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Sonntag, 19. Februar 2012
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Astrophysik Ein deutsches Teleskop für China

30.10.2009 ·  Errichtet wurde es auf dem Gornergrat, bald wird es in der Nähe von Lhasa stehen. Die chinesischen National Astronomical Observatories übernehmen demnächst das Submillimeter-Teleskop „Kosma“.

Von Günter Paul
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Viele Moleküle, die man von der Erde her kennt, sind auch im Kosmos weit verbreitet. Wie insbesondere die Erkundung der interstellaren Molekülwolken mit Submillimeter-Teleskopen in den vergangenen Jahrzehnten ergeben hat, findet man dort nicht nur Wasserstoff-, Kohlenstoff- und andere elementare Moleküle, sondern auch Alkohole und einfache Zuckermoleküle, Ameisen- und Essigsäure sowie Formaldehyd und Ethylenglykol. Die Submillimeter-Teleskope eignen sich aber auch zum Studium anderer großräumiger Strukturen in den Galaxien. Ein solches Instrument betreibt das I. Physikalische Institut der Universität Köln seit einiger Zeit zusammen mit dem Institut für Radioastronomie in Bonn auf dem Gornergrat in etwa 3100 Meter Höhe. Dieses Kosma-Teleskop, das eine 3-Meter-Antennenschale hat, wird demnächst von den chinesischen National Astronomical Observatories übernommen werden, die derzeit in Tibet einen neuen Standort für das Instrument vorbereiten. Sie haben jetzt 80 Kilometer nördlich von Lhasa in rund 4200 Meter Höhe damit begonnen, das notwendige Betonfundament zu gießen.

Das Kosma-Teleskop war im Jahr 1985 von den Kölner Physikern errichtet worden. Zehn Jahre später wurde es umfassend renoviert, wobei es unter anderem eine neue Antennenschale erhielt. Darüber hinaus sind die Kölner und Bonner Forscher wesentlich an einem seit dem Mai 2006 betriebenen japanischen Submillimeter-Teleskop - Nanten 2 - auf der Pampa la Bola (Chile) in rund 4800 Meter Höhe beteiligt. Das Instrument ist mit einer 4-Meter-Antennenschale ausgerüstet, es ist also etwas größer als Kosma. Die japanischen Astronomen hatten es im Jahr 1995 mit der anfänglichen Bezeichnung „Nanten“, was im Japanischen „Südhimmel“ bedeutet, auf dem Gelände des Las- Campanas-Observatoriums errichtet. Von diesem Standort ist es abgezogen worden, weil der Platz nicht hoch genug lag. Durch ihre Beteiligung an dem Instrument in Chile ist Kosma für die deutschen Forscher entbehrlich geworden. Außerdem läuft der Pachtvertrag für den Standort auf dem Gornergrat im kommenden Jahr aus.

Erstmals Messungen im Submillimeterbereich

Für die chinesischen Astronomen, die die Infrastruktur zur Verfügung stellen, wird das günstig erworbene Kosma-Teleskop das erste Instrument sein, mit dem sie - voraussichtlich vom kommenden Jahr an - astronomische Submillimeter-Forschung betreiben können. Allerdings wird es an seinem neuen Standort nur drei bis vier Jahre lang stehen. In dieser Zeit sollen die chinesischen Forscher und Techniker lernen, das Gerät samt seiner Technik zu beherrschen. Den deutschen Wissenschaftlern stehen dabei zwanzig Prozent der Beobachtungszeit zu.

Von dem für diese Phase ausgewählten Standort sind die Wetterverhältnisse mittlerweile gut bekannt. Im Winter sind die Beobachtungsverhältnisse dort auf jeden Fall günstiger als auf dem Gornergrat. Vor allem wirkt sich die geringere Luftfeuchtigkeit aus. Feuchte Luft stört die Messungen im Submillimeterbereich empfindlich. Im Sommer ist das Wetter an dem tibetischen Standort jedoch durch den mit viel Feuchtigkeit verbundenen Monsun geprägt. Diese Jahreszeit wird deshalb mit Wartungs- und Reparaturarbeiten überbrückt.

Seinen endgültigen Platz soll das Teleskop in 5000 bis 6000 Meter Höhe in Westtibet finden. Dort herrscht das ganze Jahr über ein ausgesprochen trockenes Klima. Allerdings muss die Region noch genauer auf ihre meteorologischen Verhältnisse hin erkundet werden. Es sind schon eine Handvoll mögliche Standorte ausgewählt worden, von denen einer schließlich den Zuschlag erhalten wird.

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