05.11.2010 · Als sprudelnde Gasquelle erscheint der Kopf des Kometen Hartley aus der Nähe. Die Hantelform scheint für solche Objekte nicht untypisch zu sein. Am Donnerstagnachmittag ist die amerikanische Raumsonde Epoxi an dem kleinen Himmelskörper vorbeigerast und hat ihn fotografiert.
G.P. FRANKFURT, 4. November. In einem Abstand von nur etwa 700 Kilometern ist die amerikanische Raumsonde Epoxi am Donnerstag kurz nach 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit an dem zwei Kilometer langen Kern des Kometen Hartley 2 vorbeigeflogen. Die Bilder, die in einer Liveübertragung zu sehen waren, zeigen ein Objekt, das in der Mitte schmaler ist als an seinen Enden. Eine ähnliche Form hat auch der Kern des Halleyschen Kometen, den die europäische Raumsonde Giotto im Jahr 1986 im Vorbeiflug fotografiert hatte.
Die Raumsonde Epoxi ist Ende Dezember 2004 unter der damaligen Bezeichnung Deep Impact gestartet. Ihr Ziel war es, einen mitgeführten "Impaktor" auf dem Kern des Kometen Tempel 1 einschlagen zu lassen. Von der Beobachtung des dabei hochgeschleuderten Materials aus dem Innern des Objekts versprachen sich die Wissenschaftler wertvolle Hinweise auf die Beschaffenheit von Kometen, die die Verhältnisse in der Frühzeit des Sonnensystems spiegeln. Die sonst zu beobachtende Kometenmaterie von den Oberflächen dieser Himmelskörper ist allerdings durch den Einfluss der Sonnenstrahlung mehr oder weniger stark verändert worden.
Die Begegnung mit dem Kometen Tempel 1 Anfang Juli 2005 ist planmäßig verlaufen, so dass die Weltraumforscher einen Vorbeiflug an einem zweiten Kometenkern beschlossen. Sie wählten dazu nach umfassenden Bahnstudien den Kern von Hartley 2 aus, der momentan etwa 21 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Das Objekt ist in den vergangenen Wochen intensiv auch von der Erde aus verfolgt worden. Dabei wurde unter anderem der Ausstoß von Cyanid beobachtet - eines Gases, das man auch von andern Kometen her kennt. Überraschend war hingegen, dass zusammen mit dem Gas keine größeren Staubmengen freigesetzt wurden, wie das sonst bei Kometen üblich ist.