http://www.faz.net/-gwz-9fcg5

Nach Unfall mit Sojus-Kapsel : Russland setzt Raketenstarts aus

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Es sollte ein Routinestart zur Raumstation ISS werden, doch dann kam es zu einem Zwischenfall, der fast in einer Katastrophe endete. Die Sojus-Kapsel mit zwei Mann an Bord musste notlanden.

          Der Start einer bemannten russischen Sojus-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation ISS ist nach russischen Medienberichten fehlgeschlagen. Die Kapsel mit zwei Mann an Bord sei in Kasachstan notgelandet, meldete die russischen Nachrichtenagentur Interfax. Die beiden Raumfahrer seien unverletzt. Beim Start vom Weltraumbahnhof Baikonur habe die zweite Stufe der Sojus-Trägerrakete versagt, teilten russische Raumfahrtquellen mit.

          An Bord der Sojus waren der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin und der amerikanische Astronaut Nick Hague. Die zwei Raumfahrer sollten am Vormittag zu einem etwa halbjährigen Forschungsaufenthalt auf der ISS aufbrechen und die Besatzung des Außenpostens verstärken. Das Raumschiff „MS-10“ hätte nach rund sechs Stunden Flugzeit am Nachmittag an die ISS andocken sollen.

          Start der Raumkapsel Sojus MS-10 auf dem Weltraumbahnhof Baikonur.  Kurz darauf geschah das Unglück

          Die Landestelle der Sojus-Kapsel liegt den Angaben zufolge  25 Kilometer von  der kasachischen Stadt Dscheskasgan in Zentralasien entfernt. Rettungsmannschaften  mit vier Hubschraubern haben inzwischen das notgelandete Raumschiff erreicht. Alexej Owtschinin und Nick Hague sind wohl unverletzt geblieben.

          Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat erklärt, dass es „im Moment des Starts“ eine „ungewöhnliche Lage“ eingetreten sei. „Die Rettungssysteme wurden aktiviert.“ Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa teilte mit, dass Rettungskräfte im Einsatz seien. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP vor Ort sagte, der Start sei zunächst gut verlaufen. „Nach der Trennung der ersten Stufe aber hatten wir den Eindruck, dass es eine Art Blitz gab.“

          Die Ursache für den Fehlstart soll schnell aufgeklärt werden. Es sei bereits eine staatliche Kommission eingerichtet worden, schrieb der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, am Donnerstag auf Twitter. Demnach sollen die Telemetrie-Daten der Rakete ausgewertet werden - dazu zählen etwa die Angaben zum Flugverlauf.

          Der Vize-Regierungschef Juri Borissow sagte, dass es nach dem fehlgeschlagenen Start vorerst keine bemannten Flüge ins Weltall geben werde. Erst müssten die Gründe für den Unfall geklärt werden.  „In einer solchen Situation gibt es vorerst keine weiteren Starts, bis die Ursache endgültig geklärt worden ist.“ Die Sicherheit der Raumfahrer solle gewährleistet sein. Borissow, der auch für die Raumfahrt in seinem Land zuständig ist, nannte den Unfall „unangenehm“. Er zeige aber, dass die Notfall- und Rettungssysteme funktionierten.

          Astronaut Nick Hague (oben) und der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin winken, bevor sie in das Sojus MS-10-Raumschiff auf dem Weltraumbahnhof Baikonur einsteigen.

          Die Nasa hatte ihr Space-Shuttle-Programm im Jahr 2011 eingestellt. Die amerikanischen Astronauten können seither nur noch mit russischen Sojus-Raketen zur ISS gelangen. Der Vertrag mit Russland läuft im November 2019 aus. Dann sollen die Raumfahrtunternehmen SpaceX und Boeing die Flüge zur ISS vornehmen.

          Erst am vergangenen Donnerstag war eine russische Sojus-Kapsel von der ISS sicher auf die Erde zurückgekehrt. Die Kapsel mit den drei Raumfahrern Oleg Artemjew, Drew Feustel und Ricky Arnold hatte in der Steppe von Kasachstan sicher aufgesetzt.

          Zuletzt war die ISS in die Schlagzeilen geraten, weil in einer der angedockten Sojus-Kapseln ein Leck entdeckt wurde. Der Riss wurde von Innen her abgedichtet. Die genaue Ursache ist bis heute unklar. Eine Kollision mit Weltraumschrott wird aber ausgeschlossen.

          Weitere Themen

          Die Astronautin

          Initiative für Frauen im All : Die Astronautin

          Schon als Kind wollte Suzanna Randall ins All fliegen. Jetzt könnte sie es tatsächlich schaffen. Als erste Frau aus Deutschland. Denn sie gehört zu den letzten zwei Anwärterinnen der privaten Initiative „Die Astronautin“.

          Topmeldungen

          Siemens-Chef Kaeser : Politischer Geisterfahrer

          Schuster, bleib bei deinen Leisten: Diese Volksweisheit sollte auch der Chef von Siemens beherzigen. Der oft politische Joe Kaeser hat das Talent, ausgerechnet in den wichtigen Momenten zu schweigen – oder sich gar taktlos zu äußern. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.