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Defektes Weltraumteleskop : Verliert die Nasa ihren Planetenjäger?

Weltraumteleskop Kepler als Illustration Bild: Nasa

Das Weltraumteleskop „Kepler“ ist offenkundig funktionsuntüchtig. Der Grund sei ein defekter Kreisel, wodurch es nicht mehr ausgerichtet werden kann, teilte die Nasa mit.

          Das im März 2009 gestartete Weltraumobservatorium „Kepler“ der Nasa gilt unter Planetenjägern als großer Erfolg, hat es doch inzwischen mehr als 130 extrasolare Planeten und rund 3000 Kandidaten aufgespürt. Ursprünglich sollte Kepler seine Suche noch bis 2016 nach fernen Welten fortsetzen. Doch nun droht dem 600 Millionen Dollar teuren Prestigeprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde das vorzeitige Aus. Der Grund seien ernsthafte technische Schwierigkeiten, wodurch das Observatorium derzeit funktionsuntüchtig ist, teilte die Nasa in der Nacht zum Donnerstag mit.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Konkret funktioniere ein weiterer  der insgesamt vier Kreisel nicht mehr, die das Teleskop in Position hielten. Da bereits im vergangenen Jahr ein Kreisel ausgefallen ist, könne Kepler nicht mehr ausgerichtet werden und somit vorerst seine Suche nach Exoplaneten nicht mehr fortsetzen,  sagte der Wissenschaftsdirektor der Nasa, John Grunsfeld. Das Observatorium sei deshalb in einen „Sicherheitsmodus“ gefahren worden.
            
          Hoffnungsschimmer Sonnensegel

          Die Mission könnte nun vorzeitig zu Ende gehen. Allerdings seien die Sonnensegel des Teleskops so ausgerichtet worden, dass es seine Batterien wieder aufladen und die Kommunikation mit der Bodenstation auf der Erde fortführen könne. „Leider ist es nicht möglich Astronauten zu Kepler zu schicken,  die eine Reparatur ausführen könnten“, sagte Grunsfeld. Das Weltraumteleskop ist derzeit 64 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Ingenieure suchten  fieberhaft  nach Möglichkeiten,  den Kreisel zu reparieren und das Teleskop  wieder funktionstüchtig zu bekommen.

          Verräterische Schwankungen

          Kepler sucht mit Hilfe des sogenannten Transitverfahrens  nach extrasolaren Planeten und visiert dazu ständig mehr  als 150 000 Sterne im Sternbild Leier an, deren Helligkeit die Detektoren des Teleskops vermessen. Wandert aus  Keplers Perspektive betrachtet  ein Exoplanet  direkt vor seiner Sonne entlang, verdunkelt er seinen Zentralstern ein wenig. Dieser charakteristische  Helligkeitsabfall wird von  Kepler registriert. Die Stärke der kurzzeitigen Verdunkelung gestattet auch Rückschlüsse auf die Größe des Planeten.

          Quelle: F.A.Z.

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