Home
http://www.faz.net/-gwz-73oem
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Planetenforschung Eine Erde in direkter Nachbarschaft?

Der Stern Alpha Centauri B hat offenkundig einen erdgroßen Begleiter. Das zeigen die Emissionsspektren des 4,3 Lichtjahre entfernten Sterns.

© EsoL. Calcada Vergrößern Illustratíon: Alpha Centaur B mit Begleiter

Um den nur 4,3 Lichtjahre entfernten Stern Alpha Centauri B kreist offenbar ein Planet, der etwa die Größe der Erde besitzt. Der extrasolare Trabant, den Forscher der Europäischen Südsternwarte Eso mit dem 3,6-Meter-Teleskop des La-Silla-Observatoriums in Chile aufgespürt haben, befindet sich damit gewissermaßen in kosmischer Nachbarschaft. Sollte der Überraschungsfund von anderen Astronomen bestätigt werden, handelte es sich um den bislang kleinsten und den nächsten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Allerdings ist dort kein flüssiges Wasser und auch keine uns bekannte Form von Leben zu erwarten, da auf der Oberfläche schätzungsweise eine Temperatur von 1500 Grad herrscht.

Manfred Lindinger Folgen:

Unsere hellen Nachbarn 

Alpha Centauri, das aus zwei  sonnenähnlichen Sternen – Alpha Centauri A und B - sowie den lichtschwachen roten Begleiter Proxima Centauri besteht, ist eines der hellsten Objekte am Südhimmel und das unserer Sonne nächstgelegene Sternsystem. Seit dem neunzehnten Jahrhundert spekulieren Astronomen, ob um diese Sterne Planeten kreisen. Diese Trabanten könnten dann – so war die Hoffnung – außerhalb unseres Sonnensystems die nächstgelegenen Orte im Universum sein, auf denen möglicherweise Leben existiert. Obwohl das Sternsystem viele Jahre systematisch abgesucht wurde, hatte man bislang jedoch keine Hinweise auf Exoplaneten gefunden.

Planetensignal im Sternenspektrum

Die Astronomen um Xavier Dumusque vom Observatoire de l`Université  Genève haben mit dem das Emissionsspektrum von Alpha Centauri B vier Jahre lang analysiert. Ihnen war aufgefallen, dass sich die Linien des Sterns periodisch verschieben – hinzu roten Wellenlängen, wenn der Stern sich vom Beobachter weg, in Richtung  blauer Wellenlängen, wenn er sich zu diesem hin bewegt. Für die Astronomen war das ein starker Hinweis, dass Alpha Centrauri B einen umlaufenden Begleiter hat. Um sicher zu sein, dass die beobachtete Verschiebung der Signale nicht von einer schwankenden Sternaktivität herrührt, führten die Forscher entsprechende Simulationen aus und verglichen die berechneten Daten mit den gemessenen. „Am Ende hatten wir ein schwaches, aber dennoch eindeutiges Signal eines Planeten gefunden, der Alpha Centauri B alle 3,2 Tage umkreist“, erklärt Dumusque.

Exoplanet, Alpha Centauri: Natur und Wissenschaft, Weltraum © ESO Vergrößern Die Grafik zeigt das Prinzip der bei der Planetensuche genutzten Verfahren: Die Schwerkraft des Planeten verändert je nach dessen Position die Bewegung des Sterns und damit auch die Wellenlängen des von ihm auf die Erde gelangenden Lichts - eine Bewegung auf uns zu verschiebt das Licht in den blauen Bereich, eine Bewegung von uns weg in den roten Spektralbereich.

Erdengroß und heiß

Der gemessene Effekt ist extrem klein. Der Exoplanet bewirkt, dass der Stern sich lediglich mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometer pro Stunde von uns hin und weg bewegt, berichten die Astronomen der Eso in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ (doi: 10.1038/nature11572). Daraus schließt man, dass der Begleiter etwa Erdgröße und etwas mehr Masse als unserer Heimatplanet aufweist. Sein Abstand zu Centauri B beträgt etwa sechs Millionen Kilometer, womit er seinen Stern deutlich enger umkreist als Merkur die Sonne. Damit liegt er außerhalb der bewohnbaren Zone, in der vorhandenes Wasser flüssig wäre. Die Forscher sind zuversichtlich, dass dem Fund die Entdeckung weiterer Exoplaneten in unserer direkten Nachbarschaft folgen werden.

Kritische Stimme

Weniger euphorisch auf die Entdeckung der Eso-Forscher zeigt sich Artie Hatzes von der thüringischen Landessternwarte in Tautenburg in einem ebenfalls in „Nature“ erschienen Kommentar. Seiner Meinung müssten noch weitere Analysen sowie eine unabhängige Bestätigung von anderen Astronomen folgen. Erst dann könne man sicher sein, dass das beobachtete Signal tatsächlich von einem Exoplaneten stammt. Seit der ersten Entdeckung eines extrasolaren Planeten im Jahr 1995 haben Astronomen rund achthundert Sternenbegleiter aufgespürt. Dabei handelt es sich allerdings überwiegend um Gasriesen, die mit Jupiter zu vergleichen sind. Noch hat man allerdings keinen erdähnlichen Planeten in einer  habitablen Zone um einen sonnenähnlichen Stern gefunden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Exoplanetenforschung Im Licht des Heimatsterns

Der Exoplanet 51 Pegasi b wird spektroskopiert - erstmals sogar im sichtbaren Licht. Damit kommen unbekannte Eigenschaften der fernen Welt zum Vorschein. Mehr Von Jan Hattenbach

26.05.2015, 08:00 Uhr | Wissen
WissensARTen: Lebensformen Fremde Welten

Was ist Leben, was ist der Grund dafür und sind wir alleine im All?” Die Astrobiologin Barbara Stracke nähert sich diesen Fragen, indem sie extrasolare Planeten erforscht. Dabei versucht sie herauszufinden, welche Bedingungen notwendig sind, damit auf diesen Planeten Leben möglich sein kann. Mehr

26.05.2015, 19:50 Uhr | Wissen
Heilung für Nervenschäden Hautmittel bessern multiple Sklerose

Zwei Medikamente, die man eigentlich bei Hautleiden einsetzt, könnten die Nervenschäden von Patienten mit multipler Sklerose bessern - das zeigen zumindest Versuche mit Mäusen. Mehr Von Nicola von Lutterotti

24.05.2015, 14:00 Uhr | Wissen
2004 BL86 Asteroid rast knapp an Erde vorbei

Der Asteroid mit dem poetischen Namen 2004 BL86 hat die Erde passiert. Ein Einschlag des Flugkörpers auf der Erde hätte fatale Folgen gehabt. Doch der Abstand zum blauen Planeten war mit 1,2 Millionen Kilometern komfortabel. Trotzdem ist der Gesteinsbrocken selten dicht an der Erde vorbeigeflogen. Mehr

27.01.2015, 11:22 Uhr | Gesellschaft
Rauschgifte aus Zucker Eine Brauerei für harte Drogen

Harte Drogen zu Hause herstellen? Eine neue, biotechnisch erzeugte Hefe soll das möglich machen. Viel braucht man nicht dafür - Zucker reicht. Mehr

19.05.2015, 07:47 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.10.2012, 13:41 Uhr