27.01.2004 · Im Juni schickten Europäer und Amerikaner drei Raumsonden zum Planeten Mars. Die Europäer wollen ein Landegerät mit einem kleinen Biolabor auf dem Himmelskörper absetzen.
Von Günter PaulDer Planet Mars hat, nicht zuletzt wegen seiner rötlichen Färbung, schon frühzeitig die Phantasie der Menschen angeregt. In der Antike wurde er mit dem Gott des Krieges in Verbindung gebracht. In der Neuzeit erkannten die Astronomen, daß er manches mit unserem Heimatplaneten gemein hat. Sollte sich auf seiner Oberfläche gar - wie auf der Erde - Leben entwickelt haben? Diese Frage wird insbesondere seit dem August 1996 wieder kontrovers diskutiert, als amerikanische Forscher um David McKay behaupteten, in dem Marsmeteoriten ALH84001 hätten sie Spuren fossilen Mikrolebens entdeckt. Den damals versprochenen Beweis - die Zellwände sichtbar zu machen - sind sie allerdings schuldig geblieben, obwohl sie behaupteten, über die dafür notwendigen Instrumente zu verfügen. Gleichwohl werden im Juni drei Raumsonden zum roten Planeten aufbrechen, die speziell der Frage nachgehen sollen, ob die Bedingungen auf seiner Oberfläche in der Vergangenheit für Organismen förderlich waren.
Über eins jedenfalls sind sich die Wissenschaftler heutzutage einig: Höher entwickeltes Leben hat es auf dem Mars nie gegeben. Frühere Forscher waren sich da nicht so sicher. Als der Mailänder Astronom Giovanni Schiaparelli im Jahr 1877 schnurgerade Linien auf dem Planeten ausmachte, die dunkle Flecken miteinander zu verbinden schienen, kam bei einigen Forschern die Vermutung auf, es handele sich um Kanäle für die künstliche Bewässerung. Statt dessen entpuppten sich die Linien als optische Täuschung.
Wüsten statt Algen
Auch ein anderer Befund hatte die Forscher in die Irre geführt. Auf dem Mars gibt es dunkle Regionen, die sich jahreszeitlich verfärben, gelegentlich sogar grünlich werden, als breite sich unter günstigen Bedingungen eine Pflanzendecke aus. Noch 1958 ließen sich Messungen des Reflexionsverhaltens in diesem Sinne interpretieren. Doch wieder folgte die Ernüchterung. Die ersten Raumsonden, die (seit 1965) am Mars vorbeiflogen und ihn aus der Nähe fotografierten, ließen nur eine öde, offensichtlich leblose Welt erkennen. Zunächst waren es fast ausschließlich Einschlagkrater, die man auf den Bildern sah. Später wurden auch trostlose Wüsten und zum Teil gigantische erloschene Vulkane erkennbar. Allerdings auch Strukturen, die ausgetrockneten Flußbetten ähnelten. Vieles deutet mittlerweile darauf hin, daß es auf dem Mars einst Wasser in flüssiger Form gegeben hat - eine der Grundvoraussetzungen für Leben.
Im Sommer 1976 landeten zwei amerikanische Biolabors, Viking 1 und Viking 2, auf dem roten Planeten, um nach Anzeichen für die Existenz von Mikroorganismen zu suchen. Unter anderem hätten sich in diesen Labors bei der Untersuchung von Bodenproben typische Stoffwechselprodukte nachweisen lassen. Fündig geworden sind die Wissenschaftler jedoch nicht. Die europäischen Wissenschaftler wollen jetzt an diese Versuche anknüpfen. Das Landegerät der europäischen Sonde Mars Express, die am 2. Juni als erste der drei für den Flug bereitstehenden Marssonden ihre Reise zum roten Planeten antreten soll, hat auch wieder ein - wenngleich kleines - Labor an Bord.
Mars-Express und Beagle sollen den Mars erkunden
Der Mars Express, die erste europäische Mission zum roten Planeten, gehört zusammen mit dem Landegerät Beagle 2. Der Name dieses Instrumententrägers ist eine Reverenz an Charles Darwin, der an Bord des Segelschiffes Beagle zu den Galapagos-Inseln gelangte. Seine dortigen Beobachtungen, insbesondere an Finken, sind zu den Pfeilern seiner Evolutionstheorie geworden.
Auch die mit dem Mars Express vorgesehenen Messungen stehen im Zusammenhang mit der Frage nach eventuellem früherem Leben auf dem Mars oder zumindest den Voraussetzungen dafür. Mit dem "Energetic Neutral Atoms Analyser" des Orbiters zum Beispiel wollen die Forscher klären, in welcher Weise der Sonnenwind die Marsatmosphäre beeinflußt. Unter anderem geht es darum, wie der Wasserdampf aus der Atmosphäre des Planeten verschwunden ist. Radarmessungen sollen zeigen, ob und gegebenenfalls wo sich im Gestein der obersten Marskruste noch Wasser verbirgt. Bis in drei Kilometer Tiefe wird man erkennen, ob der Boden trocken, gefroren oder feucht ist. Mit verschiedenen Spektrometern des Orbiters sollen die Oberfläche und die Atmosphäre des Planeten erkundet werden, und eine deutsche Kamera wird dreidimensionale Bilder des Mars in bisher unerreichter Qualität liefern, wobei noch zwei Meter große Strukturen als Pixel erfaßt werden können.