An diesem Mittwoch wird das Weltraumteleskop „Glast“ der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aus seine Reise ins All antreten. Der Start war wegen technischer Schwierigkeiten mit der Trägerrakete mehrmals verschoben worden. Von dem knapp 450 Millionen Euro teuren Instrument erwarten Astronomen einen der bislang tiefsten Blicke in den Weltraum im Röntgenbereich.
Das Glast - „Gamma-ray Large Area Space Telescope“ - beobachtet den Himmel im spektralen Bereich der energiereichen kosmischen Gammastrahlung.
Diese Strahlung stammt meist von exotischen Quellen: Sternresten, Schwarzen Löchern und möglicherweise auch von der immer noch rätselhaften Dunklen Materie.
Diese unsichtbare Materieform kommt mit etwa 25 Prozent zwar rund fünf Mal so häufig im Universum vor wie gewöhnliche Materie, aus der Sterne, Planeten und auch Menschen bestehen, ihre Natur ist aber völlig unbekannt. Außer über ihre Schwerkraft könnte sie sich auch über die von ihr ausgehende Gammastrahlung bemerkbar machen.
Sensor für Gammastrahlenblitze
„Mit Glast werden wir diese Phänomene nun sehr viel empfindlicher untersuchen können als bisher“, sagt Roland Diehl vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München, das an dem Teleskop beteiligt ist. Die Garchinger Forschern erwarten deshalb mit Spannung den Start der Mission.
Die Erdatmosphäre schützt Menschen, Tiere und Pflanzen vor der kosmischen Strahlung. Auf der Erde sind nur die Sekundärteilchen wie Elektronen und Myonen nachweisbar, die dadurch entstehen, dass Partikeln der Strahlung mit Molekülen und Atomen kollidieren und Kernreaktionen auslösen. Ein Teleskop, das kosmische Gammastrahlung direkt untersuchen will, muss deshalb außerhalb der Atmosphäre im All stationiert werden.
Das deutsche Max-Planck-Institut hat maßgeblich den Sensor für Gammastrahlenblitze auf dem Weltraumteleskop entwickelt. Die meisten dieser Blitze sind nach heutigem Wissen gewissermaßen das „Abschiedsfeuerwerk“ ferner Riesensonnen, die am Ende ihrer Existenz in einer spektakulären Explosion zu einem Schwarzen Loch zusammenstürzen.
Auf den Spuren der Blazare
„Ein einzelner Gammastrahlenblitz kann in wenigen Sekunden dieselbe Energie freisetzen, die unsere Sonne in den gesamten zehn Milliarden Jahren Lebenszeit abstrahlt“, erläutert Neil Gehrels vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Greenbelt (Maryland). Die Röntgenausbrüche sind damit noch intensiver als Supernova- Explosionen und die extrem leuchtkräftigen, weit entfernten Quasare, die sonst als „hellste“ Objekte im All gelten, wie Diehl erläutert. Sie sind aus noch größerer Entfernung zu sehen und damit Zeugen einer noch früheren Vergangenheit des Universums.
„Die Blitze können uns eine Epoche des Universums erhellen, in der sich die ersten Sterne gebildet haben“, betont Diehl. Insgesamt erwarten die Astronomen von der auf mindestens fünf Jahre angelegten „Glast“-Mission die Entdeckung tausender neuer Gammastrahlen-Quellen, hauptsächlich sogenannter Blazare. Dabei handelt es sich nach der aktuellen Theorie um weit entfernte Galaxien, in deren Zentrum ein Schwarzes Loch sitzt, das sich Materie einverleibt und dabei intensive Gammastrahlung aussendet. Die Strahlung beleuchtet damit die energiereiche Vergangenheit des Universums, wie Charles Dermer vom Marineforschungslabor in Washington erläutert. Es gehe um eine „Archäologie von Schwarzen Löchern“.
