Das System des Saturns gilt wegen der majestätisch wirkenden Ringe des Planeten als besonderes Kleinod in unserer kosmischen Umgebung. Die Erkundung durch die amerikanische Raumsonde Cassini hat diesem Ruf keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, die Sonde sendet immer wieder Fotos zur Erde, die eine geradezu überirdische Eleganz ausstrahlen. Mal glaubt man, ein Hochseil zu erkennen, auf dem einzelne Monde tanzen - dabei ist es nur das Ringsystem, von der Kante aus gesehen. Mal wiederum meint man, Notenlinien auszumachen, auf denen Monde gleichsam als Töne schweben. Oder die Monde rollen, einer fiktiven Schwerkraft gehorchend, eine lange schiefe Ebene hinunter.
Die Welt der mittlerweile 34 bekannten Saturnmonde - und weiterer Anwärter, deren Status als Mond noch nicht anerkannt ist - stellt eigentlich eine Vielfalt von Welten dar, von denen jede einzelne ganz außergewöhnlich ist. Auf dem mit 5151 Kilometer Durchmesser größten der Trabanten, dem Titan, hat die europäische Raumsonde Huygens eine Landschaft aus Hügeln, Flußläufen und einem "See" gefunden, wie man sie sich auch auf der Erde vorstellen könnte - wäre das irdische Wasser auf dem Titan nicht durch Methan ersetzt. Der Titan könnte heute noch aktiv und zum Beispiel Schauern von Methanregen unterworfen sein. Gewisse Aktivitäten sprechen einige Forscher auch dem hauptsächlich aus Eis bestehenden Mond Enceladus zu, der mit 498 Kilometer Durchmesser deutlich kleiner ist.
Schäfermonde halten Ringe auf Kurs
Das andere Extrem liefern die unregelmäßig geformten Möndchen - mit Durchmessern von nur fünf bis zehn Kilometern. Es dürften eingefangene Asteroiden sein, tote Gesteinsbrocken. Es ist kein Zufall - wenngleich keine böse Absicht -, daß gerade die besonders kleinen Trabanten nach nordischen Göttern oder nach Gestalten aus der Mythenwelt der Inuit in Nordkanada und Grönland benannt wurden und jetzt Ymir, Mundilfari, Kiviuq oder Suttungr heißen. Als sich die Astronomen entschlossen, nicht nur Kratern, sondern auch Trabanten Namen aus dem nichtabendländischen Kulturkreis zu geben, gab es keine großen, namenlosen Monde mehr.
Unter den ebenfalls noch verhältnismäßig kleinen Monden fällt vor allem eine Gruppe auf - die der sogenannten Schäfermonde. Prometheus und Pandora bilden ein solches Paar. Diese beiden Trabanten halten wie Schäferhunde, die bei Schafen ein Ausreißen aus der Herde verhindern, den schmalen F-Ring des Saturns zusammen. Sie bewegen sich nämlich immer knapp innerhalb oder außerhalb von diesem und überholen ihn dabei oder bleiben zurück. Dadurch können die kleinen Partikeln des F-Rings nicht mehr entweichen. Auf den Fotos von Cassini sind die Schäfermonde nie im "freien" Raum, sondern immer nur nahe der Ringe zu sehen - beim Tanz auf dem Hochseil rund um die Uhr.
