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Astronomie Häufige Kollisionen im All

13.12.2005 ·  Die Gezeitenwirkungen bei Galaxien wurden bisher meist übersehen. Sie scheinen jedoch die Erklärung zu liefern, daß große Galaxien in relativ kurzer Zeit entstanden sein können.

Von Günter Paul
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Nach den gängigen Vorstellungen sind die großen Galaxien durch Kollisionen und Vereinigungen kleinerer Sternsysteme entstanden. Dieses Bild war bislang aber mit einem Makel behaftet. Die massereichsten Galaxien scheinen nämlich mehrheitlich zu den ältesten zu gehören. Ihre Entstehung hätte deshalb außerordentlich schnell erfolgt sein müssen. Den bisherigen Beobachtungen zufolge hätte die kurze Phase aber gar nicht für genügend Kollisionen ausgereicht. Dieser offenkundige Widerspruch könnte jetzt mit der Entdeckung eines amerikanischen Astronomen beseitigt worden sein.

Für die Suche nach kollidierenden oder kollidierten Galaxien hat sich Pieter van Dokkum von der Yale University in New Haven (Connecticut) auf zwei Himmelsdurchmusterungen gestützt, mit denen auch lichtschwache Objekte erfaßt werden, einen "Multiwavelength Survey" und den "Deep Wide-Field Survey" des National Optical Astronomy Observatory (NOAO). Die beiden Durchmusterungen werden mit 4-Meter-Teleskopen des Kitt Peak National Observatory in Kalifornien und des Cerro-Tololo Inter-American Observatory in Chile ausgeführt. Die bislang erfaßten Himmelsareale sind 5000mal so groß wie jener Bereich, der beim Hubble Deep Field Survey abgedeckt wurde.

Gezeitenwirkung bei „roten“ Galaxien

Die spektakulärsten Kollisionsbilder stammen von "blauen" Galaxien. Van Dokkum hat statt dessen bei 126 der Milchstraße benachbarten "roten" Galaxien nach Gezeitenwirkungen gesucht, wie sie bei Begegnungen und Kollisionen zu erwarten sind. Denn die roten Sternsysteme sind im allgemeinen massereicher. Bei 53 Prozent von ihnen wurde er fündig, was ein extrem hoher Anteil ist. (Die Systeme ließen Schweife oder breite Fächer aus Sternen hinter ihnen oder andere Asymmetrien erkennen.) Wenn Kollisionen so häufig sind, erklärt sich, warum die großen Galaxien in so kurzer Zeit entstanden sein können.

Die Daten stützen die Vorstellung, daß sich die meisten Galaxien durch die Vereinigung kleinerer Sternsysteme gebildet haben. Allerdings scheinen die damit verbundenen Prozesse schneller abzulaufen, als man bisher angenommen hat. Außerdem sind die dabei hinterlassenen Spuren mit den meisten Teleskopen nicht zu beobachten - zwei Gründe, warum man die Anzeichen bislang übersehen hatte.

Quelle: F.A.Z., 14.12.2005, Nr. 291 / Seite N1
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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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