22.11.2005 · Bis heute lassen sich keine Exoplaneten von der Größe der Erde ausmachen. Statt dessen trifft man gelegentlich exotische Zustände an, die von den Wissenschaftlern kaum erklärt werden können.
Von Günter PaulSeit der Entdeckung des ersten extrasolaren Planeten ist die Zahl der den Astronomen bekannten Begleiter auf 155 gestiegen. Unserm Sonnensystem sind die beobachteten Planetensysteme aber allesamt nur entfernt verwandt. Denn bis heute lassen sich keine Exoplaneten von der Größe der Erde ausmachen. Statt dessen trifft man gelegentlich exotische Zustände an, die von den Wissenschaftlern kaum erklärt werden können. Jetzt ist es niederländischen Forschern gelungen, die Entstehung des Dreifachsternsystems HD 188753 zu simulieren, in dem einer der drei Sterne einen planetaren Begleiter hat.
Nach den herkömmlichen Vorstellungen sollte es in Dreifachsternsystemen keine Planeten geben, weil deren Bahnen nur unter ganz besonderen Umständen stabil sein können. Deshalb waren die Astronomen überrascht, als ein amerikanischer Forscher im vergangenen Sommer mit einem der beiden 10-Meter-Keck-Teleskope in dem 149 Lichtjahre von der Erde entfernten System HD 188753 im Sternbild Schwan einen Exoplaneten nachwies. Das jupitergroße Objekt umkreist einen der Sterne in etwa drei Tagen.
Beinahekollision
Die beiden anderen Sterne des Systems befinden sich in einer so geringen Entfernung von diesem ungleichen Paar, daß man die Existenz eines möglichen Planeten vollkommen ausgeschlossen hatte. Rechnungen zeigten, daß die Staubscheibe, in der sich der Planet gebildet hatte, wegen der Störkräfte höchstens einen Radius von rund 200 Millionen Kilometern gehabt haben kann. Nach den jüngeren Modellen der Astronomen entstehen die Gasriesen von der Größe Jupiters aber nur in viel größerer Distanz vom Hauptstern. Sie gelangen erst später durch die Bremswirkung des Staubs in dessen Nähe.
Nach den Berechnungen von Portegies Zwart von der Universität Amsterdam und Stephen McMillan von der Universität Drexel läßt sich die Existenz des ungewöhnlichen Systems mit einer Beinahekollision erklären. Wenn Galaxien nahe aneinander vorbeiziehen, kann ein Materieaustausch stattfinden, wie man seit geraumer Zeit weiß. Ähnliches passiert auch den niederländischen Rechnungen zufolge, wenn sich zwei Sternsysteme begegnen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber nur nennenswert, wenn sich die Systeme in einem Sternhaufen mit genug Himmelskörpern befinden.
Dreifachsternsystemen
Zunächst hatten sich in dem Sternhaufen, zu dem HD 188753 gehört, vermutlich unter anderem ein Stern mit einem planetaren Begleiter und ein Dreifachsternsystem gebildet, in dem zwei Sterne dicht beieinanderstehen, während sich der dritte in etwas größerer Distanz bewegt. Als sich die beiden Systeme begegneten, dürfte der Stern mit Planet von dem Dreifachsternsystem eingefangen worden sein. Im Austausch ist dessen äußerer Stern fortgeschleudert worden. Aufgrund ihrer Rechnungen schätzen die niederländischen Wissenschaftler, daß es in einem Umkreis von 1500 Lichtjahren von der Sonne etwa 1200 vergleichbare Planetensysteme geben müßte. Allerdings sind Planeten in Dreifachsternsystemen schwer nachzuweisen, so daß bislang wenig Forscher nach solchen Objekten gesucht haben.