16.04.2004 · Nasa-Rover Opportunity hat während seiner Mission „alte Bekannte“ getroffen: Gibt es Geschwister der Marsmeteoriten auf dem roten Planeten?
In der Marsebene Meridiani Planum hat der amerikanische Rover Opportunity außerhalb des Adler-Kraters, in dem er gelandet ist, einen für die Forscher besonders interessanten Stein gefunden. Den chemisch-mineralogischen Messungen zufolge unterscheidet sich das Objekt in seiner Zusammensetzung deutlich vom Boden und von anderen Gesteinen in der Region sowie von Gesteinen an den Landeplätzen der beiden andern Rover auf dem Mars, Pathfinder und Spirit. Statt dessen ähnelt es stark zwei Marsmeteoriten, die auf der Erde entdeckt wurden.
Messungen mit dem Mößbauer-Spektrometer ließen zunächst erkennen, daß dem von der Nasa „Bounce“ genannten Stein ein wichtiges Merkmal fehlt, das bei allen anderen Proben in der Umgebung des Adler-Kraters aufgespürt wurde. Er enthält keine nachweisbaren Spuren von dreifach ionisiertem Eisen. Bei einem Vergleich mit einem 1865 nahe der indischen Ortschaft Shergotty niedergegangenen Meteoriten erhärtete sich der Verdacht, daß diese beiden Stücke eng verwandt sind. Nach Shergotty ist eine ganze Klasse ähnlicher Marsmeteorite, die sogenannten Shergottite, benannt. Die Objekte sind einst beim Einschlag eines Irrläufers auf dem Mars hochgeschleudert worden und nach einer langen Reise durchs All zur Erde gelangt.
Verwandt mit einem Meteoritengestein auf der Erde
Bei einer zusätzlichen Untersuchung mit dem „Alpha Particle X-Ray Spectrometer“ stellte sich heraus, daß die Zusammensetzung von „Bounce“ insbesondere an jene von EETA 79001 erinnert. Dieser Shergottit ist Ende 1979 in der Region Elephant Morraine (Antarktis) entdeckt worden. Die beiden Objekte zeichnen sich durch vergleichbare Verhältnisse von Magnesium zu Eisen und von Aluminium zu Kalzium aus.
„Bounce“ ist zu etwa 69 Prozent aus Pyroxen, zu 20 Prozent aus Plagioklas und zu 11 Prozent aus Olivin aufgebaut, drei basaltischen Mineralen. Das Pyroxen kommt dabei hauptsächlich in kalziumreichen Varianten, zu einem kleinen Prozentsatz aber auch als Orthopyroxen vor. Die Zusammensetzung ist für die Oberfläche des roten Planeten untypisch, wie Messungen des Mars Global Surveyor gezeigt haben. Vielleicht ist „Bounce“ bei einem Vulkanausbruch aus einer tieferen Zone des Mars emporgeschleudert worden.