05.03.2008 · Es wurden große Neuigkeiten angekündigt, die letztendlich keine waren: Bei der Publikation von Radarbildern des Mondes hat die Nasa frühere Ergebnisse unterschlagen. Eine Peinlichkeit, die niemandem auffiel oder gar Absicht war?
Von Günter PaulIn der Südpolregion des Mondes gibt es Krater, in die nie Sonnenlicht gelangt. Und in denen gefrorenes Wasser existieren könnte, das sich für die Produktion von Sauerstoff und den Betrieb einer Mondstation nutzen ließe. Das ist eine der Geschichten, mit denen die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa für eine Landung von Astronauten in dieser Gegend wirbt. Für die Nasa ist wichtig, dass das Thema immer wieder irgendwie ins Gespräch gebracht und dadurch von den Steuerzahlern verinnerlicht wird.
In der vergangenen Woche ergab sich abermals die Möglichkeit, den lunaren Südpol in das Gesichtsfeld der Bevölkerung zu rücken, als Wissenschaftler des zur Nasa gehörenden Jet Propulsion Laboratory (JPL) ein neues, aus Radardaten zusammengesetztes Bildmosaik der Gegend veröffentlichen wollten. Schon Tage vorher wurde auf eine dafür geplante Pressekonferenz verwiesen und unter den Journalisten eine entsprechende Spannung aufgebaut.
Grandios klingenden „Neuigkeiten“
Und natürlich wurde dann ein großartiges Ergebnis vorgestellt: Mit dem Goldstone Solar System Radar der Nasa habe man Bilder mit zwanzig Meter Auflösung pro Pixel erhalten – gegenüber der vorher besten Auflösung von einem Kilometer pro Pixel, mit der die Raumsonde Clementine 1994 das Gebiet am Mondsüdpol aufgenommen habe. Eine Steigerung des Detailreichtums auf das Fünfzigfache!
Die Region, so hieß es weiter, sei viel wilder, als man vorher gewusst habe. Die grandios klingenden „Neuigkeiten“ wurden im Internet vom JPL und vom Hauptquartier der Nasa verbreitet. Und sie waren offenbar für die Nasa selbst so überwältigend, dass man dort ganz betäubt davon war.
Wie anders ist es zu erklären, dass man beim JPL eine eigene Arbeit aus dem Jahr 1997 mit demselben Radar übersah, bei dem schon 75 Meter Auflösung pro Pixel erreicht worden waren? Es fehlten auch Hinweise auf eine Kartierung des lunaren Südpolargebiets im Jahr 2005 mit dem 305-Meter-Teleskop von Arecibo (Puerto Rico), die bereits zwanzig Meter Auflösung – und im übrigen keinerlei Hinweise auf Eis – ergeben hatte.
Der korrigierte Sachverhalt
Man wird ja wohl nicht unterstellen wollen, die „Werbe“-Aktionen der Nasa würden von Schülern veranstaltet, denen man es eher nachsieht, wenn sie frühere Forschungsergebnisse nicht kennen. Oder gar Absicht. Seien wir großzügig – zumindest auf der Wissenschaftsseite im Internetportal des Nasa-Hauptquartiers, anders als auf den andern Internetseiten, ist seit Freitag der korrigierte Sachverhalt nachzulesen. Hoffentlich plant die Nasa die Rückkehr von Astronauten zum Mond sorgfältiger als ihre Verlautbarungen. Sonst geht den Raumfahrern schnell die Atemluft aus.