Home
http://www.faz.net/-gwz-73875
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Marsmission Curiosity Flusskiesel auf dem Mars

Der Marsrover Curiosity hat inzwischen die Hälfte der Strecke zu seiner ersten wissenschaftlichen Zielregion, Glenelg, zurückgelegt. Auf seinem Weg hat er ungewöhnliche Kieselstein entdeckt, die möglicherweise einst von schnell fließendem Wasser geformt wurden.

© Nasa, JPL Vergrößern Entdeckung: Kiesel in einem roten Marsstein

Der seit rund zehn Wochen auf dem Mars forschende Rover „Curiosity“ ist auf  seltsam  geformte Kieselsteine gestoßen. Die runden und eckigen Kiesel - manche so klein wie ein Sandkorn, andere so groß wie ein Golfball - seien zu großen mehrlagigen Steinen zusammengekittet, teilte die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa mit. Die Kieselsteine könnten von Wasser geformt  worden sein, das nach Ansicht vieler Forscher vor dreieinhalb Milliarden  einst in großen Mengen auf dem Roten Mars und im Gale-Krager geflossen war.

Manfred Lindinger Folgen:

Die zur Erde gefunkten Bilder zeigen einen zehn bis fünfzehn Zentimeter hohen Felsvorsprung, bei dem es sich  um Ablagerungen aus verschiedenen Steinen, Kiesel und verhärtetem Sand handelt. Die Forscher tauften den Vorsprung Hottah. 
 

Wasser bis zum Knie?

Die Größe der Kiesel lasse darauf schließen, „dass das Wasser des Flusses ungefähr einen Meter pro Sekunde zurückgelegt hat und etwa knöchel- bis hüfttief war“, sagte William Dietrich, Forscher an der University of California.
„Wir sehen hier zum ersten Mal von Wasser transportierte Kiesel auf dem Mars. Bisher haben wir nur über die Größe des Flussbetts spekuliert, jetzt können wir Beobachtungen machen.“

Mehr zum Thema

Die runde Form der Steine lasse schlussfolgern, dass die Kiesel vom Wasser über einen langen Weg hinweg transportiert worden seien, teilte die Nasa mit. „Und die Größen lassen die Deutung zu, dass sie nicht vom Wind
transportiert worden sind. Es war Wasser“, sagte die ebenfalls an der „Curiosity“-Mission beteiligte Wissenschaftlerin Rebecca Williams. In den kommenden Tagen soll der Rover mit seinem beweglichen Roboterarm die Steine genauer untersuchen.

Kieselsteine, Mars: Natur und Wissenschaft, Weltraum © Nasa, JPL Vergrößern Seltsame Marsgesein mit Kiesel durchsetzt

Zeichen von Leben?

„Curiosity“ (Neugier), die bislang teuerste und technisch fortgeschrittenste Mission dieser Art, war vor etwa zwei Monaten auf dem Mars gelandet und soll dort unter anderem nach Spuren von Leben suchen. Die jetzt fotografierten Flussbettkiesel seien „die Versicherung, dass wir schon unsere erste potenziell einst bewohnbare Umgebung gefunden haben“, war Nasa-Manager John Grotzinger euphorisch. Allerdings ist das Vorkommen von Wasser noch immer kein Grund dafür, dass es einst Leben auf dem Mars gab.

Gemäßigte Marstemperatur

Auch neue von „Curiosity“ gemessene Wetterdaten begeisterten die Forscher. Durchschnittlich habe der Rover am frühen Nachmittag zur Mars-Zeit Temperaturen von bis zu sechs Grad gemessen, teilten Wissenschaftler, die an der Marsmission  beteiligt sind,  auf einer Tagung in Madrid mit. Das sei für den Mars-Winter viel wärmer als gedacht. „Dass wir jetzt schon so hohe Temperaturen tagsüber sehen, ist eine Überraschung und sehr interessant“, sagte Felipe Gómez vom Zentrum für Astrobiologie in Madrid laut Mitteilung. Nachts maß der Rover allerdings deutlich eisigere
Temperaturen von bis zu minus siebzig Grad Celsius.

Roboterarm, Curiostiy © Nasa, JPL Vergrößern Der Roboterarm von Curiostiy inspiziert einen Marsstein.

Staubtrockener Planet

Der Mars könnte zudem deutlich trockener sein als bislang gedacht. Erste Daten von „Curiosity“ zeigten, dass im Boden des Gale-Kraters deutlich weniger als die bislang vermuteten sechs Prozent Wasser enthalten sein könnten, erläuterten Forscher auf der Konferenz. Der Wassergehalt des Bodens variiere auf dem Roten Planeten anscheinend
sehr stark je nach Region.

Ungeachtet des Fundes wird der Rover nun weiter  zu den anvisierten Forschungszielen fahren: zunächst zu einer Stelle auf dem Mars namens Glenelg und dann zu einem hohen Berg im Gale-Krater.
 

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verkehrte Welt Sonnenuntergang auf dem Mars

Der Marsrover Curiosity untersucht den Roten Planeten. Nun hat der Forschungsroboter der Nasa erstmals einen Sonnenuntergang fotografiert. Der Abendhimmel erscheint seltsamerweise blau. Mehr Von Manfred Lindinger

12.05.2015, 14:17 Uhr | Wissen
Neue Bilder vom Mars Methan-Schwankungen und organisches Material gefunden

Der Mars-Roboter Curiosity habe in seiner Umgebung eine zehnfach höhere Konzentration des Gases festgestellt, teilte das Jet Propulsion Laboratory der Nasa am Dienstag mit. Außerdem fand er in einer Bodenprobe organisches Material. Mehr

17.12.2014, 11:12 Uhr | Wissen
Paläoanthropologie Steineklopfende Flachgesichter

In Kenia haben Forscher Steinwerkzeuge entdeckt, deren Alter sie auf 3,3 Millionen Jahren bestimmen, 700 000 Jahre älter als die frühesten bisher bekannten. Damit können sie kaum von Menschen angefertigt worden sein - wenn denn die Datierung stimmt. Mehr Von Ulf von Rauchhaupt

20.05.2015, 19:00 Uhr | Wissen
Nasa Mars-Raumkapsel Orion schafft Erstflug

Die neue amerikanische Raumkapsel Orion, die in zwei Jahrzehnten erstmals Menschen zum Mars bringen soll, hat ihren ersten Testflug ins All erfolgreich absolviert. Eine Delta-IV-Trägerrakete mit der Kapsel startete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im Bundesstaat Florida. Nach dem viereinhalbstündigen, unbemannten Testflug landete Orion laut der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa planmäßig sicher im Pazifik. Mehr

05.12.2014, 22:24 Uhr | Aktuell
Kleine Pflanzenkunde Der perfekte Fallschirm

Hut ab vor Pusteblume und Wiesen-Bocksbart: Ihr raffiniertes Design trägt schwere Früchte weit hinaus Mehr Von Diemut Klärner

17.05.2015, 17:06 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.09.2012, 20:48 Uhr