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Exoplaneten : Planetare Hitzehölle

So könnte das Planetensystem Kelt-9 aussehen. Auf der Oberfläche des Planeten Kelt-9b herrschen Temperaturen, wie sie sonst nur von Sternen erreicht werden. Bild: Robert Hurt / NASA/JPL-Caltech

Nicht alle Exoplaneten, die derzeit entdeckt werden, ähneln den Planeten unseres Sonnensystems. Nun wurde ein Planet gefunden, der extremer ist als alle bisher bekannten.

          Die Frage, ob ein Exoplanet potentiell lebensfreundlich ist, spielt für unsere Suche nach fremden Planetensystemen eine wichtige Rolle – nicht zuletzt, da wir uns von der Entdeckung erdähnlicher Himmelskörper Hinweise auf unsere eigene kosmische Vergangenheit versprechen. Um aber ganz allgemein zu verstehen, wie und unter welchen Bedingungen Planeten entstehen, ist auch die Untersuchung planetarer Systeme von Interesse, deren Aufbau und physikalische Bedingungen denjenigen unseres Sonnensystems vollkommen unähnlich sind.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ein solches System wurde nun von einer internationalen Gruppe von Astronomen im Sternbild Schwan etwa 650 Lichtjahre von der Erde entfernt entdeckt, wie in der Zeitschrift „Nature“ berichtet wird. Der massereiche Zentralstern „Kelt-9“ besitzt eine Temperatur von etwa 10 000 Grad Celsius und ist damit der heißeste Stern, der bislang als Zentrum eines Exoplanetensystems gefunden wurde. Er wird in großer Nähe von einem Gasplaneten umkreist, dessen Temperatur auf der dem Stern zugewandten Seite mehr als 4000 Grad Celsius beträgt. Damit ist der Planet Kelt-9b so heiß wie einige Sterne. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist lediglich 1200 Grad heißer.

          Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur muss die Atmosphäre des Planeten gänzlich anders zusammengesetzt sein als die aller bislang bekannten Planeten: Moleküle können hier nicht existieren, das atmosphärische Gas ist vermutlich vollständig in seine atomaren Bestandteile zerlegt. Doch nicht nur seine hohe Temperatur macht Kelt-9b zu einem so extremen Ort. Gleichzeitig ist der Planet auf dem nur eineinhalb Tage dauernden Orbit um seinen Heimatstern dessen intensiver, hochenergetischer UV-Strahlung ausgesetzt. Diese Strahlung bläst Teile der planetaren Gashülle davon.

          In einigen zehntausend Jahren könnte dieser Vorgang dem Planeten die gesamte Atmosphäre rauben. In diesem Zeitraum wird der Zentralstern allerdings auch den verfügbaren Brennstoff für sein zentrales Wasserstoffbrennen erschöpft haben, sich zu einem roten Riesen ausdehnen und seinen planetaren Begleiter schlucken. Tatsächlich hatte man bei bisherigen Beobachtungen anderer massereicher Sterne, die ihr Wasserstoffbrennen bereits hinter sich haben, weniger kurzperiodische Gasriesen nachgewiesen, als man theoretisch erwarten würde. Die Entdeckung von Kelt-9 als vermutlicher Vorläufer eines solchen Systems könnte dieses Defizit erklären: Die fehlenden Planeten könnten genauso von der Strahlung des Zentralsterns abgetragen oder von ihm geschluckt worden sein.

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