06.12.2011 · Amerika und Europa planen gemeinsame Missionen - einen Orbiter und einen Rover - zum Roten Planeten, doch ohne Russland sind die Vorhaben nicht zu meistern. Heute und morgen beraten Vertreter der drei großen Weltraumagenturen Nasa, Esa und Roskosmos über die mögliche Zusammenarbeit bei künftigen Marsmissionen.
Von Manfred LindingerWenn Anfang kommenden Jahres der Rover "Curiosity" der amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa wie geplant sanft und wohlbehalten auf dem Mars landet, könnte er der vorerst letzte Besucher auf der Oberfläche des Roten Planeten sein. Denn weder Amerika, noch Europa oder Russland können derzeit jeder für sich die Mittel für weitere Landemissionen aufbringen. Im Jahr 2009 beschlossen Nasa und Esa, bei der künftigen Eroberung des Roten Planeten enger zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2016 sollte ein neuer Orbiter in eine Umlaufbahn gebracht werden, 2018 sollte jüngsten Plänen zufolge ein Rover auf dem Mars landen und Proben sammeln, die man später zur Erde bringen wollte.
Proton-Rakete für den Orbiter
Doch das kostspielige Vorhaben wackelt, da man kein Geld hat, auch noch eine Rakete für große Nutzlasten zu finanzieren. Nun hofft man, die russische Raumfahrtagentur Roskosmos zu gewinnen, eine Proton-Rakete bereitzustellen, um zumindest den Orbiter 2016 zum Mars schicken zu können. Zu diesem Zweck treffen sich Vertreter der Nasa, Esa und von Roskosmos an diesem Mittwoch und Donnerstag in Paris.
Prestigedenken überwinden
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass man die russische Raumfahrtbehörde mit ins Boot holen kann, da letztere durch den Verlust der Marssonde Phobos Grunt einen schweren Rückschlag erlitten hat. Die Sonde war nach dem Start, Anfang November nach einer Fehlfunktion im Erdorbit gestrandet. Bei einer Zusammenarbeit könnten die Wissenschaftler in Russland an frisches Datenmaterial kommen, und die jüngste Panne leichter verkraften.Voraussetzung ist allerdings, dass man bereit ist, das Prestigedenken, das in der Raumfahrt nach wie vor eine große Rolle spielt, zu überwinden. Denn der Orbiter und der Rover sollen neue Erkenntnisse über den Mars liefern, welche die Vorgängermissionen, die vor allem für die geologische Érkundung ausgelegt waren, nicht liefern konnten. So ist der Orbiter, der auf den "Mars Exploration" der Esa basiert, darauf spezialisiert, die Marsatmosphäre zu erforschen und nach Spuren von Methangas zu suchen. Methanvorkommen sind auf der Erde in aller Regel biologischem Ursprungs.
Indizien für Marsleben
Die Methanspuren, die vor einigen Jahren in der Marsatmosphäre festgestellt wurden, werden daher von manchen Wissenschaftlern als möglichen Hinweis darauf interpretiert, dass das Leben auf der Ebene einfacher Einzeller vielleicht auch auf dem Mars fußgefasst haben konnte. "Wir wissen es früher einmal große Mengen an Wasser auf der Marsoberfläche gab und noch Reste als Eis unter der Oberfläche vorhanden sind", sagt Markus Landgraf, Experte für Marsmissionen bei der Esa in Darmstadt. "Es ist aber immer noch die Frage offen, ob es tatsächlich Leben in irgendeiner Form oder noch Überreste davon auf dem Mars gibt." Aber so einfach ist die Angelegenheit für die Forscher nicht. Man muss gleichzeitig ausschließen, dass das chemisch gesehen organische Molekül aus einem Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatomen nicht irgend einen anorganischen Ursprung hat und etwa durch vulkanische Aktivität erzeugt worden ist. "Wir wissen, bereits von Mars-Express, dass es Spuren von Methan auf dem Mars gibt. Nun wollen wir verstehen, woher das Molekül kommt", sagt Landgraf.
Gute Angebote gefragt
Der Rover, der von federführend die Nasa entwickeln wird und dessen Start man für 2018 anvisiert, hat eine ähnliche Aufgabe. Er soll nach organischen Molekülen, die biologischen Ursprungs sind, unter der Marsoberfläche suchen und deren Isotopensignatur analysieren. Eine weitere Besonderheit: Die Proben, die der Roboter sammelt, sollen nach den Plänen der Forscher im Jahr 2020 zur Erde befördert werden.Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Ein wichtiger Schritt wäre es für Landgraf zunächst, wenn Roskosmos, einen Start mit einer russischen Rakete ermöglichen würden, die die Nutzlast befördern kann. Als Gegenzug würde man den russische Kollegen auf dem Orbiter Platz für deren Instrumente anbieten, falls es noch möglich ist. Denn die Messinstrumente sind mittlerweile fast alle entwickelt und gebaut, nun könnte man den Auftrag an die Industrie erteilen einen entsprechenden Orbiter zu bauen.
Wenn Träume platzen
Doch was geschieht, wenn es in Paris zu keiner Einigung kommt? "Dann lassen die Missionen fallen und machen gar nichts", gesteht Landgraf offen. "Das ist in der Raumfahrt immer eine Option, aber das ist schon viel zu oft geschehen." Dann müsste man wohl allerdings auch den Traum zu Grabe tragen, dass in einigen Jahren tatsächlich Menschen zum Roten Planeten fliegen.
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