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Milchstraße Wo der Wasserstoff den Raum zwischen den Sternen füllt

14.09.2005 ·  Eine vollständige Radiokarte unserer Milchstraße im Bereich der sogenannten 21-Zentimeter-Linie des neutralen Wasserstoffs hat das Radioastronomische Institut der Universität Bonn jetzt veröffentlicht.

Von Hermann-Michael Hahn
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Eine vollständige Radiokarte unserer Milchstraße im Bereich der sogenannten 21-Zentimeter-Linie des neutralen Wasserstoffs hat das Radioastronomische Institut der Universität Bonn jetzt veröffentlicht. Sie faßt die Ergebnisse zweier einander ergänzender Himmelsdurchmusterungen, die am niederländischen Radioobservatorium Dwingeloo und dem Instituto Argentino de Radioastronomia vorgenommen wurden, zusammen und ist die zur Zeit genaueste und vollständigste Karte des Himmels für diesen Bereich des Wellenspektrums.

Deutlich sichtbar ist das schmale Band der Milchstraßenebene, aus dem die stärkste Strahlung gemessen wird (in der Karte weiß bis magentafarben dargestellt); nach oben und unten, also mit größer werdendem Winkelabstand, deuten die anderen Farben eine immer geringer werdende Gasdichte an. Die beiden roten Flecken rechts unterhalb der Bildmitte, der Richtung zum galaktischen Zentrum, stammen vom Wasserstoffgas in den Magellanschen Wolken, zwei Nachbargalaxien am Südhimmel.

Bewährte Tradition

Mit ihrer Karte setzen die Bonner Radioastronomen eine Tradition fort, die vor rund 160 Jahren von Friedrich Wilhelm Argelander, dem Gründer der Bonner Sternwarte, begonnen wurde. Er hatte in mühevoller Arbeit den gesamten nördlichen Himmel durchmustert und dabei Positionen und Helligkeiten von mehr als 324 000 Sternen festgehalten. Im Jahr 1982 präsentierte das ebenfalls in Bonn angesiedelte Max-Planck-Institut für Radioastronomie eine vollständige Karte der Milchstraße bei einer Wellenlänge von 73 Zentimetern, die auf Beobachtungen mit dem 100-Meter-Radioteleskop bei Effelsberg, dem 76-Meter-Radioteleskop von Jodrell Bank (England) und dem 64-Meter-Radioteleskop im australischen Parkes beruhte.

Beobachtung von Wasserstoff

Auch die Beobachtung des neutralen Wasserstoffs innerhalb der Milchstraße hat in Bonn Tradition. Gleich eines der ersten Programme mit dem 1956 aufgestellten 25-Meter-Radioteleskop auf dem Stockert galt seiner Erforschung. Immerhin stellt der Wasserstoff den Hauptanteil der Materie zwischen den Sternen und ist damit eine Quelle besonders starker Strahlung, die den Astronomen Rückschlüsse auf Dichte und Geschwindigkeit der interstellaren Gaswolken ermöglicht. Entsprechend konnte damals anhand dieser Strahlung erstmals die Spiralstruktur unserer Galaxis nachgewiesen werden.

Quelle: F.A.Z., 14.09.2005, Nr. 214 / Seite N1
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