26.08.2003 · Das bislang größte Infrarotfernrohr namens SIRTF (Space Infrared Telescope Facility) soll Wärmemessungen von Himmelskörpern machen.
Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat am Montag das bislang größte Infrarotfernrohr ins All geschossen. Mit Hilfe von Wärmemessungen von Himmelskörpern soll die Raumsonde namens SIRTF (Space Infrared Telescope Facility) Einblicke in die entferntesten Regionen des Weltalls liefern. Es soll von seiner Umlaufbahn in 166 Kilometern Höhe aus Objekte aufspüren, die durch Staubwolken verborgen oder zu kalt sind, und deshalb nicht von anderen Teleskopen ausgemacht werden können.
Wissenschaftler hoffen vor allem auf Informationen über die Entstehung neuer Sonnensysteme. „Die Erwartung ist, unsere Kenntnis des Universums zu revolutionieren, indem wir uns ein ganz neues niedriges Längen-Spektrum ansehen", sagte Projektleiter Dave Gallagher.
Erste Bilder im Oktober
Das 49,5 Kilogramm schwere Teleskop wurde mit einer Boeing-Delta-II-Rakete ins All geschossen. Das Herzstück des Teleskops sind ein 85 Zentimeter breiter Spiegel und eine Kamera, die in den kommenden fünf Jahren etwa hunderttausend Aufnahmen machen soll. Die ersten Bilder werden für Ende Oktober erwartet.
Kombiniert mit dem Hubble-Teleskop, das die sichtbaren Lichtspektren beobachtet, und dem Chandra Röntgen-Observatorium erhalten die Astronomen mit SIRTF einen umfassenden Blick auf Materie und Energie bis fast an den Rand des bekannten Universums. Nach Angaben der Wissenschaftlerin Anne Kinney sieht Chandra Objekte, die Millionen Grad Celsius haben, Hubble jene, die Tausende Grad messen und SIRTF die mit Hunderten Grad. „Auf diese Weise bekommen wir die ganze Bandbreite der Informationen, die da draußen sind", sagte Kinney.
Mit SIRTF betrachtet wird das Universum kein genau bestimmbares Feld einzelner Lichter sein. Vielmehr wird es sich als wirbelnder Strudel von Energie-Quellen darstellen. Die Instrumente des Teleskops, das bei voller Funktionstüchtigkeit in etwa 60 Tagen einen neuen Namen erhalten soll, werden von flüssigem Helium gekühlt, damit es auch schwache Wärmequellen aufspüren kann. Der Helium-Tank reicht nach Angaben der Nasa für fünf Jahre.
Lange geplant
Der Start war ein lange ersehnter Erfolg der SIRTF-Wissenschaftler: Die Mission war ursprünglich schon in den 70er Jahren geplant worden, wurde jedoch immer wieder verschoben. Nun soll sie zunächst 30 Monate dauern, die Kosten belaufen sich nach Angaben von Projektmanager David Gallagher auf 1,19 Milliarden Dollar.