Der seit rund zehn Wochen auf dem Mars forschende Rover „Curiosity“ ist auf seltsam geformte Kieselsteine gestoßen. Die runden und eckigen Kiesel - manche so klein wie ein Sandkorn, andere so groß wie ein Golfball - seien zu großen mehrlagigen Steinen zusammengekittet, teilte die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa mit. Die Kieselsteine könnten von Wasser geformt worden sein, das nach Ansicht vieler Forscher vor dreieinhalb Milliarden einst in großen Mengen auf dem Roten Mars und im Gale-Krager geflossen war.
Die zur Erde gefunkten Bilder zeigen einen zehn bis fünfzehn Zentimeter hohen Felsvorsprung, bei dem es sich um Ablagerungen aus verschiedenen Steinen, Kiesel und verhärtetem Sand handelt. Die Forscher tauften den Vorsprung Hottah.
Wasser bis zum Knie?
Die Größe der Kiesel lasse darauf schließen, „dass das Wasser des Flusses ungefähr einen Meter pro Sekunde zurückgelegt hat und etwa knöchel- bis hüfttief war“, sagte William Dietrich, Forscher an der University of California.
„Wir sehen hier zum ersten Mal von Wasser transportierte Kiesel auf dem Mars. Bisher haben wir nur über die Größe des Flussbetts spekuliert, jetzt können wir Beobachtungen machen.“
Die runde Form der Steine lasse schlussfolgern, dass die Kiesel vom Wasser über einen langen Weg hinweg transportiert worden seien, teilte die Nasa mit. „Und die Größen lassen die Deutung zu, dass sie nicht vom Wind
transportiert worden sind. Es war Wasser“, sagte die ebenfalls an der „Curiosity“-Mission beteiligte Wissenschaftlerin Rebecca Williams. In den kommenden Tagen soll der Rover mit seinem beweglichen Roboterarm die Steine genauer untersuchen.
Zeichen von Leben?
„Curiosity“ (Neugier), die bislang teuerste und technisch fortgeschrittenste Mission dieser Art, war vor etwa zwei Monaten auf dem Mars gelandet und soll dort unter anderem nach Spuren von Leben suchen. Die jetzt fotografierten Flussbettkiesel seien „die Versicherung, dass wir schon unsere erste potenziell einst bewohnbare Umgebung gefunden haben“, war Nasa-Manager John Grotzinger euphorisch. Allerdings ist das Vorkommen von Wasser noch immer kein Grund dafür, dass es einst Leben auf dem Mars gab.
Gemäßigte Marstemperatur
Auch neue von „Curiosity“ gemessene Wetterdaten begeisterten die Forscher. Durchschnittlich habe der Rover am frühen Nachmittag zur Mars-Zeit Temperaturen von bis zu sechs Grad gemessen, teilten Wissenschaftler, die an der Marsmission beteiligt sind, auf einer Tagung in Madrid mit. Das sei für den Mars-Winter viel wärmer als gedacht. „Dass wir jetzt schon so hohe Temperaturen tagsüber sehen, ist eine Überraschung und sehr interessant“, sagte Felipe Gómez vom Zentrum für Astrobiologie in Madrid laut Mitteilung. Nachts maß der Rover allerdings deutlich eisigere
Temperaturen von bis zu minus siebzig Grad Celsius.
Staubtrockener Planet
Der Mars könnte zudem deutlich trockener sein als bislang gedacht. Erste Daten von „Curiosity“ zeigten, dass im Boden des Gale-Kraters deutlich weniger als die bislang vermuteten sechs Prozent Wasser enthalten sein könnten, erläuterten Forscher auf der Konferenz. Der Wassergehalt des Bodens variiere auf dem Roten Planeten anscheinend
sehr stark je nach Region.
Ungeachtet des Fundes wird der Rover nun weiter zu den anvisierten Forschungszielen fahren: zunächst zu einer Stelle auf dem Mars namens Glenelg und dann zu einem hohen Berg im Gale-Krater.
