http://www.faz.net/-gwz-74syp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 04.12.2012, 07:12 Uhr

Marsrover „Curiosity“ findet organische Teilchen

Der Forschungsroboter „Curiosity“ hat auf dem Mars organische Moleküle entdeckt. Noch ist deren Herkunft ist völlig unklar. Würde sich herausstellen, dass die Moleküle vom Mars stammen, könnte das heißen, dass es dort einmal Leben gegeben hat.

© dapd Rover und Forschungslabor: „Curiosity“ auf dem Mars

In Bodenproben vom Mars hat der Rover „Curiosity“ organische Moleküle entdeckt. Es sei allerdings noch völlig unklar, ob diese Teilchen vom Mars selbst stammten oder ob sie beispielsweise vom Forschungsroboter mit auf den Roten Planeten gebracht worden seien, sagte John Grotzinger, Manager bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, am Montag (Ortszeit) in San Francisco. Mit zahlreichen Tests solle nun versucht werden, das herauszufinden. „Das kann allerdings noch eine ganze Weile dauern.“

Entdeckt wurden die Moleküle mit einem Messgerät namens „Sam“, das Bodenproben erhitzt und analysiert. Die Proben stammen von einer Stelle namens „Rocknest“ im Gale-Krater, wo „Curiosity“ (Neugier) Anfang August gelandet war. Fünf Bodenproben, die aus feinerem und grobkörnigerem Sand sowie Staub bestehen, hatte der Rover mit seinem Roboterarm dort aufgesammelt. Das Team habe versucht „ganz normalen Mars-Boden“ zu finden, sagte Grotzinger. Nach Angaben seiner Behörde war es das erste Mal, dass der Rover solche Proben mit allen ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten untersucht hat. „Die Instrumente funktionieren alle herausragend gut“, sagte Nasa-Wissenschaftler Michael Meyer.

Nasa bittet um Geduld

Bei der Analyse mit „Sam“ wurden neben Sauerstoff und Chlorgas unter anderem simple Kohlenstoff-Verbindungen entdeckt. „Das ist ein beispielloser Einblick in die chemische Vielfalt der Gegend“, sagte Meyer.

Kohlenstoff-Verbindungen sind die molekulare Grundlage allen irdischen Lebens. Würde sich also herausstellen, dass die Moleküle wirklich vom Mars stammen, könnte das heißen, dass es einmal Leben auf dem Mars gegeben hat oder dass Leben auf dem Mars möglich wäre - eine bedeutende wissenschaftliche Entdeckung.

© reuters Marsrover „Curiosity“ findet Kohlenstoff

Die Nasa warnte allerdings eindringlich vor vorschnellen Schlüssen und übertriebenen Erwartungen. „“Curiositys“ zweiter Name ist „Geduld““, sagte Nasa-Manager Grotzinger. „Davon brauchen wir jetzt eine ganz schön hohe Dosis.“ Vor der Pressekonferenz am Montag hatten einige Nasa-Experten - unter anderem Grotzinger selbst - Spekulationen angeheizt, dass der Forschungsroboter aufsehenerregende neue Funde gemacht habe - waren dann aber angesichts des riesengroßen Medieninteresses zurückgerudert. Der Enthusiasmus des Teams sei missverstanden worden, rechtfertigte sich Grotzinger nun.

Mehr zum Thema

Für „Curiosity“ steht unterdessen schon die nächste Aufgabe an: Der bislang teuerste und technisch ausgefeilteste Rover soll noch vor Weihnachten mit seinem Bohrer den Boden des Roten Planeten untersuchen. Für Anfang nächsten Jahres ist dann die Fahrt zum eigentlichen Ziel - einem Berg namens „Mount Sharp“ - geplant.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Raumfahrt Sonde Juno kommt Jupiter so nah wie nie

Niemals zuvor ist eine Sonde dem Planeten so nahe gekommen. Erstmals sammelte Juno auch Daten vom Jupiter. Damit hat die eigentliche Forschungsmission begonnen. Mehr

28.08.2016, 06:07 Uhr | Wissen
Astronomie Forscher entdecken einen erdähnlichen Planeten

Forscher aus Garching haben einen neuen Planeten entdeckt. Proxima b sei der Erde sehr ähnlich. Der Himmelskörper ist allerdings ein Stückchen von uns entfernt, genauer gesagt knapp 40 Billionen Kilometer. Mehr

25.08.2016, 14:37 Uhr | Wissen
Natürliche MOFs Luftige Kristalle aus dem Herzen der Natur

Metallorganische Gerüststrukturen zur Speicherung von Gasen wurden bisher künstlich hergestellt. Jetzt hat eine Forschergruppe ihr Vorkommen in natürlichen Mineralien entdeckt. Mehr Von Manfred Lindinger

23.08.2016, 15:49 Uhr | Wissen
No Man’s Sky 18 Trillionen Planeten in einem Spiel

Selten gab es so einen Hype um ein Videospiel wie um No Man’s Sky des irischen Entwicklers Sean Murray. In der Weltraumsimulation können Spieler rund 18 Trillionen Planeten bereisen und erkunden. Möglich macht das eine mathematische Formel, die die Planeten und die darauf lebende Fauna und Flora quasi per Zufall entstehen lässt. Mehr

12.08.2016, 08:34 Uhr | Wirtschaft
Extrasolare Planeten Erde 2.0 gesichtet?

Einen extrasolaren Planeten, der Ähnlichkeit mit unserem Heimatplanet hat, haben Astronomen in kosmischer Nachbarschaft erspäht. Er umkreist den Zwergstern Proxima Centauri in 4,2 Lichtjahren Entfernung. Mehr Von Manfred Lindinger

24.08.2016, 19:00 Uhr | Wissen