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Raumfahrt Beagle auf dem Weg zum Mars

19.12.2003 ·  Am Freitag hat sich das Landegerät Beagle-2 von der Trägersonde Mars Express gelöst. Die spannendsten Stunden der europäischen Mars-Mission stehen bevor.

Von Cornelia Pretzer, Darmstadt
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Am Freitag hat sich das Landegerät Beagle-2 von der Trägersonde Mars Express gelöst. Die spannendsten Stunden der europäischen Mars-Mission stehen bevor. Beagle muß seinen Weg zur Marsoberfläche unbeschadet überstehen und die Arbeit aufnehmen. Mars Express muß in einem diffizilen Manöver seinen Weg auf die Umlaufbahn des Mars einschlagen.

Von dem Manöver bis zum erlösenden Signal, daß Beagle sich von Mars Express gelöst hat, vergingen allerdings zwei Stunden, da Mars Express für den Abschuß die Antennen von der Erde wegdrehen mußte. Um kurz nach 12 Uhr war es dann soweit, Michael McKay, Flight Operations Manager beim Satellitenkontrollzentrum der Esa, Esoc, in Darmstadt, gab die erfolgreiche Trennung bekannt. Das „Beweisfoto“, das eine streichholzgroße Kamera nach der Separation machte, sagte er: „Am besten wäre es, wenn das Bild schwarz wäre.“ Denn wenn die Separation nicht geklappt hätte, hätte das Foto Beagle an Bord von Mars Express gezeigt. Aber es kam viel besser, die Kamera schoß ein Bild von Beagle auf dem Weg zum Mars. Das Deep Space Network sendete schon vorher das Signal, daß zwei Objekte gemessen wurden, wo es vorher nur eins gab - Beagle und Mars Express fliegen seit Freitag getrennter Wege.

„Wie Teflon in einer Bratpfanne“

Beagle löste sich vom Mars Express mittels eines Mechanismus, den McKay mit dem Bild eines Eis in der Bratpfanne beschreibt. In einem mit Teflon ausgekleideten Kanal schob eine Feder, die von einem pyrotechnischen Antrieb losgelassen wird, den 68 Kilogramm schweren Beagle aus der Hülle des Mars Express. Dieser Prozeß wurde wie alle anderen der Mission etliche Male getestet - mit Eis, das sich an der Sonde gebildet haben könnte oder in Eiseskälte wie im Alls, und immer hatte es geklappt.

FAZ.NET-Spezial: Die Mars-Mission der Esa

Das Landegerät Beagle entfaltet nach der Ankunft am Mars seine Fallschirme, landet weich auf Luftkissen und klappt nach einer kalten Marsnacht seine Sonnensegel aus, um am 25. Dezember sich bei der Erdstation zu melden und die Arbeit aufzunehmen. So stellt sich zumindest Colin Pillinger, Entwickler von Beagle an der Open University in England, den optimalen Verlauf der Landung vor. Das Gerät, das in zusammengefaltetem Zustand wie eine Taschenuhr aussieht, ist dabei gegen alle von Menschen denkbaren Eventualitäten gewappnet. Falls es auf dem Rücken oder in einer Felsspalte landet, kann der Klappmechanismus das Gerät umdrehen und loslösen und in die richtige Position bringen - auch dieser Vorgang wurde etliche Male getestet.

„Mole“ bohrt sich in den Mars

Nach der erfolgreichen Landung am Heiligabend beginnt mit dem esrten Weihnachtsfeiertag die Arbeit des Landers. Unter anderem entfaltet sich der Greifarm Paw mit dem Bohrgerät Mole daran. Wie Martin Pätzold von der Universität Köln erklärt, wird dieses sich in die Marsoberfläche bohren, um im Untergrund nach Wasser oder gar Spuren von Leben zu suchen. Dazu schießt Paw einen Bohrer weg, der aussieht wie ein zu dick geratener Stift. Dieser hämmert sich in winzigen Bewegungen millimeterweise in den Boden, nimmt eine Probe, die das Gas-Analyse-Paket an Bord von Beagle analysiert.

Insgesamt rechnet Pillinger mit einer Lebenszeit des Beagle von sechs Monaten. Denn dann könnte der Staub auf dem Mars die Sonnensegel derart zugesetzt haben, daß Beagle nicht mehr genug Strom produzieren kann.

Mars-Express-Manöver mehr als drei Monate geübt

Über dem Mars beginnt auch für den Mars Express die Arbeit nah am Roten Planeten. Zunächst muß er jedoch ins richtige Orbit. „Die Steuerung von Mars Express wird in der großen Entfernung von der Erde immer schwieriger, denn jetzt braucht ein Signal für einen Weg sieben Minuten“, sagt McKay. „Wir haben drei Monate für den Moment des Abdockens geübt, es gibt glaube ich keine Panne, die wir nicht in der Simulation gemeistert hätten, deshalb bin ich guter Dinge“, sagte McKay bei einer Pressekonferenz Anfang Dezember. Seine Worte bewahrheiteten sich mit dem erfolgreichen Abwurf.

Vor der Trennung vom Beagle-Lander hat Mars Express etwa 400 Millionen Kilometer zurückgelegt. Die Entfernung zwischen Mars und Erde beträgt zwar nur 125 Millionen, doch die Sonde konnte die Strecke nicht direkt zurücklegen, sondern mußte Umwege und Umkreisungen in Kauf nehmen.

Kameras analysieren Mars

Wenn Mars Express wohlbehalten in der Umlaufbahn angekommen ist, nehmen die Geräte an Bord die Arbeit auf. Wie diverse Kameras, die unter verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln den Mars unter die Lupe nehmen. Mit dem Infrarot-Spektrometer Omega wird die Mineralogie des Mars untersucht, die Kamera HRSC liefert Stereo-Bilder des Mars, das Projekt Marsis nimmt Radarbilder des Mars unter der Oberfläche auf und drei weitere Geräte beschäftigen sich mit der Atmosphäre des Planeten. MaRS vermißt den Mars mittels Radio-Spektronomie.

Bis 2005 plant die Esa die Mars-Express-Mission, wenn aber alles gut läuft, könnte die Sonde auch bis 2008 aktiv bleiben. Am 25. Dezember wird bekannt sein, ob zumindest die ersten großen Herausforderungen gemeistert sind.

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