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Raumsonde Cassini Kalte Pracht: Der Saturnmond Enceladus

13.08.2008 ·  Im vergangenen März kam die Raumsonde Cassini bis auf 52 Kilometer an den Saturnmond Enceladus heran. Fotografiert wurde wegen eines Defekts aus etwas größerer Entfernung, doch dafür mit raffinierter Technik.

Von Günter Paul
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In Eis erstarrte Landschaften werden in Märchen oft als verwunschene Regionen geschildert. Auf den Monden von Jupiter und Saturn, fernab der Sonne, sind solche Landschaften die Regel. Einige dieser Welten halten allerdings Überraschungen parat. Der Jupitermond Io beispielsweise zeichnet sich durch heftige vulkanische Aktivitäten aus, und im Südpolargebiet des Saturnmondes Enceladus haben die Forscher Eisfontänen entdeckt, Geysire, die Eispartikeln ausspeien. Die Prozesse, die solche Geysire entstehen lassen, sind erst zum Teil bekannt. Am Montag ist die amerikanische Raumsonde Cassini in nur 54 Kilometer Distanz an Enceladus vorbeigeflogen, um weiter reichende Informationen zu gewinnen. Bei diesem Flug hat sie die bislang besten Bilder zur Erde übertragen, die es von dem Mond gibt.

Gezeitenwärme und Geysire

Seit 2005, als Cassini das erste Mal in geringem Abstand an Enceladus vorbeiflog, haben Inspektionen im Südpolargebiet des Mondes große, grabenartige Brüche erkennen lassen. Ihr Verlauf spiegelt die Verteilung der Geysire, und entlang der Brüche haben die Wissenschaftler „Wärmeinseln“ identifiziert. Es scheint, als habe der Saturn mit seinem mächtigen Gravitationsfeld im Enceladus Gezeiten ausgelöst und damit die für die Entstehung der Brüche und der Geysire notwendige Wärme erzeugt. Doch reicht diese Gezeitenwärme allein nicht aus, die Geysire zu erklären, und sie lässt auch die Frage unbeantwortet, warum die Brüche allein im Südpolargebiet des Mondes entstanden sind.

Mit rotierender Kamera

Zur Klärung der Verhältnisse wurde Cassini mittlerweile mehrfach in die Nähe des Mondes gelenkt, im vergangenen März auch schon bis auf 52 Kilometer an den 500 Kilometer großen Himmelskörper heran. Bei der Mission ist der Mond wegen eines technischen Defekts aber nur aus größerer Distanz fotografiert worden.

Für wirklich hoch auflösende Fotos war die Sonde im übrigen nicht eingerichtet. Sie sind diesmal mit einem speziellen Verfahren erzielt worden. Weil die Sonde mit einer Relativ-Geschwindigkeit von 17,7 Kilometern an dem Mond vorbeigeflogen ist und die Kamera nicht nachgeführt werden kann, wären die Nahaufnahmen normalerweise unscharf geworden. Deshalb hat man Cassini kurz vor der Begegnung in Rotation versetzt – und zwar derart, dass diese Rotation bei der geringsten Distanz vom Mond die Geschwindigkeit der Sonde ungefähr kompensieren würde. Und hat dann schnell hintereinander sieben Fotos geschossen.

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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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