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Glosse : Wo seid ihr?

Die Planeten des ehemaligen Roten Riesen KOI-55 sind offenkundig äußerst robust. Bild: dapd

Die Entdeckung einer großen Zahl von Planeten in fernen Sonnensystemen hat die Suche nach intelligenten Außerirdischen beflügelt. Doch die Aliens lassen noch nichts von sich hören.

          Im Universum wimmelt es offenkundig nur so von Planeten, die um ferne fremde Sonnen kreisen. Das Weltraumteleskop „Kepler“ hat seit Beginn seiner Mission vor drei Jahren inzwischen fast achthundert Exoplaneten aufgespürt, knapp zweitausend Kandidaten warten auf ihre Bestätigung. Und fast jede Woche kommt eine weitere ferne Welt hinzu. Nach jüngsten Schätzungen von Astronomen der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa sollen allein in unserer Milchstraße Milliarden erdähnlicher Objekte existieren. Viele davon in bewohnbaren Zonen - in Zonen also, in denen Wasser flüssig und damit Leben möglich ist -, rein theoretisch zumindest. Die am nächsten gelegenen Planeten mit einem „gemäßigten“ Klima vermutet man in einer Entfernung von dreizehn Lichtjahren, also, in kosmischen Dimensionen gerechnet, gleich um die Ecke.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wundervolle Verheißungen somit auch für die Forscher des Seti-Projekts, die seit vielen Jahren in den Himmel spähen, in der Hoffnung, irgendwann ein kleines Zeichen von intelligenten Außerirdischen zu erhaschen. Waren die Alien-Jäger bislang gezwungen, eher willkürlich gewählte Himmelsregionen nach außerirdischer Intelligenz abzuklopfen, so ist man nun zur gezielten Rasterfahndung übergegangen. Jill Tartes vom Seti Institute und seine Kollegen haben jüngst 86 Sonnen genauer unter die Lupe genommen, bei denen man inzwischen recht sicher ist, dass sie von erdähnlichen Planeten in habitablen Zonen umkreist werden. Im Frühjahr 2011 richtete man das Green-Bank-Teleskop in West Virginia auf die entsprechenden Himmelsausschnitte und zeichnete schmalbandige Signale in einem Bereich von einem und zwei Gigahertz auf, die man von dort zu empfangen hoffte, wenn die Aliens etwa mit Handys telefonieren oder fernsehen. Denn in diesem engen Frequenzbereich funken normalerweise nur Mobiltelefone oder Fernseher, aber keine natürlichen Quellen.

          Und tatsächlich: Die Seti-Forscher wurden fündig, wie sie jetzt online im „Astrophysical Journal“ berichten. Sie identifizierten mehrere Dutzend Signale, die aus Richtung der Exoplaneten zu kommen schienen. Und wie es sich für echte Alien-Jäger geziemt, stufte man sie sogleich als möglichen Hinweis auf einen technisch versierten E.T. ein. Doch der Traum sollte nicht lange währen. Bei genauerer Analyse entpuppten sich die Signale nämlich als rein irdischen Ursprungs. Aber die Forscher geben sich nicht geschlagen.

          Dass man nun abermals kein Zeichen von intelligenten Außerirdischen registriert hat, sei keineswegs ein Beweis dafür, dass es sie da draußen nicht gebe. Nein, ganz im Gegenteil. Die Wahrscheinlichkeit betrage jetzt nur weniger als eins zu einer Million. Es sei schlicht eine Frage der Zeit und des Fortschritts in der Teleskoptechnik, bis man Kontakt zu Außerirdischen bekäme. So manch ein Lottospieler ist da wohl weniger zuversichtlich, dass er eines Tages tatsächlich die sechs Richtigen ankreuzen wird.

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