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Exoplaneten Gibt es Leben auf der „neuen Erde“?

26.04.2007 ·  Ist der neu entdeckte extrasolare Planet eine zweite Erde? Angesichts der dort vermutlich herrschenden Bedingungen ist nicht ausgeschlossen, dass es flüssiges Wasser gibt. Die Debatte über die Existenz außerirdischen Lebens erhält dadurch einen neuen Schub.

Von Günter Paul
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Ganz vertraut klingt es, was die Astronomen jetzt zu Gliese 581c zu sagen haben, dem kleinen Planeten, den Forscher um Stéphane Udry von der Genfer Sternwarte in einer Umlaufbahn um den zwanzig Lichtjahre von der Erde entfernten roten Zwergstern Gliese 581 entdeckt haben. Wenngleich nur spektroskopisch. Bei den Bildern, die im Fernsehen und anderswo gezeigt wurden, handelt es sich um künstlerische Impressionen. Ungefähr anderthalbmal so groß wie unser Heimatplanet sei das Objekt, und auf seiner Oberfläche herrschten Temperaturen zwischen null und vierzig Grad. Wasser käme dort - wenn es denn überhaupt anzutreffen sei - in flüssigem Zustand vor. Ganz passabel also. Zumindest bewege sich der Himmelskörper in einem Abstand von seinem Zentralgestirn, in dem Leben von den Temperaturen her existieren könnte - in der Ökosphäre. Ob auch andere Bedingungen für Leben erfüllt sind, bleibt offen. Eine Atmosphäre aus giftigen Gasen jedenfalls würde jedes Leben ersticken.

Seit fast einem halben Jahrhundert gehen die Wissenschaftler, mit immer besseren Beobachtungstechniken ausgestattet, der Frage nach, ob es auch außerhalb des Sonnensystems Leben, eventuell sogar intelligentes, geben kann und ob wir irgendwann einmal Kontakt aufnehmen könnten. Die Mehrheit der Astronomen jedenfalls neigt dazu, in Gedanken die kopernikanische Revolution zu beenden. Nikolaus Kopernikus hat der Erde ihre Einzigkeit genommen und sie als Planeten aus dem Zentrum des Universums verbannt. Später wurde die Sonne als einer von Abermilliarden Sternen und die Milchstraße als eine von Abermilliarden Galaxien erkannt, warum sollte also das Leben auf der Erde einzigartig sein.

Antwort in 45.000 Jahren

Im November 1960 stellte Frank Drake von der Cornell University auf einer Konferenz in Green Bank (West Virginia) eine Gleichung vor, mit der sich - allerdings miserabel schlecht - die Zahl der möglichen Lebensformen und Intelligenzen im Universum abschätzen ließe. Er löste alles in Teilfragen auf: Wie groß sind die Wahrscheinlichkeiten, dass ein Stern überhaupt Planeten hat, dass sich diese in einer von der Temperatur her - immerhin muss flüssiges Wasser existieren können - bewohnbaren Zone bewegen, dass unter derartigen Bedingungen tatsächlich Leben entsteht und so weiter. Speziell diese Frage nach der Entstehung von Leben lässt sich, solange das irdische das einzig bekannte ist, kaum beantworten.

Im selben Jahr begann Drake mit dem ersten Seti-Projekt („Search for Extra Terrestrial Intelligence“), dem mittlerweile zahlreiche mit wesentlich besserer technischer Ausstattung gefolgt sind. Er richtete das Radioteleskop von Green Bank auf die beiden uns benachbarten Sterne Tau Ceti und Epsilon Eridani, um nach Signalen von intelligenten Lebewesen zu suchen. 1974 wurde mit dem Radioteleskop von Arecibo (Puerto Rico) erstmals sogar eine von ihm entwickelte Botschaft an mögliche Außerirdische ausgestrahlt - zum Kugelsternhaufen M 13. Eine Antwort könnte jedoch erst in etwa 45.000 Jahren die Erde erreichen.

Astronomen müssen Modell ändern

Im Jahr 1963 erregte Peter van de Kamp vom Sproul-Observatorium in Pennsylvania einiges Aufsehen mit der Behauptung, er habe ein kaum wahrnehmbares Schlingern von Barnards Pfeilstern - der nur sechs Lichtjahre von uns entfernt ist - entdeckt, und daraus lasse sich die Existenz jupitergroßer Begleiter herleiten. In den achtziger Jahren setzte sich schließlich die Erkenntnis durch, das Schlingern sei nur durch einen systematischen Messfehler vorgetäuscht worden. Erst in den neunziger Jahren war die Technik so weit fortgeschritten, dass die Suche nach Exoplaneten Erfolg versprach. 1995 entdeckten Michel Mayor von der Genfer Sternwarte und sein Kollege Didier Queloz das erste Exemplar - einen jupitergroßen Begleiter des Sterns 51 Pegasi. Mit demselben Verfahren sind die mehr als zweihundert Exoplaneten, die man mittlerweile kennt, aufgespürt worden. Eine andere Methode besteht darin, nach dem Vorbeiziehen eines Planeten vor einem Stern zu suchen.

Fast alle bislang georteten Exoplaneten bestehen nur aus Gas und sind mindestens so groß wie der Jupiter. Außerdem bewegen sich die meisten nahe an ihrem Zentralstern. Um das zu erklären, mussten die Astronomen, die bis dahin nur das Sonnensystem kannten, ihre Modelle ändern. Immerhin besteht nun die Möglichkeit, aufgrund der Statistik Drakes erste Frage zumindest in erster Näherung zu beantworten: wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Stern überhaupt Planeten hat.

Die nächsten Fragen, deren Antworten jetzt außerordentlich interessieren, betreffen den Anteil der Planeten mit fester Oberfläche - also der kleinen, erdähnlichen Planeten - und von denen wiederum den Anteil, der sich in den Ökosphären der Sternsysteme bewegt. Gliese 581c ist der erste Schritt in diese Richtung. In welchem Abstand vom Stern eine Ökosphäre verläuft, ist allerdings von vielem abhängig und deshalb oft nicht leicht zu erkennen, zum Beispiel von der Atmosphäre. Eine künstliche Erwärmung des Klimas durch Intelligenzen etwa könnte die Bedingungen radikal verändern.

Quelle: F.A.Z., 26.04.2007, Nr. 97 / Seite 33
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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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