27.10.2004 · Die Raumsonde „Cassini“ hat erste Nahaufnahmen des Saturnmonds Titan zur Erde geschickt. Mit Hilfe der Fotos soll unter anderem der Landeplatz für die Esa-Sonde „Huygens“ inspiziert werden.
Die amerikanisch-europäische Raumsonde „Cassini“, die im Sommer nach sieben Jahren Flugzeit den Saturn erreicht hatte, hat am Mittwoch morgen erste Nahaufnahmen des großen Monds Titan an die Erde geschickt. Die Bilder entstanden während des Vorbeifluges, der die Sonde bis auf knapp 1200 Kilometer an den Saturntrabanten heranführte. Auf den Aufnahmen sind erstmals Oberflächenstrukturen zu erkennen. Wegen der dichten Wolkendecke, die den Saturntrabanten umhüllt, war dies bisher nicht möglich gewesen. „Das ist absolut spektakulär“, staunte die Nasa-Astronomin Carolyn Porco beim Anblick der ersten Fotos.
Esa-Missionsanalyst Michael Khan war vom reibungslosen Ablauf der Mission ebenfalls begeistert: „Das war der dichteste Vorbeiflug aller Zeiten.“ „Cassini“ häherte sich dem Saturn-Begleiter so sehr, daß das Raumschiff sogar die äußersten Schichten der Titan-Atmosphäre streifte. Forscher erhoffen sich von den Nahaufnahmen Aufschluß darüber, ob es auf dem Mond Wasser gibt. Bekannt ist bereits, daß die Atmosphäre des Saturntrabanten organische Elemente auf Kohlenstoffbasis enthält. Nach Ansicht von Wissenschaftlern ähnelt die Zusammensetzung der Gashülle Titans wahrscheinlich der der Erde vor Milliarden von Jahren. Daß sich auf dem Saturnmond Leben entwickelt, gilt wegen seiner großen Entfernung zur Sonne aber dennoch als unwahrscheinlich.
Wie der Himmel über Athen
Die Kameras an Bord des Nasa-Raumschiffes waren vor eine große Herausforderung gestellt. „Die Atmosphäre von Titan ist ähnlich dicht wie der Himmel über Athen“, erläutert Khan. „Cassini“ machte jedoch nicht nur Fotos, sondern spürte mit Radargeräten Winden sowie Ozeanen nach und untersuchte mittels eines Spektrometers die Zusammensetzung der Atmosphäre.
Der Tiefflug „Cassinis“ ist eine wichtige Vorbereitung für den Abwurf der europäischen Tochtersonde „Huygens“ im Januar 2005. Mit den neu gewonnen Daten kann der mögliche Landeplatz des kleinen europäischen Beiboots inspiziert werden, erläuterte die Europäische Weltraumorgansation (Esa). Am 14. Januar 2005 soll sich „Huygens“ in die Gashülle des Saturn-Trabanten stürzen und eine Landung versuchen. Ob es auf Titan genügend festen Boden gibt, damit die Forschungssonde aufsetzen kann, ist bisher unbekannt. Die europäischen Wissenschaftler hoffen, daß „Huygens“ ein halbe Stunde lang „überleben“ kann, dann sind bereits alle Missionsziele erfüllt. Eine sichere Landung würde die kühnsten Träume der Forscher wahr werden lassen.