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Raumfahrt Patriotisch ins All

25.07.2006 ·  Peking lüftet erstmals den Schleier der Geheimhaltung und öffnet seine „Raumfahrt-Stadt“ für ausländische Journalisten. Der erste Chinese im All weist Kritik am teuren Weltraum-Programm des Entwicklungslands zurück.

Von Petra Kolonko, Peking
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Yang Liwei, Chinas erster Astronaut und Volksheld, trägt zu seiner ersten Begegnung mit internationaler Presse keine Uniform. Der Oberstleutnant der Volksbefreiungsarmee erscheint im modischen grauen Anzug, mit blauem Schlips und weißem Hemd. Allenfalls der Bürstenhaarschnitt und die korrekt stramme Haltung erinnern daran, daß er und fast alle anderen Beteiligten an Chinas Raumfahrtprogramm zu den Streitkräften gehören.

Doch an dem Tag, an dem sich die Tore von Pekings „Raumfahrt-Stadt“ zum ersten Mal für ausländische Journalisten öffnen und der Schleier der Geheimhaltung, der über dem chinesischen Raumfahrtprogramm liegt, ganz kurz ein klein wenig gelüftet wird, ist dort kein einziger Mensch in Uniform zu sehen. Es ist nicht von Militärischem, dafür viel vom Frieden die Rede und von der internationalen Zusammenarbeit.

Erster Chinese im All

Im Oktober 2003 hat Yang Liwei als erster Chinese in einem chinesischen Raumschiff, der „Shenzhou 5“, 21 Stunden und 23 Minuten lang die Erde umkreist. Mit dieser Reise rückte die Volksrepublik China als dritte Nation in die Reihe derer auf, die ein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm haben. Im Jahr 2005 erfolgte ein zweiter bemannter Raumflug mit zwei Astronauten in der „Shenzhou 6“, und mittelfristig ist eine chinesische Weltraumstation geplant. Im nächsten Jahr soll eine unbemannte Mission vom Mond Gesteinsproben sammeln. Irgendwann nach 2017 sollen dann chinesische Astronauten den Mond betreten.

Für die chinesische Regierung ist die bemannte Raumfahrt eines der großen Vorzeigeprojekte, die vor allem auch der eigenen Bevölkerung Stolz auf das Vaterland und seine Errungenschaften vermitteln sollen. „Patriotisch sein und seine Pflicht enthusiastisch erfüllen“ ist eine der vielen Parolen, die auf roten Spruchbändern im Hauptkontrollgebäude der Pekinger „Raumfahrt-Stadt“ aushängen. Daneben schmücken Fotos der Staats- und Parteiführer mit den Astronauten die leeren Hallen.

„Bedeutung für Zusammenhalt der Nation“

„Die bemannte Raumfahrt ist von größter Bedeutung für die Stärkung von Chinas Prestige in der Welt und für die Stärkung von Chinas wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und verteidigungstechnischen Fähigkeiten und des Zusammenhalts der chinesischen Nation“, sagte Politbüromitglied Wu Banggou nach dem letzten erfolgreichen Raumflug.

Die Abschußrampe für Chinas Raketen ist mehrere hundert Kilometer von Peking entfernt, in Jiuquan. Doch die Kontrolle der Raumfahrtmissionen und die Ausbildung der Astronauten finden in der „Raumfahrt-Stadt“ in Peking statt.

Baufällige Gebäude in der „Raumfahrt-Stadt“

Die 1992 gebaute „Raumfahrt-Stadt“ ist ein weiträumiges Gelände mit Wohnheimen und Sport- und Spielplätzen im Nordwesten von Peking, nahe an den Westbergen, wo sich jetzt Einfamilienhäuser und Villensiedlungen für Chinas Superreiche ausbreiten. Das Gelände unterscheidet sich kaum von anderen „Wohneinheiten“ in Peking. Von den Häusern blättert der Putz schon wieder ab, und in die Eingangshalle des Hauptgebäudes, eines grauen Hochhauses ohne Namen und Schmuck, hat es beim Guß der vergangenen Nacht hineingeregnet.

Das graue Hochhaus beherbergt das Raumfahrtkontrollzentrum. Vor einer großen Bildschirmwand sind mehrere Reihen von Computerarbeitsplätzen zu sehen, weiter hinten die dicken Polstersessel für die Ehrengäste. Bei Yang Liweis erstem Flug war das halbe Politbüro hier. Neben der Bildschirmwand mit der Flugstrecke der „Shenzhou 6“ hängen noch die Parolen des letzten Raumfluges: „Die Mission Shenzhou 6 erfüllen“ steht da geschrieben.

Spärliche Auskünfte

Vor dem Simulator, in dem Astronauten für ihre Einsätze trainiert werden, sagte Yang Liwei, daß Chinas Raumfahrtprogramm sich plangemäß und korrekt entwickle, ohne freilich auszuführen, was denn genau der Plan ist. Auch die Leiter des Ausbildungsprogramms geben nur wenig Auskünfte. Angaben über die Ausbildung der Astronauten bleiben spärlich, für Fragen bleiben nur wenige Minuten.

Es gehe um die friedliche Nutzung der Ressourcen im All, sagt Chinas erster Astronaut. Besonders hebt er hervor, daß er auf seinem ersten Raumflug nicht nur die Flagge der Volksrepublik China, sondern auch die Flagge der Vereinten Nationen mitgenommen habe. Diese Flagge habe er nun den UN übergeben. Sie werde jetzt in Wien ständig ausgestellt. Damit solle der Wunsch der Menschheit nach Frieden zum Ausdruck gebracht werden.

„Laßt uns gemeinsam für die friedliche Nutzung des Weltraumes arbeiten“, sagt Yang Liwei. Die Kritik, daß China als Entwicklungsland sich ein teures Raumfahrtprogramm leiste, will er nicht gelten lassen. Im Gegenteil, es sei eine Leistung Chinas, sich hier zu engagieren. Auch China sei verpflichtet, einen Beitrag für die Menschheitsentwicklung zu leisten, und schließlich sei die Erforschung des Mondes eine gemeinsame Pflicht der Menschheit.

Quelle: F.A.Z., 26.07.2006, Nr. 171 / Seite 3
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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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