Die Sanddünen auf dem Roten Planeten sind ähnlich wie ihre irdischen Pendants auf steter Wanderschaft. Zu diesem Schluss sind amerikanische Wissenschaftler gekommen, die Aufnahmen eines Dünenfeldes in der Nili-Patera-Region analysierten, das von der Sonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ der amerikanischen Raumfahrtbehörde (Nasa) im vergangenen Jahr hundert Tage lang fotografiert worden war. Wie Nathan Bridges von der Johns Hopkins Universität in Maryland und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature“ (doi: 10.1038/nature11022) berichten, sind auf dem Mars offenkundig ähnlich große Sandmassen in Bewegung wie im Victoria-Tal in der Antarktis. Einzelne Sandriffel würden in hundert Tagen um bis zu 4,5 Meter vorankommen. Je höher die wellenartigen Strukturen seien, desto schneller bewegten sie sich fort, was ein klassisches Merkmal von Wanderdünen sei.
Der Befund ist überraschend, galten die Dünen auf dem Mars doch lange als unveränderliche Relikte einer längst vergangenen Zeit, als die Atmosphäre des Roten Planeten noch wesentlich dichter war als heute und entsprechend kräftige Winde wehten. Zwar gab es bereits Hinweise darauf, dass Sand in größeren Mengen auf der Marsoberfläche transportiert wird. Es war aber nicht klar, ob Dünen als Ganzes wandern können. Die Forscher um Bridges rätseln nun, wie es zu der starken Sandaktivität auf dem Roten Planeten kommt. Denn auf dem Mars brauche es hurrikanartige Stürme, um Sandkörner in die Luft heben zu können. Möglicherweise ist die Flugdynamik der Partikeln auf dem Mars eine andere, wobei wohl die geringere Schwerkraft des Roten Planeten eine Rolle spielt.
