Home
http://www.faz.net/-gwz-78hza
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Planetenforschung Zwei neue Erden?

Zwei extrasolare Planeten in 1200 Lichtjahren Entfernung versprechen lebensfreundliche Bedingungen. Vielleicht gibt es dort sogar Wasser.

© Nasa Kepler 62e und Kepler 62f umkreisen einen Zwergstern.

 Auf der Suche nach erdähnlichen Planeten mit lebensfreundlichen Bedingungen hat eine internationale Astronomengruppe zwei weitere mögliche Kandidaten im Sternbild Leier aufgespürt. Die Exoplaneten mit den Katalognummern „Kepler-62e“ und „Kepler-62f“ sind jeweils etwa eineinhalbmal so groß wie die Erde und umkreisen auf einer Umlaufbahn von rund 122 beziehungsweise 267 Tagen ihren Heimatstern, einen 1200 Lichtjahre entfernten Zwergstern der Klasse K.

Mehr zum Thema

Aufgespürt hat man die beiden Planeten mit dem Weltraumteleskop Kepler der Nasa, das seit vier Jahren einen Himmelsausschnitt mit 170 000 Sternen observiert. Zieht vor einem von ihnen ein Planet vorüber, verdunkelt sich die Helligkeit des Sterns minimal. Die Größe des Trabanten lässt sich am Verlauf der gemessen Lichtkurve ablesen.

Weltraumteleskop Kepler: Natur und Wissenschaft, Weltraum © Nasa Vergrößern Weltraumteleskop Kepler als Illustration

Um „Kepler-62e“ und „Kepler-62f“ zweifelsfrei nachzuweisen, verglichen die Wissenschaftler ihre Beobachtungsdaten mit Computersimulationen. So konnten sie andere Ursachen für die Sternfinsternisse ausschließen, wie sie in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Science“ berichten. Da die beiden Trabanten zu klein sind, konnten die Forscher die Masse der Planeten nicht direkt messen. Man schätzt, dass sie mehr als dreißigmal so massereich sind wie die Erde und aus Gestein bestehen. Lisa Kaltenegger vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, die das System Kepler-62 auf dem Computer analysiert hat, hält es für möglich, dass auf den beiden Exoplaneten recht moderate Temperaturen herrschen, wodurch auch Wasser denkbar wäre. „Das sind die ersten beiden Exoplaneten in einer habitablen Zone, die wegen ihres kleinen Radius höchstwahrscheinlich Felsbrocken sind“, ist Kaltenegger überzeugt.

Planetensystem Kepler-62 und unser Sonnensystem im Vergleich. © Nasa Vergrößern Planetensystem Kepler-62 und unser eigenes Sonnensystem im Vergleich.

Als zweite Erden wollen die Astronomen ihre Entdeckung allerdings noch nicht bezeichnen. Ob Kepler-62e und Kepler-62f wirklich aus Stein bestehen und ob sie eine Atmosphäre sowie Wasser aufweisen, müssen weitere Messungen zeigen.

Weitere Planeten auf engeren Bahnen

Neben den zwei potentiell erdähnlichen Planeten fanden die Forscher noch drei weitere Planeten (Bezeichnungen: Kepler-62b - Kepler-62d) in dem System, die ihren Mutterstern jedoch deutlich enger umkreisen, so dass auf deren Oberflächen wesentlich höhere Temperaturen herrschen als auf Kepler-62e und Kepler-62f.

Die Liste erdähnlicher Exoplaneten

Seit 1995 der erste extrasolare Planet entdeckt wurde, hat man mehr als 850 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgespürt. Vier davon (Katalognummern: GJ 667Cc, GI 581d, HD 85512b und GI163c) mit weniger als zehn Erdmassen befinden sich in der habitablen Zone ihres Sterns.

Mit „Kepler-62e“ und „Kepler-62f“ kommen die bislang kleinsten Exoplaneten hinzu, die sich offenkundig auch in einer solchen Zone befinden. Sie lösen Kepler-22b (erdähnlicher Planet um den Stern Kepler-22) ab, der den 2,4 fachen Erdradius besitzt. Weist ein Exoplanet einen Radius von weniger als dem Doppelten des Erdradius   auf, so ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass es sich um einen erdähnlichen Trabanten aus Gestein handelt.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nasa entdeckt neuen Planeten Der größere und ältere Cousin der Erde

Auf ihrer Suche nach einer Erde 2.0 hat die amerikanische Raumfahrtbehörde tatsächlich einen neuen Himmelskörper entdeckt. Wasser könnte auf dem Planeten flüssig sein - eine Grundvoraussetzung für Leben. Mehr

23.07.2015, 22:56 Uhr | Wissen
Weltall Nasa entdeckt erdähnlichen Planeten

Die Nasa hat einen neuen Planeten entdeckt, der der Erde sehr ähnlich ist. Der Planet heißt Kepler-452b, ist etwa 60 Prozent größer als die Erde und besteht wahrscheinlich aus Gestein. Wie die Erde kreist er um einen Stern. Der heizt die Temperatur soweit auf, dass sich flüssiges Wasser auf der Oberfläche sammeln könnte. Mehr

24.07.2015, 10:35 Uhr | Wissen
Kepler 452b Ist eine nahe Heimat in Sicht?

Die amerikanische Weltraumbehörde ist von der Entdeckung des Exoplaneten Kepler 452b elektrisiert. Nasa-Manager Grunsfeld wähnt die Entdeckung einer Erde 2.0 in greifbarer Nähe. Dennoch sollten wir uns damit abfinden, dass die Menschheit die Erde nie verlassen kann. Mehr Von Manfred Lindinger

24.07.2015, 13:25 Uhr | Wissen
WissensARTen: Lebensformen Fremde Welten

Was ist Leben, was ist der Grund dafür und sind wir alleine im All?” Die Astrobiologin Barbara Stracke nähert sich diesen Fragen, indem sie extrasolare Planeten erforscht. Dabei versucht sie herauszufinden, welche Bedingungen notwendig sind, damit auf diesen Planeten Leben möglich sein kann. Mehr

26.05.2015, 19:50 Uhr | Wissen
Kosmische Polarlichter Das seltsame Leuchten eines Braunen Zwerges

Auf der Erde bieten Polarlichter ein schönes Himmelsschauspiel in grün, rot oder auch lila. Nun hat man das Leuchten auch außerhalb unseres Sonnensystems beobachtet. Mehr

30.07.2015, 13:02 Uhr | Wissen

Veröffentlicht: 19.04.2013, 09:00 Uhr