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Sonde „New Horizons“ : Spektakuläre Aufnahmen von Pluto

Aus einer Entfernung von rund 77.000 Kilometern erkennt man etwa 3500 Meter hohe, eisige Berge in der Äquatorregion des Zwergplaneten. Das Fehlen von Kratern spricht für eine ehe junge geologische Geschichte der Oberfläche. Bild: dpa

Die „New Horizons“ hat erste Fotos von Pluto an die Erde übermittelt. Wissenschaftler der Nasa erhoffen sich von den Aufnahmen Aufschluss über die genaue Beschaffenheit des Zwergplaneten und seiner Monde.

          Am späten Mittwochabend war es endlich soweit. Die amerikanische Raumsonde „New Horizons“ übermittelte  endlich die lang ersehnten  hochauflösenden Detailaufnahmen von Pluto und seinem größten Mond Charon an die Erde. Die ersten Bilder,  welche die Sonde am Dienstag aus einer Entfernung von 77.000 Kilometern eineinhalb Stunden vor der größten Annäherung geschossen hatte, übertreffen alle Erwartungen. Davor hatten die der an der Mission beteiligten Wissenschaftler Geduld haben müssen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Am Mittwochnachmittag waren immer noch keine Bilder von Pluto angekommen. Die bislang beste Aufnahme stammte bis dahin vom Montag, als die Sonde noch rund 768.000 Kilometer von ihrem Ziel entfernt war. Ein erstes Zeitfenster, in dem New Horizons größere Datenmengen übertragen konnte, gab es am Mittwochnachmittag.

          Sonde „New Horizons“ : Schneller als eine Pistolenkugel an Pluto vorbei

          Wegen der großen Distanz zur Erde – Pluto ist etwa drei Milliarden Kilometer entfernt – benötigten die Signale zu den Bodenstationen etwa viereinhalb Stunden. Zudem war die Sonde während des Vorbeiflugs, der am Dienstag mehrere Stunden dauerte und seinen Höhepunkt um 13.50 Uhr europäischer Zeit hatte, als die Sonde in 12.500 Kilometern Höhe den Zwergplaneten passierte, mit Beobachtungen und Messungen beschäftigt. Dabei blieb ihr keine Zeit, auch noch Daten zur Erde zu schicken. „Was wir bald bekommen werden, dürfte sehr interessant werden – ein Wasserfall an Daten“, sagte Alan Stern von der amerikanischen Raumfahrtbehörde (Nasa), der Vater der New Horizons-Mission, noch am Nachmittag.

          Mit 50.000 Kilometern pro Stunde durchs All

          Dass die Raumsonde den Himmelskörper tatsächlich wie geplant passiert hatte, erfuhren die Wissenschaftler der Nasa erst in der Nacht zum Mittwoch, als „New Horizons“ Pluto längst hinter sich gelassen hatte. „Wir haben ein gesundes Raumschiff“, sagte Missionsleiterin  Alice Bowman nach dem Empfang des Signals unter Jubel und Applaus der in der Kontrollstation in Laurel (Maryland) versammelten Wissenschaftler und Techniker. Den eigentlichen Vorbeiflug erlebten die Wissenschaftler in Maryland deshalb bilderlos, was ihre Begeisterung und Freude aber nicht im Geringsten schmälerte. Nasa-Chef Charles Bolden sprach von einem „Meilenstein“ und einem „historischen Moment“ der amerikanischen Raumfahrtgeschichte.

          Präsident Barack Obama, der seine Glückwünsche per Nachrichtendienst Twitter übermittelte, lobte den Vorbeiflug als „großen Tag für Entdeckungen und amerikanische Führungsstärke“. Das New Horizons-Team habe Geschichte geschrieben, sagte auch Nasa-Manager John Grunsfeld. Die eigentliche Arbeit gehe jetzt aber erst los. „Noch haben wir gar nichts gesehen, das war erst der Anfang.“ Von den Daten, welche die Sonde gesammelt hat und die nun nach und nach zur Erde geschickt werden, erhofft man sich Informationen über die dünne Atmosphäre, die Temperatur und die Beschaffenheit der Oberfläche sowie über die Geologie des Himmelskörpers und seiner fünf Monde. Sie waren bislang nur von irdischen Teleskopen und dem Weltraumobservatorium Hubble ins Visier genommen worden. Deshalb ist das Wissen, das man bislang von Pluto hat, eher spärlich.

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          Pluto Besuch : Der Fürst der kalten Welten Bild: Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory

          Auf ihrer Reise durch das Sonnensystem bis zu Pluto, die am 19. Januar 2006 begann, hat die Sonde New Horizons etwa fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt. Dank eines speziellen Antriebs beträgt ihre Reisegeschwindigkeit 50.000 Kilometer pro Stunde. Nach der Visite bei Pluto und seinen Monden geht die Reise nun weiter zum nächsten Objekt im Kuipergürtel – einer Region außerhalb der Umlaufbahn des Neptuns. Eigentlich hatte die Nasa mit New Horizons die Ersterkundung aller neun Planeten des Sonnensystems abschließen wollen. Als die Raumsonde vor neuneinhalb Jahren startete, war Pluto tatsächlich noch ein Planet. Sieben Monate später degradierte die Internationale Astronomische Union (IAU) den mit einem Durchmesser von 2400 Kilometern vergleichsweise kleinen Himmelskörper zum Zwergplaneten. An  dem wissenschaftlichen Interesse für Pluto und seinen Monden hat das nichts geändert. Man hofft durch die Messungen mehr über die Anfange des Sonnensystems und die Entstehung der Planeten, Zwergplaneten, Asteroiden und Kometen zu erfahren.

          Quelle: F.A.Z.

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