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Glosse Marsschreier

Der Rover „Curiosity“, der seit August den Roten Planeten erkundet, ist für die Nasa eine Erfolgsgeschichte und ein Rettungsanker zugleich. Doch die PR-Maschine der amerikanischen Weltraumbehörde droht sich zu verselbständigen.

© Foto Nasa, JPL Vergrößern Zwei Stellen im Marsboden (Ort: „Rocknest“), an denen der „Curiosity“ mit seiner kleinen Schaufel Bodenproben entnommen hat. Der feinkörnige Sand (Korngröße: 0.5 bis 1,5 Millimeter) ist mit feinem Staub bedeckt, was dem Marboden, den hellbraunen, leicht rötlichen Farbton verleiht. Der eigentliche Sand bildet eine dunkle 0.5 Zentimeter dicke Kruste.

Das Space-Shuttle-Programm eingestellt, das Budget empfindlich gekürzt, explodierende Kosten beim James-Webb-Teleskop, tiefe Einschnitte beim Raumfahrtprogramm - das Selbstbewusstsein der Nasa war Anfang dieses Jahres mächtig angekratzt. Doch dann landete Anfang August der Rover „Curiosity“ wohlbehalten auf dem Roten Planeten, und plötzlich wendete sich das Blatt wieder zum Guten. Die glorreichen Tage vergangener Zeiten der amerikanischen Raumfahrtbehörde schienen endlich zurückgekehrt.

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Und so reaktivierte die Nasa eiligst ihre PR-Maschinerie und rührt jetzt kräftig die Werbetrommel. Fast jede Woche lädt man inzwischen wieder zur Pressekonferenz, um die jüngsten Bilder von der Marsoberfläche zu präsentieren und freudig zu verkünden, wie viele Meter der kleinwagengroße Rover inzwischen zurückgelegt hat, wo er sich im Gale-Krater gerade befindet und was er auf seinem Weg mit seinem Roboterarm schon alles aufgestöbert hat: Sand und Staub sowie zahlreiche Kieselsteine und Sedimente, die man als deutliche Hinweise dafür wertet, dass es einmal größere  Mengen an Wasser auf dem Mars gab. Eine nicht ganz neue Erkenntnis.  Fehlanzeige allerdings, was Methan und andere organische Moleküle in der Atmosphäre betrifft. Eine herbe Enttäuschung für all jene, die auf Spuren von Leben warten.

Mars, Rover, Curiosity: Natur und Wissenschaft, Weltraum  Die Strecke, die Curisity seit August 2012 zurückgelegt hat. © Nasa, JPL Bilderstrecke 

Doch dann kam vergangene Woche die „ frohe Botschaft“: Der Rover habe etwas Großartiges entdeckt, versprach John Grotzinger, Manager der Nasa, vollmundig im Vorfeld einer Pressekonferenz auf der Jahrestagung der renommierten Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft in San Francisco. Die umgehend herbeigeeilten Journalisten mussten jedoch lange warten, bis sie von der vermeintlichen Sensation erfuhren. „Curiosity“ habe in den Bodenproben neben Sauerstoff und Chlor auch einfache Kohlenstoff-Verbindungen gefunden, hieß es dann schließlich. Letztere  könnte Grundlage organischer Substanzen sein, aber auch einen anderen Ursprung  haben oder könnten gar irdischen Ursprungs sein und mit dem Rover zum Mars transportiert worden sein, räumten die Nasa-Wissenschaftler sofort ein und ließen die aufkommenden Träume von Marsleben sogleich wieder platzen. Finstere Erinnerungen werden wieder wach: Bakterienspuren auf einem Marsmeteoriten, fließendes Wasser auf dem Mars, eine neue Lebensform in einem kalifornischen Salzsee - die Liste der niemals eingelösten Nasa-Ankündigungen ist lang. Offenkundig drohen bei „Curiosity“ ähnliche Fehler. Ihre Erfolgssucht könnte der Nasa noch zum Verhängnis werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 05.12.2012, 13:18 Uhr

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