http://www.faz.net/-gwz-8ept1

ExoMars gestartet : Europa ist unterwegs zum Roten Planeten

Die Proton-Trägerrakete transportiert den Spurengas-Orbiter ins All. Bild: AP

Die Esa und Roskosmos wollen gemeinsam den Mars erforschen und nach Spuren von Leben suchen. Der erste Kundschafter der ExoMars-Mission ist heute gestartet. Ein Rover soll 2018 zum Roten Planeten aufbrechen.

          Mit großer Spannung haben die europäische Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos auf den Countdown ihrer ersten gemeinsamen Mars-Mission „ExoMars“ an diesem Montagmorgen gewartet. Als die Proton-Trägerrakete mit ihrer kostbaren Fracht schließlich um 10.31 Uhr mitteleuropäischer Zeit sicher vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abhob, jubelten die an ExoMars beteiligten Wissenschaftlern und Technikern in den Kontrollzentren in Europa und Russland. An der Spitze der Rakete befinden sich der vier Tonnen schwere Spurengas-Orbiter TGO (Trace Gas Orbiter) und das Landemodul „Schiaparelli“. Der Orbiter soll  – nach dem er sein Ziel Mitte Oktober erreicht hat –  den Roten Planeten in einer Höhe von rund 400 Kilometern umkreisen und dessen Atmosphäre nach Signaturen untersuchen, die von existierendem oder ehemaligem Leben zeugen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Drei Tage vor Ankunft der TGO-Sonde im Herbst dieses Jahres schlägt die Stunde der Landeeinheit „Schiaparelli“. Sie wird voraussichtlich am 19. Oktober auf der Marsoberfläche abgesetzt. Mit der 600 Kilogramm schweren Sonde, die an Fallschirmen niedergehen wird, wollen Esa und Roskosmos Erfahrungen mit Landemanövern auf dem Mars sammeln und Techniken dafür testen.

          ExoMars 2016 - das Landemodul „Schiaparelli“ trennt sich vom „Trace Gas Orbiter“
          ExoMars 2016 - das Landemodul „Schiaparelli“ trennt sich vom „Trace Gas Orbiter“ : Bild: dpa

          Verläuft alles nach Plan, folgt nämlich in zwei Jahren der zweite Teil der ExoMars-Mission:  Ein Rover, der auf dem Planeten landet und die Oberfläche erkundet. Bislang ist das – abgesehen von einem russischen Versuch – nur der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa wirklich gelungen.

          Die schwierige Suche nach Partnern

          Sowohl für die Esa als auch für Roskosmos ist ExoMars ein weiterer  wichtiger Schritt in der eigenen Marsforschung. Zwar umkreist seit dem Jahr 2005 die europäische Sonde „Mars Express“ den Roten Planeten, dauerhaft hatten  bislang aber nur die Vereinigten Staaten erfolgreich Sonden und Rover auf dem Roten Planeten landen können – zuletzt  der Nasa-Marsroboter „Curiosity“ im Sommer 2012. Nun wollen Europa und Russland nachziehen.

          ExoMars-Mission : Rakete in Richtung Roter Planet gestartet

          Das mehrere Milliarden teure ExoMars-Projekt soll aber auch ein bewusstes Zeichen der Zusammenarbeit in einer von politischen Krisen überschatteten Zeit setzen.

          Seit rund fünfzehn Jahren laufen die Planungen für ExoMars, zunächst als gemeinsames Vorhaben mit der Nasa. Russland war erst 2013 in das Projekt eingestiegen, nachdem die Vereinigten Staaten 2011 wegen finanziellen Engpässen ausgestiegen waren. Dennoch hat die Nasa noch einzelne Instrumente beigesteuert. Zwar steht inzwischen auch Roskosmos wegen der schweren Wirtschaftskrise in Russland finanziell unter Druck, die Marsforschung ist dort aber bislang vom Rotstift verschont geblieben.

          ExoMars 2106- Der Spurengas-Orbiter umkreist den Roten Planeten und analysiert dessen Atmosphäre.
          ExoMars 2106- Der Spurengas-Orbiter umkreist den Roten Planeten und analysiert dessen Atmosphäre. : Bild: dpa

          Dem 3,5 Meter großen und rund vier Tonnen schweren Fluggerät  TGO kommt eine Schlüsselrolle beim ExoMars-Projekt zu. Bis mindestens 2022 soll der Orbiter um den Roten Planeten kreisen und die Zusammensetzung der Atmosphäre erforschen, aber auch das Eis in der Marsoberfläche analysieren. Die Esa hofft vor allem auf einen Nachweis von Methangas, das die Sonde „Mars Express“ vor einigen Jahren in der dünnen Lufthülle des Mars aufgespürt hat. Da Methanvorkommen auf der Erde in aller Regel biologischem Ursprungs sind, wären diese Quelle auch auf dem Mars nicht gänzlich ausgeschlossen.

          Man weiß zwar mittlerweile, dass es früher einmal große Mengen an Wasser auf der Marsoberfläche gab und noch Reste als Eis unter der Oberfläche vorhanden sind. Es ist aber immer noch die Frage offen, ob es tatsächlich Leben in irgendeiner Form oder noch Überreste davon auf dem Mars gibt. Aber so einfach ist die Angelegenheit nicht. Man muss gleichzeitig ausschließen, dass das chemisch gesehen organische Molekül aus einem Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatomen nicht irgend einen anorganischen Ursprung hat und etwa durch vulkanische Aktivität erzeugt worden ist. Mit ExoMars will man den möglichen Methanquellen auf den Grund gehen.

          Ein Roboter bohrt den Mars an

          Der Rover, dessen Start man für 2018 anvisiert, hat eine ähnliche Aufgabe. Er soll nach organischen Molekülen, die biologischen Ursprungs sind, unter der Marsoberfläche suchen und deren Isotopensignatur analysieren. Dazu wird der rollende Forschungsroboter mit einem Bohrer ausgestattet, der zwei Meter tief in die Marsoberfläche eindringen kann. Eine weitere Besonderheit: die Proben, die der Roboter in zwei Jahren einsammeln wird, sollen nach den Plänen der Esa im Jahr 2020 zur Erde befördert werden. Das wäre das erste Mal, dass man Gesteinsproben, die direkt vom Mars stammen, in irdischen Laboratorien untersucht.  

          ExoMars 2018 - in zwei Jahren soll ein europäischer Landeroboter den Mars erkunden und anbohren.
          ExoMars 2018 - in zwei Jahren soll ein europäischer Landeroboter den Mars erkunden und anbohren. : Bild: dpa

          Doch zunächst wird die  Raumsonde TGO in eine günstige Parkposition um die Erde gebracht, von wo aus sie die weitere Reise bestreitet. Dazu wird die Trägerrakete mit ihrer Oberstufe eine komplexe Flugsequenz ausführen, die bis zum Eintritt in eine Erdfluchtbahn mehr als elf Stunden in Anspruch nehmen wird. Nach der Trennung von der Oberstufe werden die Solarzellenausleger von TGO für die Stromversorgung ausgefahren. Anschließend werden die Flugingenieure am Europäischen Satellitenkontrollzentrum (Esoc)  in Darmstadt nach einer exakt vorgegebenen Programm die Bordsysteme des Orbiters in Betrieb nehmen. In der Nacht zum Dienstag wird die Sonde ihre Daten zu den Bodenstationen auf der Erde funken und damit bestätigen, dass Europa tatsächlich wieder auf dem Weg zum Mars ist.

          Der Mars in Zahlen

          Der Mars verdankt seinen Namen seiner durch große Mengen Eisenoxid (Rost) hervorgerufenen Farbe. Wegen seines roten Schimmers benannten die Römer den Nachbarplaneten der Erde einst nach ihrem Kriegsgott. Wichtige Daten zum Mars:

          •      Durchmesser: 6794 Kilometer (etwa die Hälfte des Erddurchmessers)
          •      Schwerkraft: etwa ein Drittel der Erdanziehung
          •      Dauer eines Marstages: 24 Stunden, 37 Minuten
          •      Dauer eines Marsjahres: 669 Marstage oder 687 Erdentage
          •    Durchschnittstemperatur: minus 55 Grad Celsius (zwischen minus 133 Grad und plus 27 Grad Celsius)
          •      Marsatmosphäre: unter anderem rund 95 Prozent Kohlendioxid (Erde: 0,04), etwa 0,13 Prozent Sauerstoff (Erde: rund 21)
          •      Distanz Erde-Mars: zwischen rund 56 Millionen und mehr als 400 Millionen Kilometern (aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeiten auf ihren Bahnen um die Sonne)
          •   Mittlere Distanz zur Sonne: 228 Millionen Kilometer (etwa das 1,5-Fache des Abstandes zwischen Erde und Sonne)

           

          Quelle: FAZ.net

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Städtisches Leben soll auch Sicherheit und Geborgenheit vermitteln: Wohnneubauten in Berlin-Friedrichswerder

          Innovative Stadtplanung : Man möchte wissen, wo man ist

          Wollen wir mehr Überwachung, oder soll der Stadtraum die Tugenden der offenen Gesellschaft widerspiegeln? Ideen für eine Stadt, in der man gut und gerne leben könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.