammen mit organischen Komponenten. Irgendwo am Rande unseres Sonnensystems scheint es also einmal eine Ozeanwelt gegeben zu haben – vielleicht auf dem Zwergplaneten Ceres, wo Beobachtungen der Raumsonde Dawn der Nasa die Existenz eines urzeitlichen und heute möglicherweise unterirdischen Ozeans nahelegen, und wo noch heute Eisvulkane existieren. Diese Vulkane könnten auch dafür gesorgt haben, dass die organischen Substanzen in die Meteoriten gelangen konnten, wo sie Milliarden von Jahren konserviert wurden. Es ist das erste Mal, dass die entscheidenden Bausteine für die Entstehung von Leben wie Aminosäuren zusammen mit flüssigem Wasser eingeschlossen in Salzkristallen in Meteoriten gefunden wurden. Ferne Ozeanwelten, die bereits im jungen Sonnensystems die Voraussetzungen für die Entstehung von Leben bereitstellten – da kommen nicht nur Meeresliebhaber ins Träumen.

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