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Raumfahrt Bitte nicht landen!

07.08.2009 ·  Über die Raumfahrtprojekte der Nasa wird diskutiert: Soll es noch einmal bemannt zum Mond gehen, oder gleich zum Mars? Oder sollte man solche Missionen nur im Vorbeigehen erwägen, um sich auf noch anspruchsvollere Flüge vorzubereiten?

Von Günter Paul
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Seit der damalige amerikanische Präsident Bush im Jahr 2004 seine Vision zur bemannten Raumfahrt vorgestellt hat, ist in den Vereinigten Staaten von einer Rückkehr der Astronauten zum Mond bis zum Jahr 2020 und von späteren Flügen zum Mars die Rede. Die Raumfahrtbehörde Nasa hat die Vision unter ihrem Administrator Griffin in Form des „Constellation“-Programms rasch aufgegriffen und zum Teil in konkrete Vorhaben umgesetzt. Insbesondere dem „erdnahen“ Beitrag von Constellation – dem Ersatz der Raumfähren, die nach den jetzigen Plänen nur noch bis zum Jahr 2010 betrieben werden sollen – hat sich die Nasa zügig zugewandt.

Vielleicht nicht schon wie geplant im Jahr 2015, aber doch bald darauf sollen neu entwickelte Raketen des Typs Ares 1 Orion-Raumschiffe zur Internationalen Raumstation bringen, und diese Raumschiffe könnte man auch bei Mondmissionen nutzen. Sie würden in der Erdumlaufbahn mit weiteren Fluggeräten, die mit einer viel mächtigeren Rakete – der Ares 5 – in den Weltraum gelangten, vereint werden und zum Mond fliegen.

Obamas Administration lässt prüfen

Der jetzige Präsident Obama, der die amerikanische Führungsrolle im Weltraum beibehalten will, steht der Vision von Flügen zum Mond und zum Mars zwar nicht ablehnend gegenüber, aber er ist Realist genug, sich auch über die Finanzierung Gedanken zu machen. Nicht zuletzt deshalb hat er vor einigen Wochen ein unabhängiges Komitee zur Überprüfung der Pläne zur bemannten Raumfahrt ins Leben gerufen. In der vergangenen Woche hat dieses Komitee in mehreren öffentlichen Anhörungen Fachleute zu Wort kommen lassen. Sein Abschlussbericht mit den Entscheidungshilfen für den Präsidenten soll nach weiteren Anhörungen noch in diesem August vorgelegt werden.

Eines zeichnet sich jetzt schon ab: Landungen von Astronauten auf dem Mond oder gar auf dem Mars dürften in dem vorgesehenen Zeitrahmen kaum zu realisieren sein, wenn der Kongress nicht zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellt. Bush hatte für seine Zukunftsvision innerhalb des normalen Haushalts der Nasa, also ohne zusätzliches Geld, noch 108 Milliarden Dollar für den Zeitraum von 2006 bis 2020 vorgesehen. Obama dagegen meint, bis 2020 müssten 71 Milliarden Dollar für Washingtons bemannte Raumfahrt reichen.

Mond oder Mars?

Für Griffin, der sich offenbar fest auf die Visionen von Bush eingeschworen hat, scheint der Mond als nächstes Ziel der Astronauten naheliegend zu sein. Es brächte keinerlei Einsparungen, statt zum Mond gleich zum Mars zu fliegen und auf diesem Planeten zu landen, sagte er in der vergangenen Woche während einer Anhörung; denn man benötigte dafür weitgehend dieselben Techniken und Geräte, an deren Entwicklung käme man auf keinen Fall vorbei – darunter die große Ares-5-Trägerrakete, neue Raumanzüge, Landegeräte und Wohneinheiten.

Die Kosten für die Flüge selbst scheint Griffin allerdings herausgerechnet zu haben. Im Übrigen, so sagte er, sei das Constellation-Programm so flexibel entworfen worden, dass es weit über die Anwendungen in niedriger Erdumlaufbahn und für den Mondflug hinausginge und auch zu Flügen zu den Monden des Mars oder zu Asteroiden im inneren Sonnensystem genutzt werden könnte.

Oder ganz ohne Landungen

Der Leiter des Subkomitees, das sich speziell mit den Flügen über die niedrige Erdumlaufbahn hinaus befasst, hat bei einer Anhörung in Cocoa Beach diesem „Flexible Path“ – wenngleich im weiteren Sinne – besonders viel abgewinnen können: Wenn man auf die kostspieligen Landungen auf dem Mond und dem Mars verzichte, so meinte Edward Crawley, der am Massachusetts Institute of Technology lehrt, dann könne man Schritt für Schritt immer längere Flüge im inneren Sonnensystem ausführen und dabei auf flexible Weise lernen, wie schließlich die anspruchsvollsten Missionen zu bewältigen seien.

Man werde im Laufe der kommenden Jahrzehnte den Mond und den Mars im Vorbeiflug „besuchen“, verschiedene Asteroiden aus der Nähe studieren und danach – eventuell – wenigstens auf einem der beiden Marsmonde landen, was wegen der geringen Schwerkraft dieser kleinen Himmelskörper nicht so aufwendig sei.

In ähnlicher Weise nur noch als „Übungsplatz“ für die Vorbereitung späterer Missionen wird von andern Wissenschaftlern, die den Mondflug immerhin befürworten, auch der Mond gesehen („Moon to Mars“). Offenbar hat sich selbst Griffin innerlich von teuren Forschungsstationen oder gar Fabriken („Lunar Base“) auf dem Erdtrabanten gelöst. Diese werden zunehmend von Plänen für eine Station verdrängt, die den Astronauten helfen soll, für die Landung auf dem Mars notwendige Verfahren zu erlernen. Im Szenario „Lunar Global“ stehen statt der festen Basis nur noch motorisierte Erkundungstouren von Astronauten auf dem Erdtrabanten sowie Robotermissionen im Mittelpunkt. Daneben wird über ein weiteres Szenario mit der Bezeichnung „Mars Direct“ diskutiert. Dabei geht es darum, möglichst rasch und ohne den Mond als Zwischenstation zum Mars zu fliegen.

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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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