27.09.2005 · Ist Pluto ein Planet oder nicht? Diese Frage bewegt die Astronomen seit 1992. Durch die Entdeckung eines „zehnten Planeten“ im Juli ist das letzte Argument gegen eine Abwertung von Pluto hinfällig geworden.
In die Diskussion um die Bezeichnung „Planet“ ist offenbar Bewegung gekommen. Nachdem die Astronomen seit 1992 rund eintausend Objekte jenseits der Neptunbahn aufspürten, die größtenteils auf ähnlichen Bahnen um die Sonne ziehen wie der 1930 entdeckte Planet Pluto, war wiederholt angeregt worden, man solle Pluto seinen Planetenstatus aberkennen und nur noch als das (bislang) größte Trans-Neptun-Objekt ansehen. Dem hatte sich die Internationale Astronomische Union (IAU) als zuständige Organisation bislang versperrt.
Ende Juli meldeten dann aber amerikanische Astronomen die Entdeckung eines „zehnten Planeten“ (mit der vorläufigen Bezeichnung 2003 UB313) jenseits der Plutobahn, der offenbar größer als Pluto ist.
Vorschlag: Neue „Sprachregelung“
Damit war die Sonderstellung von Pluto innerhalb der Trans-Neptun-Objekte und damit auch das letzte Argument gegen eine Abwertung von Pluto hinfällig geworden. Wie das britische Wissenschaftsmagazin „Nature“ meldet, hat Brian Marsden, Leiter des Büros für Astronomische Schnellinformationen, jetzt in einem Schreiben an die Mitglieder einer IAU-Arbeitsgruppe zur Definition des Begriffs Planet eine neue „Sprachregelung“ vorgeschlagen.
Danach solle man nicht mehr allgemein von Planeten sprechen, sondern zwischen verschiedenen Untergruppen differenzieren: Die vier inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars würden dann zu den „terrestrischen Planeten“ zusammengefaßt, die vier äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun zu den „Gasriesen“ und die Objekte jenseits der Neptunbahn zu den „transneptunischen Planeten“.
Wirkliche Neudefinition
Dieser Vorschlag trifft aber offenbar nicht nur auf Zustimmung. Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder/Colorado hält zum Beispiel dagegen, man solle Planeten nicht nach ihrer räumlichen Stellung benennen, sondern entsprechend ihrer Zusammensetzung, und schlägt für die transneptunischen Planeten den Begriff „Eiszwerge“ vor.
Eine praktikable Lösung wäre die Neuregelung allerdings kaum, da auf diese Weise die Zahl der Planeten rasch ins Unermeßliche steigen würde. Viel klarer wäre eine wirkliche Neudefinition des Planetenbegriffs, der bislang alle (annähernd) kugelförmigen Objekte umfaßt, die auf direkten Bahnen - das heißt, nicht als Trabant eines anderen Planeten - um einen Zentralstern kreisen und zu klein sind, um als Brauner Zwerg oder richtiger Stern eigene Energie abzustrahlen.
Bausteine für Planeten
Eine solche Neudefinition ließe sich zum Beispiel durch die zusätzliche Einschränkung erreichen, daß ein Planet seine Bahn oder spezielle Bahnform nicht mit anderen, auch nur annähernd ähnlich großen Objekten teilen darf.
Eine solche Definition würde dann auch berücksichtigen, daß die kleineren Objekte wie etwa die Asteroiden zwischen Mars- und Jupiterbahn und die Trans-Neptun-Objekte eben nur „Bausteine“ aus der Entstehungsphase des Planetensystems sind, die bei der Bildung der wirklichen Planeten übriggeblieben sind.