Home
http://www.faz.net/-gx0-7464i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwarzes Loch Ein hungriges Monster

Glücklicher Moment der Astronomie: Das Schwarze Loch unserer Milchstraße ist beim Naschen ertappt worden.

© dpa Vergrößern Schwarzes Loch schleudert Gas ins All.

Es könnte der ideale Versteckspieler sein. Vier Millionen Sonnenmassen bringt das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße auf die „Waage“. Und wie für ein ordentliches Schwarzes Loch üblich, ist alles für immer verloren, was es einmal aufsaugt. Nicht einmal das Licht kann ihm entkommen. Für optische Teleskope ist das Objekt daher völlig unsichtbar. Und doch verrät es sich, wenn es einmal einen Asteroiden, eine Gaswolke oder einen Stern verschluckt. Bevor sein Futter nämlich auf Nimmerwiedersehen verschwindet, heizt es sich auf 100 Millionen Grad auf - eine Temperatur siebenmal so hoch wie im Inneren der Sonne. Und was heiß ist, leuchtet, in diesem Fall im Bereich der energiereichen Röntgenstrahlung. Auf diese Weise haben amerikanische Astronomen das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie gewissermaßen beim „Naschen“ erwischt.

Mehr zum Thema

Aufflackernde Röntgenstrahlung

Im Juli richteten die Forscher ihr neues Weltraum-Röntgenteleskop „Nustar“ zwei Tage lang auf die Radioquelle „Sagittarius A*“ im Sternbild Schütze, hinter der sich das Schwarze Loch verbirgt. Die nacheinander von Nustar aufgenommenen Bilder zeigen ein Aufflackern der Röntgenstrahlung, das nur wenige Stunden andauerte.

Schwarzes Loch in der Galaxis: Natur und Wissenschaft, Weltraum © Jan Hattenbach, Nasa/JPL Vergrößern Das Schwarze Loch in unserer Milchstraße verrät sich durch Röntgenlblitze (der mittlere der drei Kästen). Das Hintergrundbild zeigt einen Ausschnitt unsere Milchstraße. Eingerahmt ist der Bereich, in dem sich das Schwarze Loch befindet.

Dass die Forscher das Loch ausgerechnet während dieser kurzen Messkampagne bei einer Mahlzeit erwischten, war reines Glück. Denn anders als andere Riesenlöcher in fernen (und damit jüngeren) Galaxien „frisst“ unser Loch nur noch selten und wenig. Offenbar hat es seine nähere Umgebung im Laufe der Jahrmilliarden abgeerntet.

Spion für Schwarze Löcher

Der Nustar-Satellit war erst im vergangenen Juni von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa gestartet worden. Sein Teleskop ist das erste, das in der Lage ist, scharfe Bilder im Bereich der energiereichen Röntgenstrahlung von zehn Kiloelektronvolt und mehr zu machen. Nustar soll in den kommenden Jahren weitere Schwarze Löcher beobachten und unsere Kenntnisse über diese exotischen Himmelsobjekte erweitern. Das gefräßige Loch in der Milchstraße kann uns übrigens nicht gefährlich werden: Obwohl es das nächstgelegene dieser Größenklasse ist, trennen uns immer noch rund 30000 Lichtjahre von seinem Einflussbereich. So weit reicht sein Hunger dann aber doch nicht.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schwarze Löcher Verborgene Monster der Schwerkraft

Im Zentrum der kleinsten bekannten Galaxie sitzt ein supermassereiches Schwarzen Loch. Kein Einzelfall, glauben Astronomen. Mehr Von Manfred Lindinger

28.09.2014, 19:00 Uhr | Wissen
Ausspähsichere Assoziativcomputer

Ein Computer, der immun ist gegen Viren, Schadsoftware oder Spähprogramme? Fast zu schön, um wahr zu sein. Forscher der Uni Hildesheim sind dabei, eine solche Wundermaschine zu entwickeln: ein Assoziativcomputer. Mehr

04.06.2014, 11:22 Uhr | Technik-Motor
Teilchenjagd im Weltall Ein Signal von der Dunklen Materie?

Der Detektor AMS auf der Internationalen Raumstation hat einen deutlichen Überschuss an Antimaterie gemessen. Stecken dahinter gar die ominösen Wimps-Teilchen? Mehr Von Jan Hattenbach

30.09.2014, 14:00 Uhr | Wissen
Forscher entdecken historisches Arktis-Expeditionsschiff

Der Brite Sir John Franklin hatte 1845 versucht die Nordwestpassage zwischen Nord-Pazifik und Atlantik zu durchqueren. Seine beiden Schiffe blieben im Eis stecken. Keiner der rund 130 Männer an Bord konnte gerettet werden. Ihr Schicksal wurde in Kanada zum Mythos. Mehr

10.09.2014, 15:40 Uhr | Gesellschaft
Das Beben des Urknalls Trübe Aussicht

Hat sich der Kosmos nach dem Urknall tatsächlich inflationär ausgedehnt, wie viele Theoretiker glauben? Die vielversprechenden Beobachtungen einer amerikanischen Astronomengruppe von diesem Frühjahr werden nun durch neue Messungen des Weltraumteleskops Planck in Zweifel gezogen. Mehr Von Manfred Lindinger

24.09.2014, 18:00 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.11.2012, 18:00 Uhr