Home
http://www.faz.net/-gx0-ottc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Astronomie Planeten und kein Ende

18.04.2004 ·  Mit einem neuen Weitwinkelteleskop wollen Forscher des Observatoriums auf der Kanareninsel La Palma Tausende von extrasolaren Planeten aufspüren. Das größte Problem: den Datenwust in den Griff zu bekommen.

Von Günter Paul
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Für die Erforschung des Universums stehen den Astronomen immer größere Fernrohre zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat sich aber gezeigt, daß auch kleinere Instrumente weiterhin nützlich sind. Etliche von ihnen dienen dazu, den Nachthimmel nahezu lückenlos zu überwachen, wobei unter anderem nach Asteroiden auf möglichem Kollisionskurs mit der Erde gesucht wird. Mit einem neuen Teleskop, das am Freitag am Observatorio del Roque de los Muchachos auf der Kanareninsel La Palma offiziell in Betrieb genommen worden ist, wollen die Forscher Tausende von extrasolaren Planeten aufspüren.

Das Vorhaben geht auf Arbeiten Don Pollaccos von der Isaac Newton Group auf La Palma zurück, der in den neunziger Jahren Kameras für die Beobachtung und Fotografie von Kometen entwickelte. Sie hatten ein Blickfeld von zwanzig Grad, so daß die Objekte, selbst wenn sie lange Schweife hatten, mit jeweils nur einer einzigen Aufnahme abgebildet werden konnten. Die Kameras, die auf handelsübliche Montierungen aufgesetzt wurden, haben sich insbesondere beim Studium der Kometen Hyakutake und Hale-Bopp bewährt.

Sie stören die Sterne, die sie umkreisen

Etwa in jener Zeit entstand die Idee, ähnliche Kameras auch für die Suche nach extrasolaren Planeten zu nutzen. Normalerweise erkennt man diese kleinen Himmelskörper daran, daß sie die Sterne stören, die sie umkreisen. Sterne, die von Planeten begleitet werden, bewegen sich am Himmel infolge deren Schwerkraft hin und her. Die Bewegungskomponenten in Richtung Erde führen zu einer Verschiebung der Linien im Spektrum, die auf diese Weise die Existenz der bislang noch nicht direkt zu beobachtenden Planeten verraten.

Eine andere Suchstrategie hat bislang erst einmal zum Erfolg geführt: Die Suche nach Sternen, deren Licht in bestimmten Rhythmen ein wenig abgeschwächt wird, weil Planeten vor ihnen hinwegziehen. Solche "Finsternisse" lassen sich von der Erde aus nur erkennen, wenn wir sozusagen auf die Kante der Äquatorebene eines solchen Systems schauen. Ist die Ebene gekippt, bewegt sich ein Planet über dem Stern oder unter ihm hinweg, so daß es zu keiner Finsternis kommt.

Wasp = Wide Angle Search for Planets

Will man Planeten mit diesem Verfahren aufspüren, benötigt man ein Teleskop, das kleine Helligkeitsdifferenzen entdecken kann. Auf eine starke Vergrößerung kommt es nicht an. Nützlich ist allenfalls ein großes Blickfeld, so daß man viele Sterne gleichzeitig beobachten kann.

In der Saison 1999/2000 begann zwischen der Queen's University Belfast und der University of St. Andrews in Schottland eine Kooperation, die auf eine solche Suche nach extrasolaren Planeten gerichtet war - Wasp ("Wide Angle Search for Planets"). Don Pollacco, der mittlerweile bei der Queen's University arbeitete, lieferte dafür das kleine Weitwinkelteleskop Wasp-0, mit dem im Sommer 2000 auf La Palma erste Beobachtungen ausgeführt wurden. Dieses Instrument hatte ein Blickfeld von neun Grad. Unter anderem wurde es damals zur Erprobung des Systems auf HD 209458 gerichtet, den ersten Stern, bei dem man eine Verfinsterung durch einen Planeten beobachtet hatte. Im übrigen haben die Forscher die Auswertung der mit einer CCD-Kamera gespeicherten digitalen Daten getestet.

Super-Wasp im Roboterbetrieb

Für den Bau und Betrieb von Super-Wasp - einem Ensemble von zunächst vier und im weiteren Ausbau bis zu acht kleinen Teleskopen mit einem Blickfeld von knapp acht Grad haben sich mittlerweile das Instituto de Astrofísica de Canarias und weitere Institutionen der Kooperation angeschlossen. Die Queen's University Belfast hat die Kosten für das System mit vier Kameras übernommen, dessen Aufbau im Mai 2003 begann. Im Herbst konnte bereits die Erprobung beginnen, bei der sich zeigte, daß die Leistung der Anlage die Erwartungen sogar noch übertraf.

Mit der offiziellen Inbetriebnahme ist jetzt ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Routine getan. Das nächste Ziel wird es sein, Super-Wasp auf einen vollständigen Roboterbetrieb umzustellen, wie er sich bei vielen astronomischen Überwachungsprojekten bewährt hat. Der Ausbau mit den restlichen Teleskopen dürfte noch einige Zeit auf sich warten lassen. Jetzt müssen sich die Forscher zunächst vornehmlich darum kümmern, den Datenwust in den Griff zu bekommen. Denn in jeder sternklaren Nacht dürfte Super-Wasp etwa 60 Gigabyte an Daten liefern. Diese werden mit einer speziellen Software vom Leicester Database and Archive Service der University of Leicester verarbeitet.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2004, Nr. 91 / Seite 32
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7