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Freitag, 17. Februar 2012
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Sternenhimmel im Juni Ein Edelstein auf der Nördlichen Krone

01.06.2005 ·  Juni, der Monat des Sommerbeginns. Das Kommen der wärmsten Jahreszeit zeigt sich in der Konstanz der Auf- und Untergangszeiten der Sonne. Am Nachthimmel zeigt die Nördliche Krone die Blicke an.

Von Harald Marx
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Im Juni zeigen die Zeiten der Auf- und Untergänge der Sonne und ihre Mittagshöhe fast keine Veränderungen. Vom Monatsanfang bis zum Tag der Sonnenwende am 21. Juni steigt der Horizontabstand des Tagesgestirns nur noch um knapp 11/2 Grad auf 631/2 Grad an, um bis zum letzten Junitag wieder um ein Viertelgrad abzunehmen. Diese geringen Unterschiede spiegeln sich auch in der Konstanz der Auf- und Untergangszeiten wider.1.6.: Sonnenaufgang: 5.21 Uhr, Sonnenuntergang: 21.26 Uhr; 21.6.: Sonnenaufgang: 5.14 Uhr, Sonnenuntergang: 21.39 Uhr; 30.6.: Sonnenaufgang: 5.18 Uhr, Sonnenuntergang: 21.39 Uhr.

Im Monat der kurzen Nächte braucht man nicht vor 22.30 Uhr mit der Sternbeobachtung zu beginnen. Erst dann sind die helleren Gestirne wie Jupiter, Arkturus, Wega und Saturn am Dämmerungshimmel aufgetaucht. Der Juni ist auch der Monat des Übergangs vom Frühlings- zum Sommersternhimmel. Die Frühlingssternbilder Löwe, Jungfrau und Bootes, deren Hauptsterne das Frühlingsdreieck Regulus, Spika und Arkturus bilden, sind jetzt auf die westliche Himmelshälfte gewandert, wobei der Bootes mit dem orangefarbenen Arkturus noch fast genau im Süden zu finden ist. Das dem Bootes folgende Bild der Nördlichen Krone kann schon den Frühsommerbildern zugeordnet werden. Wohl wegen ihrer auffälligen Halbkreisform ist die Nördliche Krone ein recht altes Sternbild, das schon im 5. vorchristlichen Jahrhundert von dem kretischen Seher Epimenides erwähnt wurde.

Zweimal leuchtete eine Nova auf

Aus den Sternen der Nördlichen Krone ragt ein Stern zweiter Größe heraus, Gemma, der Edelstein. Schon zweimal trug die Krone noch einen zweiten Edelstein. Am 12. Mai 1866 und am 9. Februar 1946 leuchtete in diesem Bild ein heller Stern, eine Nova, auf. Die wiederkehrende Nova erhielt die Bezeichnung T Coronae Borealis (Stern T in der Nördlichen Krone). Die Entdeckung weiterer rekurrierender Novae hat die Theorie widerlegt, nach der ein Nova-Ausbruch die Zerstörung eines Sterns ist. Bei Novae haben wir es dagegen mit engen Doppelsternsystemen zu tun, bei denen ein Austausch von Materie stattfindet. Im Fall von T Coronae Borealis sind es ein kühler roter Riesenstern und ein heißer weißer Zwergstern. Die dünne äußere Gashülle des Riesensterns fließt aufgrund der Anziehungskraft in Richtung des Weißen Zwergs. Das Material sammelt sich in einer Akkretionsscheibe um den Weißen Zwerg an, bis das Gas in einer gigantischen thermonuklearen Explosion ausgeschleudert wird. Die Auswurfgeschwindigkeit bei T Coronae Borealis betrug im Jahr 1946 mehr als 4000 Kilometer pro Sekunde. Dabei stieg die Helligkeit des Sterns innerhalb weniger Stunden auf das Zweihunderttausendfache der Leuchtkraft unserer Sonne an. Schon eine Woche später war der Stern mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen. Leider wissen wir nicht, wann die Nova T Coronae Borealis wieder einmal aufleuchtet.

Noch tief am Osthimmel ist das Sommerdreieck Wega, Deneb und Atair bereits ganz über den Horizont getreten, und auch die zugehörigen Sternbilder Leier, Schwan und Adler sind schon vollständig aufgegangen. Zwischen diesen Sommersternbildern und dem Bootes sind Herkules, Schlangenträger und Schlange im Südosten sichtbar geworden. Am Südosthorizont ist der westliche Teil des Skorpions mit dem rötlich leuchtenden Antares zu bemerken. Zwischen dem Skorpion und der Jungfrau steht das unscheinbare Tierkreisbild Waage nun im Süden.

Kleiner Wagen weist auf den Scheitelpunkt

Im Norden des Sternhimmels durchlaufen die zirkumpolaren Sterne des Perseus ihre tiefste Stellung. Diese strebt auch der Hauptstern des Fuhrmanns, Capella, an. Die Zwillingssterne Kastor und Pollux sind nur noch schwer im Nordwesten zu erspähen. Dagegen sind Kassiopeia und Kepheus im Wiederaufstieg. Der Große Wagen hat seine zenitnahe Lage geräumt, der Wagenkasten des Kleinen Wagens weist jetzt auf den Scheitelpunkt des Himmels. In der letzten Juniwoche stehen Merkur, Venus und Saturn dicht beieinander. Dabei kommt es zu mehreren Begegnungen der Gestirne. Am 25.6. ziehen die Venus und einen Tag später der Merkur in jeweils 11/2 Grad (3 Vollmonddurchmesser) Abstand nördlich an Saturn vorbei. Wieder einen Tag später passiert Merkur die Venus in der äußerst geringen Distanz von 1/10 Grad südlich.

Merkur kann unter guten Sichtbedingungen vom 20. Juni an mit freiem Auge aufgespürt werden. Die benachbarte Venus dehnt ihre Sichtbarkeitsdauer auf knapp eine Stunde aus. Am Abend des 8.6. hält sich die schmale Mondsichel in der Nähe des Abendsterns auf. Der Ringplanet Saturn beendet im letzten Monatsdrittel seine Sichtbarkeitsperiode. Am 9. Juni stattet der zunehmende Mond dem beringten Wandelstern einen Besuch ab. Jupiter bewegt sich langsam in östlicher Richtung durch das Tierkreisbild Jungfrau. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni finden wir den Mond in Jupiternähe. Der Mars marschiert im Grenzbereich zwischen Wassermann und Fischen ostwärts. In den Morgenstunden des 29. Juni passiert der abnehmende Halbmond den Mars in geringem Abstand. Die äußeren Planeten Uranus und Neptun zählen im Juni wieder zu Beobachtungsobjekten der zweiten Nachthälfte. Pluto, der sonnenfernste Planet, steht am 14. des Monats in Opposition zur Sonne und ist dann 4482000000 Kilometer von uns entfernt. Die Mondphasen: 6. Juni, 23.55 Uhr: Neumond; 15. Juni, 3.22 Uhr: Erstes Viertel; 22. Juni, 6.14 Uhr: Vollmond; 28. Juni, 20.23 Uhr: Letztes Viertel.

Quelle: F.A.Z., 31.05.2005, Nr. 123 / Seite 8
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