10.01.2005 · Die Nasa will es im All krachen lassen: Die Sonde „Deep Impact“ macht sich auf den Weg zum Kometen „Tempel 1“ und soll im kommenden Sommer auf dem Himmelskörper aufschlagen.
Von Günter PaulDie Konstrukteure der amerikanischen Raumsonde "Deep Impact", so scheint es, haben in ihrer Jugend zu viele Science-fiction-Filme gesehen. So jedenfalls ließe sich am leichtesten eine ungewöhnliche Kometenmission erklären, die am Mittwoch mit dem Start dieser Sonde in ihr entscheidendes Stadium eintreten soll.
Deep Impact besteht genaugenommen aus zwei Teilen - der eigentlichen Sonde und einem sogenannten Impactor, dessen herausragendste Eigenschaft seine große Masse ist. Ziel des Gespanns, das bis kurz vor dem Höhepunkt der Mission eine Einheit bildet, ist der Kern des Kometen Tempel1, der den Plänen zufolge innerhalb von nur sechs Monaten jenseits der Umlaufbahn des Mars um die Sonne erreicht sein wird. Die wichtigste Aufgabe des Impactors besteht darin, mit großer Wucht auf den Kometenkern zu stürzen und dabei einen Einschlagkrater zu erzeugen, der den Rechnungen zufolge einen Durchmesser von hundert Metern haben und mit 28 Metern so tief sein könnte, daß ein Gebäude mit rund einem Dutzend Stockwerken darin Platz fände. Die Sonde wird das Ereignis - und vor allem die dabei freigesetzten Trümmer einschließlich der Gas- und Staubpartikeln - fotografisch und spektroskopisch dokumentieren.
Was ist im Inneren des Kerns?
Kometenkerne sind den bisherigen Erkenntnissen zufolge "schmutzige Schneebälle" aus gefrorenem Eis, das mit Staub vermischt ist. Kommen sie in die Nähe der Sonne, sublimiert infolge der steigenden Hitze das Eis, und große Mengen an Gas und Staub werden freigesetzt. Dieses Material formt die eindrucksvollen Köpfe und Schweife der Kometen, die gelegentlich prachtvoll am Himmel stehen. Von den Beobachtungen her haben die Astronomen schon recht genaue Vorstellungen davon, was für Partikeln freigesetzt werden, woraus also die obersten Schichten der Kometenkerne bestehen. Praktisch unbekannt sind dagegen bislang die inneren Bestandteile der Kometenkerne, deren Studium genauere Aufschlüsse über die Frühzeit des Sonnensystems liefern könnte.
In der Vergangenheit wurden Pläne entwickelt, Kerne von Kometen anzubohren, womit man aber auch nicht in größere Tiefen gelangt. Denn die Kerne haben im allgemeinen einige Kilometer Durchmesser. Der Kern des 1867 von Ernst Tempel entdeckten und nach ihm benannten Kometen, der alle 5,5 Jahre einmal die Sonne umrundet, mißt acht bis neun Kilometer. Man benötigt schon ein regelrechtes Geschoß, ihn merklich "anzukratzen". Der gedrungene Impactor hat eine Masse von 370 Kilogramm und soll mit einer Geschwindigkeit von 10,2 Kilometern pro Sekunde auf den Kern von Tempel1 stürzen. Dabei wird eine kinetische Energie freigesetzt, die der Explosionsenergie von 4,8 Tonnen TNT (Trinitrotoluol) entspricht.
Detailreiche Bilder werden erwartet
Die Raumsonde, von der sich der Impactor 24 Stunden vorher löst, soll das Ereignis aus 500 Kilometer Distanz mit leistungsfähigen Kameras und Spektrometern verfolgen. Die hochauflösende Kamera soll dabei Bilder zur Erde übertragen, auf denen noch zwanzig Zentimeter kleine Details auf der Oberfläche des Kerns zu erkennen sein werden. Wird diese Kamera durch freifliegende Kometenpartikeln zerstört, lassen sich mit einem zweiten System immer noch drei Meter große Details identifizieren. Damit die spektroskopischen Meßdaten nicht gestört werden, hat man den Impactor, der selbst ebenfalls zertrümmert wird, aus Kupfer gebaut. Kupfer hat in der Frühzeit des Sonnensystems keine Rolle gespielt.