19.05.2006 · „Planetenjäger“ haben ein Planetensystem an einer rund 41 Lichtjahre entfernten Sonne entdeckt. Der äußere von drei Himmelskörpern bewegt sich nahe der „bewohnbaren Zone“ eines Sonnensystems. Dort könnte es flüssiges Wasser geben.
Ein Nachbarstern der Sonne besitzt ein Planetensystem, das unserem eigenen ähnelt. Auf einem der drei dort entdeckten Planeten könnte es sogar flüssiges Wasser geben, berichtet die Europäische Südsternwarte (Eso) in Garching bei München. Das 41 Lichtjahre entfernte System im Sternbild Puppis (Hinterdeck) am Südhimmel war mit einem Eso-Teleskop in Chile aufgespürt worden. Sein Zentralstern mit der Nummer HD 69830 ähnelt der Sonne und ist am irdischen Firmament gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen. Das Weltraumteleskop „Spitzer“ der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa hatte dort sogar einen Asteroidengürtel wie in unserem Sonnensystem erspäht.
Die drei Planeten haben zehn bis achtzehn Mal so viel Masse wie die Erde und sind damit etwa so massereich wie der Neptun in unserem Sonnensystem. „Es ist das erste Mal, daß wir ein Planetensystem aus mehreren Neptun-großen Planeten entdeckt haben“, sagte Christophe Lovis vom Observatorium Genf. Allerdings umkreisen die Planeten ihren Stern in sehr viel geringerer Entfernung als Neptun die Sonne - für einen Umlauf benötigen sie jeweils rund 9, 32 und 197 Erdentage. Der äußerste Planet scheine sich dabei an der Grenze der sogenannten bewohnbaren Zone zu bewegen, wo flüssiges Wasser existieren könne, berichtete die Eso. Er sei angesichts seiner großen Masse jedoch wahrscheinlich nicht erdähnlich.
Innere Planeten mit festem Kern
Modellrechnungen zufolge besitzen die beiden inneren Planeten vermutlich einen Kern aus Stein und sind von einer relativ kleinen Gashülle aus Wasserstoff und Helium umgeben, wie die an der Entdeckung beteiligte Universität Bern berichtete. Im Gegensatz dazu bestehe der äußere Planet rund zur Hälfte aus Gas, unter dem sich ein Kern aus Wasser und Stein befinde. Die Forscher um Lovis stellen ihre Entdeckung im Fachblatt „Nature“ (Bd. 441, S. 305) vor.
Der vom „Spitzer“-Teleskop aufgespürte Asteroidengürtel liegt wesentlich näher an seinem Stern als derjenige in unserem Sonnensystem. Er besitzt auch deutlich mehr Material. Ein derart dicht gepackter Asteroidengürtel würde unseren Nachthimmel als strahlendes Band erleuchten, erläuterte die Nasa. In unserem Sonnensystem bewegen sich die Asteroiden in einem Gürtel zwischen der Umlaufbahn unseres äußeren Nachbarplaneten Mars und der des Jupiter. Asteroiden sind Reste der Grundbausteine von Planeten wie der Erde.
Bislang wurden nach Angaben der Universität Bern mehr als 180 sogenannter Exoplaneten bei fernen Sternen entdeckt, vor allem massereiche Riesenplaneten. Ein neues deutsches Roboterteleskop sucht unterdessen von Teneriffa aus vollautomatisch nach fremden Sonnensystemen. Die Sternwarte Stella auf dem 2400 Meter hohen Berg Inzana ist am Donnerstag offiziell in Betrieb gegangen, wie das Astrophysikalische Institut Potsdam berichtete. Das Observatorium mit zwei Spiegelteleskopen von 1,2 Metern Durchmesser bedarf keiner menschlichen Präsenz. Die Steuerungssoftware entscheidet anhand einer Liste von Objekten selbst über den Beobachtungsplan, eine Wetterstation überwacht die Witterungsbedingungen und schließt das Observatorium rechtzeitig beispielsweise bei einem nahenden Sturm.