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Extrasolare Planeten : Erde 2.0 gesichtet?

So könnte es auf Proxima Centauri b aussehen Bild: Eso, M. Kornmesser

Einen extrasolaren Planeten, der Ähnlichkeit mit unserem Heimatplanet hat, haben Astronomen in kosmischer Nachbarschaft erspäht. Er umkreist den Zwergstern Proxima Centauri in 4,2 Lichtjahren Entfernung.

          Die jahrelange Suche nach einer „zweiten“ Erde scheint endlich von Erfolg gekrönt zu sein. So hat eine internationale Astronomengruppe der Europäischen Südsternwarte Eso offenbar einen Gesteinsplaneten entdeckt, der etwa die Masse der Erde besitzt. Eine weitere Besonderheit: Der extrasolare Trabant kreist um den nur 4,2 Lichtjahre entfernten Stern „Proxima Centauri“ und befindet sich damit gewissermaßen in kosmischer Nachbarschaft. Denn Proxima Centauri ist nach unserer Sonne der erdnächste Stern. Ob auf der fernen Welt flüssiges Wasser oder gar eine uns bekannte Form von Leben zu erwarten ist, entzieht sich dem derzeitigen Kenntnisstand. Zumindest herrsche nach Aussagen der Forscher um Guillem Anglada-Escudé von der Queen Mary University auf der Oberfläche des Planeten, der „Proxima Centauri b“ getauft wurde, eine Temperatur, bei der Wasser normalerweise flüssig ist.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Proxima Centauri, in der Nähe des leuchtstarken Doppelsternsystems Alpha Centauri am Südhimmel gelegen, ist ein lichtschwacher Roter Zwerg. Aus diesem Grund ist er im Gegensatz zu Alpha Centauri  nicht mit bloßen Augen zu sehen. Die Oberflächen-Temperatur von Proxima Centauri beträgt nur etwa 3.300 Grad Celsius, sein Radius misst 14 Prozent des Sonnenradius, seine Masse beläuft sich auf etwa 12 Prozent der Sonnenmasse. Schon seit einigen Jahren richten die Astronomen ihre Teleskope immer wieder in Richtung Sternbild Zentaur, um dort einen oder sogar mehrere extrasolare Planeten in der Nähe unseres Sonnensystems aufzuspüren.

          Die nächsten Nachbarn von der Sonne

          Diese Trabanten könnten dann – so die Hoffnung – außerhalb unseres Sonnensystems die nächstgelegenen Orte im Universum sein, auf denen möglicherweise Leben existiert. Und tatsächlich vermeldeten vor vier Jahren Forscher von der Universität Grenoble, sie hätten Hinweise auf die Existenz eines Exoplaneten bei Alpha Centauri B gefunden, den sonnenähnlichen Partner von Alpha Centauri A. Die Freude war groß. Doch die Entdeckung entpuppte sich als Messfehler, nach dem  eine andere Gruppe die Beobachtungsdaten genauer unter die Lupe genommen hatte.

          Verräterische Taumelbewegung

          Ein ähnliches Schicksal scheint dem Begleiter von Proxima Centauri b erspart zu bleiben, denn er ist von mehreren Astronomen gleichzeitig ins Visier genommen und als echter Planet bestätigt worden. „Die ersten deutlichen Hinweise, dass Proxima Centauri von einem Planeten umkreist wird, fanden wir im Jahr 2013 nach vielen Jahren regelmäßiger Beobachtung. Doch die Befunde  waren für uns nicht überzeugend genug“, sagt Anglada-Escudé. Die Astronomen haben daraufhin weitere Forschergruppen der Eso gefragt, ob sie ihre Teleskope ebenfalls in Richtung Proxima Centauri richten könnten. So wurde die Beobachtungskampagne „Pale Red Dot“ ins Leben gerufen, die Anfang dieses Jahres anlief. Während Anglada-Esccudé und seine Kollegen mit dem Harps-Spektrographen des 3,6-Meter-Teleskops am La Silla-Observatorium in Chile immer wieder in Richtung Proxi Centauri spähten, beobachteten andere Gruppe mit ihren eigenen Instrumenten, ob der Zwergstern einen Begleiter hat. Anglada-Esccudé haben wie bei ihren ersten Beobachtungen das Emissionsspektrum von Proxima Centauri gemessen, nur dieses Mal deutlich präziser.

          Der Rote Zwerg Proxima Centauri, 4,2 Lichtjahre von der Erde entfernt, aufgenommen mit dem Weltraumteleskop Hubble. Rechts sind zwei Hintergrundsterne zu sehen.

          Sie beobachteten eine auffällige periodische Verschiebung der Spektallinien, verursacht durch die charakteristische Taumelbewegung des Zwergsterns: Bewegt sich ein Stern aufgrund der Anziehungskraft eines um ihn kreisenden Planeten periodisch vor und zurück, werden auch die Spektrallinien aufgrund des Dopplereffekts abwechselnd in Richtung rote und blaue Wellenlängen verschoben. Ein Standardverfahren, mit dem man 1995 den ersten Exoplaneten aufgespürt hat.

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