04.09.2006 · Einzigartige Bilder von der erdabgewandten Mondseite, der neue Ionenantrieb erfolgreich getestet: Die Esa bejubelt die Mission der Mondsonde Smart-1. Sie lieferte ein neues, genaueres Bild vom Erdtrabanten.
Die am Sonntag zum Absturz gebrachte europäische Mondsonde Smart-1 hat umfassende Informationen über die chemische Zusammensetzung von Mondgestein geliefert. Wie die Europäische Raumfahrtagentur am Montag in Darmstadt mitteilte, wurde neben Aluminium, Magnesium, Silizium und Eisen mit dem Röntgen-Spektrometer der Sonde erstmals auch Kalzium gemessen.
Im Mittelpunkt steht bei dieser Analyse die Frage, ob der Mond aus dem gleichen Material entstanden ist wie die Erde. Die von der Sonde erfaßten Daten könnten Hinweise darauf liefern, ob die Entstehung des Mondes tatsächlich auf einen Meteoriten-Einschlag auf der Erde zurückgehe oder ob er anders geformt wurde, erklärte Mission-Manager Gerhard Schwehm. Projektwissenschaftler Bernard Foing lehnte sich sehr weit aus dem Fenster: „Die mit Smart-1 angestellten Messungen stellen die Theorien des gewaltsamen Entstehens des Mondes und seiner Entwicklung in Frage.“ Ob sich diese Aussage so halten läßt, müssen allerdings die anstehenden Analysen noch zeigen.
Hoffnung auf vollständige Mondkarte
Eine 500 Gramm schwere Kamera an der Sonde lieferte rund 20.000 hochwertige Fotos der Mondoberfläche, von denen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Geologie des Erdtrabanten erhoffen. Dabei entstanden auch einzigartige Aufnahmen von der erdabgewandten Seite. Nun könne eine vollständige Mondkarte erstellt werden, erklärte Schwehm. „Wenn dann wieder mal was auf dem Mond abgesetzt werden soll, weiß man schon, wo die interessanten Gebiete sind.“
Manuel Grande von der Universität Wales schränkte allerdings ein, es sei nicht sicher, ob eine vollständige Kartierung wirklich gelinge. Das hänge von der Sonnenstrahlung im Moment der jeweiligen Aufnahmen und damit von der Qualität der Bilder ab.
Treibstoffsparender Ionen-Antrieb bewährt sich
Bei der 120 Millionen Euro teuren Mission erprobten die Forscher erstmals ein sogenanntes Ionentriebwerk. Statt mit herkömmlichen Raketentreibstoff nutzte das Triebwerk elektrisch aufgeladene Teilchen, um die Sonde mit einem geringen, aber stetigen Druck von nur fünf Gramm zu beschleunigen. Als Erfolg bezeichnete die Esa auch den Test eines autonomen Navigationssystems, mit dem unbemannte Raumschiffe zeitweise selbstständig den Weg durchs All finden können.
„Durch den Ionen-Antrieb haben wir nur ein Zehntel des sonst üblichen Treibstoffgewichts an Bord. Damit werden längere Flüge in kürzerer Zeit ermöglicht“, sagte Esa-Experte Giorgio Saccoccia. Die Europäer wollen diese Antriebstechnik auch für einen geplanten Flug zum Merkur sowie für weitere Weltraumexpeditionen einsetzen.
Neues Kommunikationssystem
Zudem wurde erstmals ein Kommunikationssystem auf Laser-Basis eingesetzt, mit dem höhere Datenmengen zwischen Sonde und Kontrollzentrum übertragen werden konnten. Wissenschaftler verglichen dies mit dem Umstieg von ISDN auf DSL für den heimischen PC.
Die Raumsonde Smart-1 war am Sonntag morgen nach drei Jahren im All gezielt zum Absturz gebracht worden. Das unbemannte Raumfahrzeug schlug mit einer Geschwindigkeit von 7200 Kilometern in der Stunde auf dem Mond ein. Der Aufprall in einer vulkanischen Ebene konnte von der Erde aus beobachtet werden und war als kleiner Blitz mit Teleskopen zu erkennen. Die Sonde hatte den Mond 16 Monate lang umkreist.