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Glosse : Aufstand im All

  • -Aktualisiert am

Der Gasplanet Jupiter in voller Pracht Bild: Foto Nasa

Was wird das nächste große Projekt der europäischen Raumfahrtbehörde? Zu den Jupitermonden oder ein Röntgenteleskop? Zuerst geht’s zum Hornberger Schießen.

          Wer zeit seines Lebens ein Schürzenjäger war, lässt sich in reifen Jahren selten gerne in ein Kloster stecken. Und wer sich ein Vierteljahrhundert lang der Röntgenastronomie gewidmet hat, ist davon auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn nur schwer abzubringen - insbesondere, wenn ihm sein Beruf Spaß macht. Es ist deshalb verständlich, dass derzeit mindestens ein Astronom grollt: Paul Nandra, in England geboren, sonst aber Weltbürger und unter anderem am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik zu Hause. Ihn quält es, dass ein Beraterkomitee der europäischen Raumfahrtbehörde Esa gerade empfohlen hat, in ihrem „CosmicVisions“-Programm für Großprojekte eine Raumsonde zu bauen, die drei der Galileischen Jupitermonde - Ganymed, Europa und Kallisto - aufs Korn nehmen soll.

          Mit Juice zum Jupiter

          Auf allen dreien vermuten einige Wissenschaftler unter ihren dicken Eishüllen Meere, in denen sich exotische Formen einfachsten Lebens oder zumindest weit fortgeschrittene Vorstufen davon entwickelt haben. Als Konkurrenz für diese Jupitermission Juice - was nur der Laie als „Saft“ versteht; für den Astronomen ist es die Abkürzung von „Jupiter Icymoon Explorer“ - stand dem Komitee ein Gravitationswellen-Teleskop im Weltraum (NGO) und ein großes Röntgenobservatorium - Athena - zur Auswahl. Ozeane unter dem Eis? Leben auf Jupitermonden? Dem passionierten Röntgenastronomen Nandra scheint der Sinn nicht nach solchen Spekulationen zu stehen. Für ihn ist die Röntgenastronomie, die gerade am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik unter Joachim Trümper einsame Höhen erreicht hat, handfester und wesentlich vielseitiger als die Suche nach . . . Ja, nach was eigentlich? Und so haben er und seine Kollegen mit einer Kampfansage reagiert und die Astronomen weltweit zu einer Unterschriftenaktion für Athena aufgerufen.

          Unterschreibt alle hier!

          Eine Abwägung gegen die beiden anderen Projekte fehlt natürlich; denn man kann schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die vorausgegangene Empfehlung des Beraterkomitees, der die Entscheidung des Programmkomitees der Esa am 2. Mai folgen soll, trägt deshalb stark subjektive Züge - und ebenso die Reaktion darauf. So, wie jetzt mittlerweile mehr als 1300 Astronomen - aus der Volksrepublik China ebenso wie aus der Ukraine und Estland - den Aufruf unterschrieben haben, hätten sich andere Forscher auch für das Projekt Juice gewinnen lassen. Das erinnert doch stark an das Hornberger Schießen.

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