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Glosse Wir drucken uns ein Mondhäuschen

 ·  Die 3D-Drucktechnik wird immer beliebter. Das Verfahren könnte sogar für den Bau einer künftigen Mondbasis genutzt werden.

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Mondfahrerträume oder Hybris? Offenkundig von beiden Regungen scheinen einige Wissenschaftler der europäischen Raumfahrtbehörde Esa nicht ganz frei zu sein, wenn sie über die Besiedlung unseres Trabanten sinnieren. Wenn man auch noch nicht weiß, wie und wann die nächste Reise zum Mond erfolgen soll, so haben sie zumindest bereits konkrete Vorstellungen darüber, wie die ersten Kolonisten dort wohnen werden: in Iglus, die sie mit 3D-Druckern selbst vor Ort gebaut haben. Was nach Science-Fiction klingt, beginnt auf der Erde bereits erste Formen anzunehmen.

Mit dem D-Shape TM-Drucker eines britischen Unternehmens (Monolite), mit dem man normalerweise Skulpturen oder künstliche Korallenriffe herstellt, ist bereits der erste Rohling - eine 1,5 Tonnen schwere, hohle Steinstruktur - für ein potentielles Mondhaus gefertigt worden. Als Baumaterial wurde künstliches Mondgestein verwendet, auf das eine strukturformende Tinte gespritzt wurde. Dank eines beigemischten Salzes härtete das Regolith aus. Etwa eine Stunde würde es dauern, bis ein zwei Meter großer Gesteinsbrocken fertiggestellt ist. Somit könne man innerhalb einer Woche ein komplettes Mondhaus fertigstellen.

Der nächste große Schritt

Gegen die Tücken des Vakuums auf dem Mond, das jede Flüssigkeit sofort verdampfen lässt, hätte man auch bereits eine Lösung gefunden. Indem man die Düsen des Druckers unter der Regolithschicht anbringt, wirkten Kapillarkräfte auf die Flüssigkeitströpfchen, die das Verdampfen verhindern würden. Wahrscheinlich liegen die Pläne für eine komplette Mondbasis bereits fertig in irgendeiner Schublade. Nun braucht es nur noch spendable Förderer und mutige Raumfahrer für den nächsten großen Schritt der Menschheit.

Derzeit keine europäische Mondmission

Dass die europäische Raumfahrt zumindest dieses Jahrzehnt noch nicht einmal eine unbemannte Mission zum Mond schicken wird, hat am vergangenen Montag Thomas Reiter, Direktor der Esa-Niederlassung, Esoc, in Darmstadt auf einer Pressekonferenz (siehe Video) bekräftigt. Es fehlt vor allem am Willen der ESA-Mitgliedsstaaten  und an den Mitteln,  um solch ein Projekt auf den Weg bringen zu können.

Europäisches Service-Modul für die Nasa

Andererseits wird man für das  geplante bemannte Weltraumfahrzeug „Orion“ der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa ein Servicemodul entwickeln. Dieses wird auf der Grundlage des Automatischen Raumfrachters ATV beruhen, dessen vierte Version  im April zur Internationalen Raumstation ISS starten wird, um die Besatzung mit wichtigen Gütern und Lebensmitteln und Wasser zu versorgen. Vielleicht ist das ein indirekter Weg  für Europa zu einer bemannten Mondreise?

  

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