Jahr für Jahr registrieren Astronomen Dutzende von Supernovaexplosionen in fernen Galaxien. Bei jeder dieser Explosionen verglüht ein Stern. Die meisten ereignen sich in so großen Entfernungen, dass sie selbst mit den mächtigsten Teleskopen nur einige Wochen oder Monate sichtbar sind und dann für immer verblassen. Nur wenige lassen sich auch noch Jahrzehnte später untersuchen, wie die berühmte Supernova 1987A. Sie explodierte in 160 000 Lichtjahren Entfernung, in der Großen Magellanschen Wolke, einer Nachbargalaxie. In unserer Milchstraße hat es hingegen seit Jahrhunderten keine zu beobachtende Sternexplosion mehr gegeben.
Anders in der Spiralgalaxie M 83 im Sternbild Wasserschlange, die mit rund fünfzehn Millionen Lichtjahren Entfernung ein vergleichsweise nahes Sternsystem ist. Dort wurden im vergangenen Jahrhundert nicht weniger als sechs Supernovaexplosionen gesichtet. Nun haben Forscher vom Space Telescope Science Institute in Baltimore mit dem Weltraumteleskop Chandra Röntgenstrahlung einer Supernova nachgewiesen, die dort offenbar im Jahr 1957 aufgeleuchtet war.
Kampakter Überrest eines Riesensterns
Die gemessene Strahlung ist ungewöhnlich energiereich. Sie stammt deshalb wahrscheinlich von einem Pulsar im Zentrum der auseinanderstrebenden Explosionswolke. Dieser wäre mit seinen 55 Jahren der jüngste bekannte Pulsar überhaupt, wie die Wissenschaftler um Knox Long in einer der kommenden Ausgaben der Zeitschrift „The Astrophysical Journal“ (arXiv: 1207.1555) berichten. Es handelt sich dabei um einen Neutronenstern, also den auf wenige Kilometer komprimierten Kern eines ehemals recht massereichen Sterns, dessen Lebensende die Supernovaexplosion ausgelöst hat.
© Nasa/CXC/STScI/K.Long et al
Foto Nasa/CXC/STScI/K.Long et al., Vor mehr als 50 Jahren heller als die gesamte Galaxie, heute nur noch ein schwacher Punkt: Der Überrest einer im Jahr 1957 gesichteten Supernova beherbergt den jüngsten Pulsar, den Astronomen bislang am Himmel gefunden haben.Die extrem lang belichtete Aufnahme des Weltraumteleskops Chandra zeigt die Spiralgalaxie M 83 im Röntgenlicht. Das mit dem Hubbleteleskop aufgenommene optische Bild zeigt die verblasste Explosionswolke in einer Umgebung von massereichen, blau leuchtenden Riesensternen (Kasten).
Pulsare drehen sich außerordentlich schnell um ihre Achse und schleudern dabei geladene Teilchen ins Weltall. Dieser Pulsarwind versorgt den umgebenen Gasnebel - die auseinanderstrebenden Hüllen des explodierten Sterns - mit Energie. Dabei entsteht elektromagnetische Strahlung unterschiedlicher Wellenlänge: Bereits im Jahr 1981 hatte man die Supernova im Bereich der Radiostrahlung „wiedergefunden“ - 24 Jahre nach der Explosion. Vier Jahre später konnte ihr Überrest schließlich auch mit optischen Teleskopen erkannt werden. Sowohl das optische Licht als auch die Radiostrahlung stammen vermutlich aus dem den Pulsar umgebenden Nebel.
Klare Indizien für den Pulsar
Durch den Fund wissen die Astronomen nun, dass bei der beobachteten Supernova im Jahr 1957 ein Stern sein Leben aushauchte, der vermutlich siebzehnmal so massereich war wie unsere Sonne. Eine andere Erklärung für die Explosion wäre das gewaltsame Ende eines vergleichsweise kleinen Weißen Zwergsterns gewesen, der zuvor Materie von einem Begleiter aufgesammelt hat. Bei der Explosion eines Zwergsterns entsteht jedoch kein Pulsar. In dieses Bild passt auch die Beobachtung des Hubbleteleskops, dass sich in der Umgebung des Supernovarests eine Ansammlung massereicher Sterne befindet. Höchstwahrscheinlich gehörte auch der Vorläufer der Supernova zu dieser Gruppe.
Achteinhalb Tage Belichtung
Bereits vor zehn Jahren hatte man versucht, die Röntgenstrahlung des Supernovaüberrests zu registrieren - allerdings ohne Erfolg. Zwischen 2010 und 2011 haben die Astronomen um Long nun das Chandra-Teleskop abermals auf die Spiralgalaxie M 83 gerichtet. Insgesamt sammelten sie achteinhalb Tage lang die von der Galaxie ausgehende Röntgenstrahlung - wesentlich länger als beim ersten Versuch. Das dabei entstandene Bild ist das detaillierteste, das jemals in diesem Spektralbereich von M 83 aufgenommen wurde.
Ob der Pulsar seinen Rekord wird behalten können, ist fraglich. Möglicherweise beherbergt ein Supernovaüberrest in der Galaxie M 100 ein noch jüngeres Exemplar. Hier sind sich die Wissenschaftler aber noch nicht einig, ob bei der im Jahr 1979 beobachteten Sternexplosion wirklich ein Pulsar entstanden ist oder eine noch kompaktere Sternenleiche: ein Schwarzes Loch.
nicht ganz richtig
Karl Hammer (cromagnon)
- 12.08.2012, 20:52 Uhr
