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Glosse Higgs hebt ab

06.12.2011 ·  Ein Gerücht geht um: Hat man am europäischen Forschungszentrum Cern bei Genf endlich das lang gesuchte Higgs-Teilchen nachgewiesen? Die Nachrichten überschlagen sich.

Von Manfred Lindinger
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Higgs, Higgs, Higgs, das Higgs ist entdeckt! Plötzlich ist die Nachricht im Netz und damit in der Welt. Die Gerüchteküche auf der Internetplattform "Twitter" brodelte tagelang. Die Kurzmeldungen im SMS-Format überschlugen sich. Fast jede Minute ein neuer Eintrag. Alle mit mehr oder weniger gleichem Inhalt: Am Teilchenbeschleuniger LHC, dem Flaggschiff des europäischen Forschungszentrums Cern bei Genf, habe man Spuren des Higgs-Bosons gefunden.

Signal bei 125 GeV?

Fast scheint es, als ob die Netzgemeinde auf der Lauer gelegen und nur auf diese erlösende Nachricht gewartet hat. Denn nach dem Higgs, das schlüssig erklären kann, warum die Elementarteilchen überhaupt eine Masse haben, suchen die Teilchenphysiker schon seit fast vierzig Jahren - bislang allerdings vergeblich. Einige Blogger wissen bereits mehr: Bei einer Energie um 125 Gigaelektronenvolt (GeV) hätte sich das Higgs in den beiden Experimenten Atlas und CMS gezeigt. Das wäre also ziemlich genau in dem Energiebereich, in dem man zuletzt gehofft hat, das leichte Higgs-Teilchen zu finden, welches das Standardmodell der Teilchenphysik voraussagt (siehe F.A.Z. vom 5. Oktober).

Ganz im Vertrauen

Die Initialzündung lieferte eine vertrauliche Mitteilung des Cern-Chefs Rolf Heuer, der alle Kollegen zu einem Seminar am 13. Dezember einlädt, "auf dem die Experimente Atlas und CMS die neuesten Ergebnisse jüngster Messungen vorstellen werden". Die Befunde stellten wesentliche Fortschritte bei der Suche nach dem Higgs-Boson dar, seien aber nicht stark genug, um Aussagen über die Existenz oder Nichtexistenz des Higgs machen zu können.

Zu früh gefreut

Also doch wahrscheinlich nur wieder ein Hinweis und keine Entdeckung? Im Cern selbst hält man sich offiziell bislang eher bedeckt. Schon einmal hatten sich in diesem Jahr Hoffnungen zerschlagen, die Masse des  Higgs-Teilchen könnte zwischen 135 und 145 GeV liegen. Denn die Voraussetzungen, damit  eine vermeintliche Beobachtung zu einer wirklichen Entdeckung wird, sind streng: Es  gilt die sogenannte Fünf-Sigma-Regel. Das heißt, es muss mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Ergebnis nicht nur um eine statistische Fluktuation der Daten  handelt.

Die Shakespeare-Frage

Die Resultate seien wichtig und entsprächen den Erwartungen der Wissenschaftler, hört man zumindest von einer internen Quelle.Allmählich kühlt sich auch die überhitzte Twitter-Maschinerie wieder ab. Die Entdeckung wäre ja auch eine zu schöne Weihnachtsbescherung gewesen. Kein Grund jedoch, die Zuversicht zu verlieren. Schreiben wir das Higgs-Teilchen einfach mal ganz oben auf die Wunschliste fürs kommende Jahr. Denn dann schlägt die Stunde der Wahrheit für Higgs: "To be or not to be."

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Jahrgang 1962, Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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