Jüngst mit einem der beiden 10-Meter-Keck-Teleskope in Hawaii gewonnene Bilder des Uranus demonstrieren in dramatischer Weise, welch gewaltige Fortschritte die astronomische Fotografie in den vergangenen Jahren zu verzeichnen hatte.
Die Ringe des Planeten, die hier besonders klar zu erkennen sind, waren zur Zeit ihrer Entdeckung - im Jahr 1977 - mit Fernrohren auf der Erde noch nicht einmal zu sehen. Sie konnten nur indirekt ausgemacht werden, nämlich durch die Abschwächung des Lichts von einem Stern, während das Uranussystem vor diesem vorbeizog.
Die adaptive Optik des Keck-Teleskops
Die Schärfe der hier abgebildeten Aufnahmen ist nicht zuletzt der adaptiven Optik des Keck-Teleskops zu verdanken, mit der die störende Luftunruhe ausgeglichen worden ist. Die im Infraroten gewonnenen Fotos zeigen zwei unterschiedliche Hemisphären des Uranus, die einander ergänzen und ein vollständiges Bild des Planeten liefern.
Die Farben sind so aufeinander abgestimmt worden, daß die Wolken der Sturmgebiete in der Atmosphäre des Planeten besonders deutlich hervortreten. Dadurch haben die Ringe die rote Farbe erhalten.
Kein Widerstand der Atmosphäre
Einige der Sturmgebiete verändern sich, wie die Beobachtungen zeigen, verhältnismäßig rasch, während andere über mehrere Jahre einigermaßen stabil bleiben. Das ist nur möglich, wenn die Atmosphäre dem Geschehen keinen Widerstand bietet; denn sonst müßten die Stürme ihre Energie viel schneller abgeben, wodurch sich ihr Erscheinungsbild veränderte.
Für diese Deutung spricht auch, daß in der Atmosphäre des Planeten kaum Temperaturunterschiede von Ort zu Ort zu beobachten sind. Das Innere des Planeten liefert keine nennenswerte Energie, die das "Wetter" auf dem Planeten beeinflussen würde, und die Sonne ist als maßgeblicher Energielieferant zu weit entfernt.
Insgesamt sind mit dem Keck-Teleskop mehr als dreißig Wolken in der Atmosphäre des Planeten beobachtet worden - mehr, als bis zum Jahr 2000 mit der Sonde Voyager2, dem Hubble-Teleskop und anderen Fernrohren zusammen entdeckt wurden.
