Er ist ein Weltreisender in Sachen Entstehung des Lebens. Seine geowissenschaftlichen Expeditionen führten ihn an die unwirtlichsten Orte auf unserem Planeten, in die Namibwüste, ins Tal des Todes, in den Oman und zu den einsamen Felsoasen der Antarktis. Auf seinen Reisen läßt der kalifornische Geologe John Grotzinger keinen Fels unangetastet. Je älter das Gestein ist, desto besser, denn der umtriebige Professer an der Technischen Hochschule Kaliforniens (Caltech) in Pasadena sucht nach den frühesten Spuren des Lebens auf der Erde.
In seiner mittlerweile fast dreißig Jahre langen Karriere als Geologe hat den Forscher die Epoche des Kambriums stets besonders fasziniert. Damals, vor mehr als 500 Millionen Jahren, entstanden in relativ kurzer Zeit viele komplexe Lebensformen, nachdem die Erde in den ersten vier Milliarden Jahre ihrer Existenz nur wenig mehr als einige Arten von Einzellern hervorgebracht hatte. Am frühen Montagmorgen hat Grotzinger nun seinen Forschungshorizont um eine neue Welt erweitert, als der Nasa-Roboter „Curiosity“ im Gale-Krater auf dem Mars landete.
Zur geologischen Forschung kam der inzwischen fünfundfünzigjährige, hochgewachsene Mann mit den freundlichen blauen Augen eher durch Zufall. Als guter Sportler bekam der in Philadelphia aufgewachsene Grotzinger ein Stipendium am Hobart College im Bundesstaat New York. Als notwendiges Übel mußte er dort im Grundstudium eine Vorlesung in Geologie belegen und ließ sich fortan von dem Fach begeistern. Nachdem er an Universitäten in Montana und Virginia seine akademische Ausbildung abgeschlossen hatte, erhielt er 1988 eine Professur für Geologie am Massachusetts Institute for Technology in Cambridge bei Boston. Siebzehn Jahre später folgte er einem Ruf als Professor ans Caltech.
Dort überzeugten ihn Kollegen, sich an der wissenschaftlichen Auswertung der Messergebnisse der früheren Marsrover „Spirit“ und „Opportunity“ zu beteiligen. Die beiden Gefährte waren am berühmten JPL-Labor der Nasa entwickelt worden, das auf dem Campus von Caltech untergebracht ist. Als Grotzinger die ersten Fotos von Margesteinen untersuchte, die „Opportunity“ zur Erde gefunkt hatte, wurde er stutzig. Statt des von den meisten Forschern erwarteten vulkanischen Gesteins fand er in der Umgebung des Landeplatzes Sedimentgesteine mit eindeutigen Spuren, dass es einst Wasser auf dem Mars gegeben haben muss.
Wo es Wasser gab, könnte sich auch Leben entwickelt haben. Seit dieser Entdeckung ließ ihn die Erforschung des Roten Planeten nicht mehr los. Die Nasa ernannte Grotzinger zum Chefwissenschafter für das „Mars Science Laboratory“, wie „Curiosity“ offiziell heißt. Und nun kann es der Forscher kaum erwarten, dass sich der Roboter dem fünf Kilometer hohen Mount Sharp mitten im Gale-Krater nähert. Grotzinger hofft nämlich, dass dessen Sedimentgesteine mit den Felsen aus dem irdischen Kambrium vergleichbar sind.
Herr Wirth@...
Uwe Wagner (view)
- 07.08.2012, 10:53 Uhr
Anstelle nach ...
Andreas M. Wirth (mightyson)
- 07.08.2012, 08:45 Uhr
