04.06.2004 · Wieder einmal bereiten die Raumfahrer Großes vor. Die Raumsonde „Cassini-Huygens“ kommt dem Ringplaneten Saturn immer näher. Sieben Jahre war das Raumschiff unterwegs.
Langsam wird es spannend. Im Oktober 1997 gestartet, befindet sich das Sondenpaar „Cassini-Huygens“, ein Gemeinschaftsprojekt von Esa und Nasa, im Anflug auf sein Ziel, den beeindruckenden Ringplaneten Saturn. Während die europäische Sonde „Huygens“ erstmals auf einem Himmelskörper im äußeren Sonnensystem landen soll, wird der amerikanische Orbiter „Cassini“ den Saturn mit seinem Ringsystem und seinen zahlreichen Monden aus der Umlaufbahn erforschen.
Noch nie sei eine Sonde dem Saturn und dessen Ringen so nahe gekommen, sagte der Leiter des Cassini-Projektes bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, Robert Mitchell, am Donnerstag in Washington. „Die Emotionen schlagen hoch, es gibt viel Aufregung.“ Zuversicht auch in Deutschland: „Wir sind alle sehr optimistisch“, sagte David Southwood, Wissenschaftsdirektor der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA), im Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt.
Drei Sekunden oder 30 Minuten
Nach einer fast siebenjährigen Reise und vier sogenannten Swing-By-Manövern, bei denen die Sonde in der Umlaufbahn verschiedener Planeten zusätzlichen Schwung für den langen Weg holte, wird das Raumfahrzeug am 1. Juli (MESZ) in einen Orbit um den Saturn einschwenken und seine kürzeste Entfernung zu diesem Planeten erreichen. Schwestersonde „Huygens“ soll sich am 25. Dezember von „Cassini“ lösen und im Januar kommenden Jahres auf „Titan“, dem größten Mond im Sonnensystem, landen - ein mit Spannung erwartetes Vorhaben, da der Mond eine undurchdringliche eigene Atmosphäre besitzt.
Huygens sammelt bereits während seines 150 Minuten dauernden Fluges durch die Titan-Atmosphäre entscheidende Daten, so die ESA. Den harten Aufschlag werde der Lander nur kurz überleben. Garantiert seien drei Sekunden, erhofft 30 Minuten. Die Zustände auf dem Saturn-Mond Titan mit seiner dichten Stickstoffatmosphäre gelten als vergleichbar mit denen auf der Erde vor vier Milliarden Jahren. Seine genaue Beschaffenheit liegt allerdings verborgen unter einem undurchdringlichen rötlichen Dunstschleier.
Saturn hat Sonde bereits „im Griff“
Angesichts der enormen Größe des Gasplaneten ist der Saturn bereits jetzt ein beeindruckendes Objekt für die Kameras des europäisch-amerikanischen Forschungsroboters. Mittlerweile hat „Cassini-Huygens“ die Grenze erreicht, an der die Schwerkraft des Planeten jene der Sonne übertrifft. Der zweitgrößte Begleiter unserer Sonne hat die Forschungssonde also bereits in seinen Bann gezogen.