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Chinas erste Mondlandung : „Jadehase“ im Anflug

Yutu - das erste chinesische Mondfahrzeug Bild: dpa

Es ist das größte unbemannte Raumfahrtabenteuer Chinas: Am Samstagnachmittag soll erstmals eine chinesische Raumsonde auf dem Mond landen und einen kleinen Rover aussetzen.

          Mit seiner ersten Mondlandung an diesem Samstag will China ein eigenes Kapitel in der Erkundung des Erdtrabanten aufschlagen. Nach einer zweiwöchigen Reise soll das Raumschiff „Chang’e 3“  kurz nach 14:00 Uhr (mitteleuropäischer Zeitrechnung, MEZ) in der „Bucht der Regenbogen“ des Mare Imbrium  landen, einer der eindruckvollsten  Landschafen des Mondes. Verläuft alles nach Plan, ist China  damit nach den Vereinigten Staaten und der früheren Sowjetunion die dritte Nation, die eine Mondlandung unternommen hat. Zuletzt war 1976 die sowjetische Sonde „Luna 24“ auf dem Mond gelandet.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nach dem letztem Stand am Freitag soll die Raumsonde  um 21.00 Uhr Pekinger Ortszeit (also um 14.00 Uhr MEZ) mit dem zwölfminütigen Landemanöver beginnen. „Chang’e 3“ flog zuletzt in einer elliptischen Umlaufbahn um den Mond, wobei es sich der Oberfläche bis auf 15 Kilometer näherte. Die Raumsonde kann etwa 100 Meter über der Oberfläche schweben, um Hindernissen ausweichen und den geeigneten Landeplatz aussuchen zu können.

          Der rollende Jadehase

          An Bord der Sonde befindet sich ein sechsrädriger Rover, Yutu getauft, der  drei Monate lang die Mondoberfläche  erkunden soll.  Das 140 Kilogramm schwere Gefährt kann einem Tempo von bis zu 200 Metern pro Stunde über den Mond rollen und Steigungen von bis zu 30 Prozent bewältigen. Es ist mit einer Radioisotopen-Heizung ausgestattet, die für eine angenehme Betriebstemperatur sorgen wird. Yutu verfügt über verschiedene Instrumente, mit denen etwa  die Mondoberfläche untersucht und die chemische Zusammensetzung des Gesteins  analysiert werden kann. An Bord sind auch Kameras und ein Teleskop für astronomische Beobachtungen.

          Der genaue Zeitplan unterliegt einer strengen Geheimhaltung. Voraussichtlich wird der Rover die  Raumsonde noch am selben Tag verlassen.  Im Verlauf des Sonntags könnten dann erste Fotos verfügbar sein, die möglicherweise auch den  Rover und die gelandete Raumsonde zeigen.

          Das Raumschiff ist nach der chinesischen Mondfee „Chang’e“ benannt, die der Legende nach mit einem weißen Hasen auf dem Mond hockt. In einer spektakulären Onlineumfrage hatten drei Millionen Chinesen den Mondrover  entsprechend „Jadehase“ (Yutu) genannt.

          Chinas ehrgeizige Mondpläne

          Die Mondlandung gilt unter Experten als das bislang schwierigste unbemannte Vorhaben des ehrgeizigen chinesischen Raumfahrtprogramms. Zwei Sonden hatten den Mond bereits aus einer Umlaufbahn erkundet. Noch bis zum Ende dieses Jahrzehnts sollen weitere Missionen folgen, in deren Verlauf  man  sogar Bodenproben vom Mond zur Erde bringen will.  Mehr als 80 Prozent der Technologien, die für weitere Mondmissionen unerlässlich sind,   werden mit  „Chang’e 3“ und Yutu zum ersten Mal getestet.

          „China steigt mit seinen Aktivitäten in den  exklusiven Club von Raumfahrernationen auf“, sagte Raumfahrtexpertin Joan Johnson-Freese vom US-Naval-War-College. „Es ist nach den Amerika und Russland erst die dritte Nation, die ein bemanntes Raumfahrtprogramm verfolgt - und jetzt erst die dritte Nation, die eine Landung auf dem Mond versucht.“ Die europäische Raumfahrtagentur (Esa) unterstützt die Kommunikation mit „Chang’e 3“ über seine Bodenstation in Kourou in Französisch-Guayana. Auch werden genaue Positionsbestimmungen von den Esa-Kontrollposten im spanischen Cebreros und australischen New Norcia geliefert. Das Esa-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt koordiniert alle Aktivitäten. Chinas Raumprogramm selbst steuert die Landung und das Mondfahrzeug über seine Stationen in Kashi im äußeren Westen Chinas und im nordöstlichen Jiamusi.

          China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Es plant bis 2020 den Bau einer Raumstation, die mit dem Auslaufen der Internationalen Raumstation ISS möglicherweise der einzige bemannte Außenposten im All sein wird.  Mit einem eignen Satellitennetz baut China auch ein globales Navigationssystem auf. Im Jahr 2003 hatte China erstmals auch einen Astronauten ins All gebracht.

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