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„Cimon“ folgt Gerst ins All : Künstliche Intelligenz kommt auf die Raumstation

Noch ist Cimon am Boden in München. Im All soll er sich mit dem berühmten IBM-Rechner Watson verbinden. Bild: Dominik Gierke

ISS-Kommandant Gerst bekommt Begleitung: Künstliche Intelligenz, verpackt in „Cimon“. Der Assistenzroboter soll den Astronauten helfen - auch gegen das Gefühl der Einsamkeit.

          Alexander Gerst ist in seinem Element. Keine Frage, die kommenden sechs Monate werden für den deutschen Kommandanten an Bord der Internationalen Raumstation anstrengend und herausfordernd sein. Und womöglich auch fürchterlich einsam. Doch Unterstützung naht. Für die schweren Stunden an Bord läuft sich zur Zeit Cimon warm, jedenfalls im übertragenen Sinn, in der Art, wie es Computer üblicherweise zu tun pflegen.

          Der Juri Gagarin der Künstlichen Intelligenz

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Cimon hat keine Arme und auch keine Beine, nur einen besonders klugen Kopf, ein freundliches Gesicht mit einer Stirn, die er in Falten legen kann, mit einer Nase, die er rümpfen kann, und mit Augen, die er vor Aufregung aufreißen oder vor Ärger zusammenpressen kann. Projekt Cimon heißt dieser Kerl ganz offiziell, sein Name wird ausgesprochen wie das englische "Simon".

          Er ist so groß wie ein Medizinball und etwa fünf Kilogramm schwer, was aber in der Schwerelosigkeit des Weltalls nicht weiter ins Gewicht fällt. Viel wichtiger ist: Er ist der erste autonom agierende Astronautenassistent in der bemannten Raumfahrt und damit so etwas wie der Juri Gagarin der Künstlichen Intelligenz.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

          Diese Fotomontage zeigt wie der Assistenzroboter Cimon durch die ISS fliegen könnte. Morgen startet er mit Alexander Gerst gen Raumstation.

          Er wird voraussichtlich am 26. Juni an Bord einer Space-X-Rakete des amerikanischen Unternehmers Elon Musk ins All geschossen, an der ISS andocken und von da an Alexander Gerst und dessen Kollegen in den darauffolgenden sechs Monaten tatkräftig unterstützen. Er wird ihnen bei ihren Experimenten helfen und bei der Planung ihrer Tage. Er wird sie nach ihrem Befinden fragen und hin und wieder ein wenig Smalltalk machen. Und wenn alles gutgeht, wird er das auch für kommende Astronautengenerationen tun.

          Ein Fitness-Programm für Astronauten

          Das ist nicht so trivial, wie es klingt. Denn mit Cimon könnte eine neue Ära beginnen. Weltraumexpeditionen gehören zu den gefährlichsten und teuersten Missionen der Menschheit, und sie verlangen den ausgewählten Astronauten viel ab. Schon Jahre zuvor müssen sie sich intensiv auf ihre Arbeit vorbereiten und einen Test nach dem anderen absolvieren. Sind sie erst einmal gestartet, ist der Tagesablauf straff organisiert: Schlafen, Essen, Arbeiten, Sport, dann ein wenig Freizeit.

          Die körperliche Fitness haben die Astronauten inzwischen ganz gut im Griff. Sie müssen in der Schwerelosigkeit viel Sport treiben, zwei bis vier Stunden jeden Tag, damit die Muskeln nicht schwinden und die Knochen nicht bröseln. Doch ihre geistige Fitness ist schwieriger im Blick zu behalten. Schließlich haben auch Astronauten ihren ganz eigenen Kopf und ganz unterschiedliche Bedürfnisse.

          Den europäischen Raumfahrtkonzern Airbus treibt das schon lange um. Die Ingenieure dort arbeiten an der Frage, wie sie den Astronauten die lange Zeit der Einsamkeit und Dunkelheit fernab des Blauen Planeten versüßen können. So kamen sie vor zwei Jahren auf die Idee, einen Cimon zu schaffen, einen "Crew Interactive Mobile Companion", einen smarten Helfer, der ihnen auch über die dunklen Stunden hinweghelfen soll. Das geht nur mit Künstlicher Intelligenz, und für die ist der amerikanische Computerhersteller IBM zuständig. Er hat mit Watson ein ausgefeiltes IT-System parat. Auf das greift Cimon bei seiner Arbeit zu.

          Analyse von gruppendynamischen Prozessen

          Die psychologische Komponente wird immer wichtiger, je atemberaubender die Weltraumexpeditionen werden. Noch haben die Astronauten ihre Heimat, den blauen Planeten, fest im Blick. Aber das wird sich bald ändern: Die amerikanische Raumfahrtagentur NASA arbeitet mit Hochdruck an "Deep-Space-Missionen" etwa zum Mars, die in zehn oder zwanzig Jahren schon möglich sein sollen.

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