22.04.2004 · Wegen eines globalen Klimawandels werden viele der riesigen Wirbelstürme in der Jupiteratmosphäre abflauen. Der von der Erde aus sichtbare Große Rote Fleck wird sich aber halten können.
Nicht nur auf der Erde, sondern auch auf anderen Planeten gibt es globale Klimaänderungen. Derzeit vollzieht sich nach Beobachtung amerikanischer Wissenschaftler ein solcher Klimawandel auf dem Jupiter, dem größten Planeten in unserem Sonnensystem. Einige der gigantischen Wirbelstürme, die zum Teil sogar mit Hobby-Teleskopen beobachtet werden können, werden in den kommenden zehn Jahren verschwinden. Das sagt der Physiker Philip Marcus von der Universität in Berkeley aufgrund von Modellen voraus.
Für eines der bekanntesten astronomischen Fotomotive, den sogenannten Großen Roten Fleck, besteht allerdings wohl keine Gefahr. Bei diesem ovalen orange-rötlichen Gebilde handelt es sich um das größte sichtbare Sturmgebiet in der Atmosphäre des Jupiters. Der Sturm tobt seit Jahrhunderten und hat derzeit Durchmesser von rund 20.000 Kilometern (zum Vergleich: Die Erde hat einen Druchmesser von mehr als 12.700 Kilometern). Auch wenn die Nasa bereits vor Jahren festgestellt hat, daß der Große Rote Fleck schrumpft, wird er laut den im Fachmagazin „Nature“ (Ausg. 428, Seite 828) nachzulesenen Erkenntnissen von Marcus nicht zu den Jupiter-Stürmen gehören, die gänzlich verschwinden werden.
Mehr als 500 km/h Windgeschwindigkeit
Ähnlich wie auf der Erde gibt es auf dem Jupiter wechselnde Luftströmungen. Die stärksten Stürme können auf dem Riesenplaneten jedoch Geschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern in der Stunde erreichen. Dadurch entstehen die gigantischen Wirbelstürme, die man von der Erde aus sehen kann.
Nach Ansicht von Marcus wird es in der Atmosphäre des riesigen Gasballs innerhalb des nächsten Jahrzehnts große Temperaturveränderungen geben. Die meisten der großen Flecken werden dabei verschwinden. Da der Große Rote Fleck in Äquatornähe liegt, wird er von diesen Veränderungen allerdings verschont bleiben, prognostiziert der Professor am Institut für Maschinenbau in Berkley.
Temperaturschwankung von zehn Grad
Bereits seit 20 Jahren arbeitet Marcus an Modellen, die zeigen, wie sich der Große Rote Fleck gebildet hat, in der turbulenten Jupiteratmosphäre stabil bleibt und wie sich Wirbel in der Jupiteratmosphäre verhalten. Aufgrund des Verlustes dieser atmosphärischen Wirbel werde sich die Durchschnittstemperatur auf dem Jupiter um über zehn Grad Celsius verändern, erklärt Marcus. Am Äquator wird es dabei wärmer werden und an den Polen kälter. Dadurch werden die Strömungsverhältnisse instabil und schließlich werden neue Wirbel entstehen. Diese Ereignissekönnten auch Amateurastronomen beobachten.